Anders lieben (Teil 1): Verheiratet und räumlich getrennt – „Wir haben die beste Beziehung ever“

Verheiratet zu sein und eine Familie zu haben, heißt automatisch auch, unter dem selben Dach zu wohnen? Nicht unbedingt! Gabi Iffland ist als Toyparty-Beraterin für AMORELIE tätig und hat uns davon berichtet, warum sie und ihr Mann sich für eine räumliche Trennung entschieden haben. Ihrer Liebe hat dieser Schritt geholfen – denn so haben beide die Freiheiten, die sie brauchen, um glücklich zu sein.

AMORELIE: Liebe Gabi, wie lange kennst Du Deinen Ehemann bereits und wie würdest Du Eure Partnerschaft beschreiben?

Gabi: Andreas und ich haben uns 1988 kennengelernt. Ich war damals verheiratet und hatte eine kleine Tochter, Andreas hat noch studiert – er ist etwas jünger als ich. Wir hatten eine einjährige Affäre, die ich nach einem Jahr beendet habe. Andreas hat vier Jahre später geheiratet und mit seiner Frau zwei Kinder bekommen. Meine zweite Tochter kam 1993 auf die Welt. 2001 hatten Andreas und ich wieder Kontakt, entstanden aus einem Geschäftstermin. Wir telefonierten, tauschten uns aus – es war schön. Wir haben uns beide von unseren Partnern getrennt und sind sofort zusammengezogen. In diesem Jahr sind wir 20 Jahre ein Paar. Wir reden über alles, tauschen uns aus, unterstützen uns – ob es um persönliche oder berufliche Angelegenheiten geht. Wir sind perfekt mit- und füreinander – obwohl wir sooo unterschiedlich
sind.

Ihr lebt räumlich getrennt voneinander – und das aus freien Stücken. Kannst Du erklären, warum Ihr Euch dafür entschieden habt?

Toyparty-Beraterin Gabi Iffland

Andreas ist drei Jahre nach unserem Zusammenziehen nach München gezogen, weil er eine großartige, geschäftliche Herausforderung angenommen hat. Aus dem geplanten einem Jahr der räumlichen Trennung wurden immer mehr.

Acht Jahre Fernbeziehung, in der jeder von uns sein eigenes Ding machte, sich selbst organisierte und seine Persönlichkeit weiterentwickelte.

Erst 2012 bin ich auch nach München und wir sind wieder zusammengezogen und haben im April 2012 geheiratet. Die ersten Jahre in München waren super – nach acht Jahren Fernbeziehung freuten wir uns, wieder zusammen zu sein und genossen unsere Zeit. Unsere Wohnung war groß und wir hatten jeweils ein Zimmer, in das wir uns zurückziehen konnten. Nach vier Jahren sind wir in eine kleinere Wohnung gezogen und das war eine Entscheidung, die fast unsere Beziehung zerbrechen ließ. Wir waren zusammen in einem Arbeitszimmer und hatten keine Möglichkeit des Alleinseins. Aus Kleinigkeiten wurden Probleme und wir hatten mehr Diskussionen als eine schöne Zeit zu zweit. Diskussionen, die uns sehr viel Energie gekostet haben.

Wann wurde Euch bewusst, dass Ihr lieber in jeweils eigenen Wohnungen leben möchtet? Gab es einen bestimmten Auslöser für die Entscheidung?

Als wir immer häufiger diskutiert haben – es ging um Kleinigkeiten wie einkaufen, Schubladen einräumen, den Kühlschrank befüllen. Ich war manchmal so wütend und enttäuscht, dass ich von Trennung gesprochen habe – von Andreas habe ich das nie gehört. Andreas hat dann vorgeschlagen, dass wir doch wieder getrennte Wohnungen nehmen sollen. Ich war entsetzt, wütend und enttäuscht. Doch es war zu diesem Zeitpunkt die einzige Alternative, die unsere Beziehung erhalten konnte.

Wie war es anfangs für Euch, wieder getrennt voneinander zu leben?

Für mich war es am Anfang unfassbar schwer. Ich fühlte mich abgeschoben und habe auch trotzig reagiert. Ich habe es als seinen ersten Schritt zur Trennung von mir gesehen. Auch wenn Andreas mir immer wieder versicherte, dass eine Trennung für ihn kein Thema ist, konnte er mir meine Befürchtungen nicht nehmen, ich war einfach verletzt und traurig. Andreas hat sich schneller damit arrangiert – allerdings war es auch nicht leicht für ihn, mit mir und meiner Verletztheit umzugehen. Es hat einige Wochen gedauert, bis in mir ein Gefühl der Freiheit entstand.

Wie hat Euer Umfeld auf die räumliche Trennung reagiert?

Sehr unterschiedlich und teilweise super interessant. Ich habe ein sehr großes Frauennetzwerk und viele meiner Freundinnen beneideten mich darum. Diese Meinung höre ich auch heute noch mir und da ging es auch bei ihnen nicht um die Trennung von ihrem Partner, sondern um den Freiraum.

Unsere mittlerweile erwachsenen Kinder waren am Anfang bestürzt und verwundert, mittlerweile sagen sie auch, dass es die beste Entscheidung für uns war. Unser Freundeskreis sieht es gelassen und eher anerkennend. Eltern und Geschwister – einige verstehen es glaube ich bis heute noch nicht.

Für uns war es auf jeden Fall die beste Entscheidung, die wir treffen konnten.

AMORELIE Adventskalender Toyparty
Gabi arbeitet als Toyparty-Beraterin für AMORELIE

Was ist das Beste an Eurer derzeitigen Lebenssituation? Und was stört Dich manchmal trotz aller Vorzüge?

Wir haben die beste Beziehung ever und wir sind sehr glücklich miteinander. Wir verbringen unsere Wochenenden – von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag zusammen – meistens in der Wohnung von Andreas, weil sie größer ist als meine. Außerdem sehen wir uns auch an einem Wochentag, wenn wir beide die Zeit dazu haben – auch dann mit Übernachtung. Wir telefonieren täglich und erzählen uns alles – es gibt keinerlei Geheimnisse zwischen uns. Wir sind wieder Mann und Frau, Geliebter und Geliebte, Sparringspartner und beste Freunde und können stundenlang reden – uns gehen nie die Themen aus.

Wir kochen und essen gerne – Andreas ist ein Superkoch – gehen sehr gerne in die Sauna, in ein schönes Restaurant oder feiern – wir hoffen sehr, dass wir das alles bald wieder tun können. Und wir treffen uns auch mal spontan zum Mittagessen oder Abendessen oder auf einen Drink in der Stadt oder zuhause. Mittlerweile genießen wir es sehr…. ich es unsagbar, dass ich meinen Freiraum habe, mich zurückziehen kann und meinen Tag so gestalten kann, wie es mir gerade passt. Manchmal fehlt mir die spontane Umarmung, die Nähe, die Zärtlichkeiten – doch dann telefonieren wir und alles ist wieder gut.

Wie läuft Euer Alltag ab? Habt Ihr jeweils einen Kleiderschrank in der Wohnung des*der anderen?

Wir haben beide unser eigenes Business und arbeiten von zu Hause aus. In Zeiten außerhalb von Corona ist Andreas viel unterwegs, in Deutschland und auch international – sodass 2020 uns hat wieder viel näher zusammenkommen lassen. Ich habe ein Grundpaket an Kleidung und meine kompletten Kosmetikartikel bei Andreas – alles andere passe ich unseren Plänen an und bringe es mit. Andreas hat eine Zahnbürste bei mir und wenn er mal länger da ist, bringt er seine Sachen mit.

Könnt Ihr Euch vorstellen, irgendwann noch einmal zusammenzuziehen?

Ja, wir sind uns sicher, zusammenzuziehen bzw. näher zusammenzuziehen. Wir reden auch oft darüber. Wir werden auf jeden Fall eine sehr große Wohnung mit jeweils einem Rückzugsbereich benötigen – oder zwei sehr nah beieinander liegende Wohnungen, wo wir sozusagen hin und her gehen können – momentan wohnen wir in München circa zwölf Kilometer entfernt voneinander.

Was denkst Du: Welchen Stellenwert haben Privatsphäre und persönliche Freiräume heutzutage – ist Euer Beziehungskonzept vielleicht ein Ansatz, der anderen Paaren so einige Alltagskonflikte ersparen könnte?

Wir sollten von dem Gedanken wegkommen, dass eine Partnerschaft unbedingt eine gemeinsame Wohnung benötigt. Sicher ist es für die Zeit besser, in der die Kinder beide Eltern benötigen. Wenn beide sich für getrennte Wohnungen entscheiden und damit umgehen können, dann kann es – so ist meine Meinung heute – eine sehr gute Entscheidung sein. Jedes Treffen ist ein Date, der Alltag ist nicht mehr so wichtig und steht im Hintergrund, die Freude aufeinander und auf das gemeinsame Zusammensein ist groß und die Zeit zu zweit ist so wertvoll, dass für Diskussionen und Konflikte wenig Platz bleibt.

Es gibt immer viel zu erzählen – das erleben wir beide bei unseren interessanten Jobs besonders – und wir könnten nie sagen, dass wir uns nichts zu erzählen haben. Gerade in der jetzigen Zeit erzählen mir meine Freundinnen, dass sie nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Partner noch reden sollen, weil sie von morgens bis abends zusammen sind.

Für mich ist es wichtig, dass ich Andreas absolut vertrauen kann. Ich weiß, dass unsere räumliche Trennung unsere Beziehung noch intensiver gemacht hat, als sie in unseren besten Zeiten war. Ja es ist ein Ansatz, um Alltagskonflikte zu lösen, um Sprachlosigkeit und sinnlose Diskussionen zu überwinden. Es ist machbar, wenn beide sich vertrauen und auch weiterhin zusammenbleiben wollen.

Weiterlesen: Anders lieben (Teil 2): Ein Leben mit Familie – und fester Freundin

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