Warum Du den Gang zum Frauenarzt niemals aufschieben solltest

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Es ist vielleicht eine der prägendsten Momente meines Lebens – als ich erfuhr, dass meine Tante an Gebärmutterkrebs erkrankt war, warf mich das völlig aus der Bahn. Die Schwester meiner Mutter, die ich so lieb hatte, kämpfte plötzlich um ihr Leben. Noch nie war ein Mensch in meiner Familie so schwer krank gewesen. Sowas passiert doch nur anderen. Wie muss sie sich mit dieser Nachricht fühlen und was können wir tun oder sagen, um ihr zu helfen und beizustehen? Der Krebs hatte gestreut, Chemo und weitere OPs waren unausweichlich. Und wie es immer so ist: Man hofft auf ein Wunder. Bei uns blieb es leider aus.

Seitdem träume ich oft, dass sie noch bei uns ist und ich sie nur einfach ewig nicht angerufen habe – dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Vielleicht ist das ja meine Art, die Hilflosigkeit in dieser Situation zu verarbeiten. Und ich denke darüber nach, wie man dieses Schicksal hätte abwenden können. Denn Gebärmutterhalskrebs ist heute oft vermeidbar. Durch regelmäßige Checks bei dem*der Gynäkolog*in lassen sich Vorstufen bereits sicher erkennen und behandeln. Wenn mir Freundinnen sagen „Ich war schon ewig nicht mehr bei dem*der Frauenärzt*in“, „Ich habe komische Blutungen“ oder „Da ist so eine harte Stelle in der Brust“, bin ich die Erste, die sagt: „Ab geht’s, ich begleite Dich!“.

„Für Frauen ist schon ab einem Alter von 20 Jahren die regelmäßige, jährliche Teilnahme an der gynäkologischen Krebsfrüherkennung angeraten, weil es sich hierbei um eine geschlechtsspezifische Krebsfrüherkennungsuntersuchung handelt. Frauen haben andere Krebsrisiken als Männer“, betont der Berufsverband der Frauenärzte e.V. auf Nachfrage von AMORELIE.

Was macht der Frauenarzt oder die Frauenärztin?

„Bei der Untersuchung für Frauen ab 20 Jahre handelt es sich um eine Genitaluntersuchung. Dabei geht es insbesondere um die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Hauptursache für diese Krebsart sind sexuell übertragbare HP-Viren.“ Doch wie läuft eine Untersuchung genau ab? Auch hierzu haben uns die Expert*innen konkrete Antworten gegeben, damit Ihr wisst, was auf Euch zukommt:

„Vor der Untersuchung besprechen Sie sich mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über mögliche Veränderungen oder Beschwerden, die Sie bemerkt haben könnten. Zudem erfolgen eine Inspektion und eine gynäkologische Tastuntersuchung sowie ein Abstrich vom Gebärmutterhals für den sogenannten Pap-Test. Beim Pap-Test werden die entnommenen Zellen im Labor mikroskopisch auf Veränderungen untersucht. Bei diesen Veränderungen kann es sich um Krebsvorstufen oder Gebärmutterhalskrebs handeln.“ Für den Pap-Test wird die Vagina mit einem Spreizer (Spekulum) vorsichtig geöffnet. Dann streicht man mit einem Wattestäbchen oder Bürstchen den Muttermund  ab – das tut nicht weh und ist schnell erledigt. Ähnlich funktioniert der HPV-Test.

Eine regelmäßige Teilnahme ist über die Jahre wichtig, denn früh erkannt sind viele Krebserkrankungen und insbesondere deren Vorstufen besser zu beobachten, besser behandelbar und die Prognosen gut. – Berufsverband der Frauenärzte e.V.

„Indem Frauen bereits ab diesem jungen Alter die Früherkennungsuntersuchungen regelmäßig wahrnehmen, achten sie frühzeitig auf sich und ihre spezifischen Gesundheitsrisiken“, so die Expert*innen weiter. „Sie haben auch die Gelegenheit, in der frauenärztlichen Praxis Fragen zu stellen, Unsicherheit abzubauen und können sich besser über ihre gesundheitlichen Belange informieren – unter anderem auch über die Chance der Schutzimpfung gegen HP-Viren. Die Möglichkeiten eine aufgeklärte Patientin zu sein, sind heutzutage so gut wie nie.“

Welche Vorsorgeuntersuchungen für Frauen wichtig sind

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Jede Vorsorgeuntersuchung kann immer auch dazu genutzt werden, all die anderen Anliegen zu besprechen, die für die Gesundheit und das Wohlbefinden wichtig sind: etwa die Beratung bei Kinderwunsch oder über eine sichere Verhütungsmethode. Infektiologische Erkrankungen und Symptome möglicher Geschlechtskrankheiten können abgeklärt werden, ebenso wie diverse Beschwerdebilder wie PMS, Zyklusveränderungen, Endometriose, sexualmedizinische Fragestellungen oder psycho-somatische Beschwerden.

  • Ab 18 Jahren: Jährliche Genitaluntersuchung und Früherkennung von Krebs.
  • Unter 25 Jahren: Neben der Früherkennung von Krebs gibt es auch ein jährliches Chlamydien-Screening. Bleiben Chlamydien-Infektionen unbehandelt, besteht die Gefahr schwerer Folgeerkrankungen wie Sterilität, chronischen Unterbauchschmerzen, Schwangerschaftskomplikationen und Unfruchtbarkeit.
  • Ab 30 Jahren: Gemeinsam mit der Genitaluntersuchung wird jährlich eine Brustuntersuchung angeboten, samt gezielten mit Fragen nach Veränderungen und Beschwerden, die im Zusammenhang mit Brustkrebs oder dessen Vorstufen bekannt sind.
  • Ab 35 Jahren: Ab diesem Alter erhalten Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung bestehend aus Pap-Abstrich und HPV-Test.

Wie viele Frauen gehen regelmäßig zum Check?

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Die allgemeine Krebsfrüherkennungsuntersuchung wird abhängig vom Alter unterschiedlich in Anspruch genommen. Bis zu einem Alter von circa 42 Jahren sind innerhalb des Jahres 2020 mindestens 50 Prozent und bei jüngeren Altersgruppen bis zu 58 Prozent der Frauen zur allgemeinen Krebsfrüherkennung gegangen. In den höheren Altersgruppen sind die Teilnahmeraten niedriger.* Jüngere Menschen haben demnach ein stärkeres Bewusstsein für die Wichtigkeit der Untersuchung – trotzdem gibt es in allen Altersgruppen viele, die sich nicht regelmäßig untersuchen lassen.

Im Zeitraum zwischen dem 25. und 55. Lebensjahr der Frau kann ein Gebärmutterhalskarzinom am häufigsten auftreten. Inzwischen erkranken daran jedoch jährlich nur noch 6 von 10.000 Frauen. Denn: Durch den Pap-Abstrich werden mittlerweile acht Mal so viele Vorstadien dieser Krebserkrankung frühzeitig entdeckt und die Entwicklung von Krebs kann aufgehalten werden. So ist in den letzten zehn Jahren die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs um 38 Prozent zurückgegangen.

Meiner Tante hätte der jährliche Check womöglich das Leben gerettet, ebenso wie vielen anderen, die an Gebärmutterhalskrebs oder Brustkrebs erkrankt sind und erst spät davon erfahren haben. Daher ist mein Appell zum World Cancer Day am 04. Februar: Tut Euch und Euren Liebsten den Gefallen und lasst Euch regelmäßig durchchecken. Findet eine*n Gynäkolog*in, bei dem*der Ihr Euch gut aufgehoben und wohl fühlt, dann ist die Untersuchung weder unangenehm noch peinlich. Euer Körper wird es Euch danken!

*Quelle: wido.de; Inanspruchnahme von Früherkennungsleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung durch AOK-Versicherte im Erwachsenenalter 2009 bis 2020)

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