Trans*-Sichtbarkeit: Wen feiern wir im Women’s Month?

Trans*-Sichtbarkeit: zwei Frauen
(Bild: Anna Tarazevich/Pexels)

„Viva la Vulva!“, fordern wir feierlich im März – berechtigterweise, denn die Vulva verdient mehr Sichtbarkeit und Respekt. Doch dabei vergessen wir schnell: Nicht jede Person mit einer Vulva ist eine Frau und nicht jede Frau hat eine Vulva. Wen genau feiern wir als Gesellschaft also zum Women’s Month?

Am 31. März findet der „International Transgender Day of Visibility“ statt, am gleichzeitig letzten Tag des „Women’s History Month“. Diese Überschneidung bietet Anlass, um sich Gedanken über die Repräsentation von trans* Menschen zu machen, aber auch um uns mit eigenen (unbewussten) Vorurteilen und stereotypischen Bildern von Weiblichkeit auseinanderzusetzen.

Welche Minderheiten machen wir sichtbar?

Sowohl der Tag der Trans*-Sichtbarkeit als auch der Women’s Month verfolgen das Ziel der Sichtbarmachung von diskriminierten Menschen. Ihre Erfolge und Beiträge zur Gesellschaft sollen anerkannt werden, ebenso ihre Kämpfe und ihre fortwährende Benachteiligung. Während beim Transgender Day of Visibility klar ist, dass das Augenmerk auf verschiedene Personengruppen gelegt wird – trans Frauen und – Männer, non-binäre Menschen, genderfluide Personen beispielsweise –, ist dieser Fokus beim Women’s Month klarer auf cis-geschlechtliche Frauen gerichtet. Im März zelebrieren wir Heldinnen wie Ruth Bader Ginsburg, Marie Curie, Michelle Obama oder Frida Kahlo. Und die Liste der Ikonen könnte natürlich noch endlos weitergeführt werden. Wir erheben unsere Stimme für gleiche Chancen und Rechte, würdigen die Frauen in unserem Umfeld und, je nachdem, uns selbst. Gleichzeitig stellen wir uns dagegen, dass weibliche Körper entweder zensiert und beschämt oder umgekehrt schamlos sexualisiert werden. Und das alles mit gutem Recht.

Doch trotzdem müssen wir uns fragen: Wen genau feiern wir denn? Und wen feiern wir besonders laut? Schließlich haben auch trans Frauen wie die Malerin Lili Elbe oder Aktivistinnen wie Marsha P. Johnson oder Chelsea Manning mit ihrem Mut unsere Gesellschaft enorm geprägt. Besonders schwarze trans Frauen haben einen erheblichen Beitrag zur Stärkung und Sicherung von Frauenrechten beigetragen und tun dies bis heute. Die Frage drängt sich also auf: Weshalb stehen ihre Bemühungen und Erfolge im Women’s Month nicht stärker im Zentrum des Women’s Month?

Trans*-Sichtbarkeit: Was sind weibliche Körper überhaupt?

Spätestens, wenn wir uns über Zensur oder Sexualisierung „weiblicher Körper“ unterhalten, zeigt sich unsere – oft auch unbewusste – Voreingenommenheit. Denn was meistens damit gemeint ist, sind Brüste, Vulva, Vagina. Diese Körperteile werden von uns zwar weiblich konnotiert und tatsächlich identifizieren sich auch die meisten Menschen, die sie vorweisen, als weiblich. Doch das trifft eben nicht auf alle zu. Eine trans Frau muss keines dieser Körpermerkmale aufweisen, um eine Frau zu sein. Umgekehrt können trans Männer oder non-binäre Personen zwar über diese Körperteile verfügen, dies ändert aber nichts an ihrer Geschlechtsidentität. Das bedeutet jedoch nicht, dass Körper von trans* Menschen weniger tabuisiert und zensiert oder im Umkehrfall fetischisiert werden – ganz im Gegenteil. Trans* Personen werden häufig noch stärker auf ihren Körper reduziert und sehen sich regelmäßig mit grenzüberschreitenden Fragen konfrontiert oder werden Opfer körperlicher Übergriffe..

Solidarität als Erfolgsrezept

Und nun? Sollen wir jetzt etwa keinen Women’s Month mehr feiern oder cis Frauen daraus verbannen? Natürlich nicht. Die Benachteiligung einer Personengruppe hebt nicht diejenige einer anderen auf. Genauso wenig, wie das bei Erfolgen der Fall ist. Vielmehr sollten wir uns den Women’s Month und den Tag der Sichtbarkeit von trans* Personen als Ansporn nehmen, uns mit den Lebensrealitäten von anderen Menschen zu befassen, unsere (unbewussten) Glaubenssätze zu hinterfragen, zu lernen und uns zu solidarisieren.

Diskriminierung hat viele Formen; sie kann vielschichtig sein und unterschiedliche Ausmaße, aber auch Überschneidungen haben. Genau deshalb sollten wir empathisch sein und Privilegien dazu nutzen, um andere zu unterstützen. Es ist wichtig, dass Menschen, die in unserer Gesellschaft lauter sein dürfen, ihre Stimme auch für diejenigen erheben, die weniger Gehör finden. Der Kampf für Frauen- und Transgender-Rechte ist aus vielen Perspektiven eng miteinander verknüpft. Sich zu verbünden scheint also nur logisch. Auch wenn es klischeehaft klingen mag, bleibt es trotzdem wahr: Nur gemeinsam sind wir stark. Und wenn wir füreinander einstehen, werden wir in jedem kommenden März hoffentlich immer weniger auf Ungleichheit hinweisen müssen und dafür umso mehr gemeinsame Erfolge feiern!

Geschrieben von
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