Geschlechts­krankheiten und sonst so?

“Und in 2 Wochen sehen wir uns wieder mit Geschlechtskrankheiten!“ Immer noch mein Lieblingssatz aus dem 90er Bravo TV Doktor Sommer Interview mit Enie van de Meiklokjes. Das Thema der Sendung war Aufklärung. Offen reden über Sexthemen – auch Geschlechtskrankheiten gehörten dazu. Seit den 80ern geisterte das Gespenst HIV durch alle Medien und brachte das Thema zum ersten Mal richtig auf den Tisch. Auch in den 90ern war es noch hochaktuell. Aber wie sieht das heute aus?

Ja, klar ohne Kondom. Spür ich doch mehr.

Ich höre den Satz immer noch häufig (leider) auf irgendwelchen Partys oder wenn mir mal wieder ein Bekannter erzählt er oder sie habe mit einem One-Night-Stand eine Runde ohne Kondom gedreht. Da weiß ich schon gar nicht mehr, was ich noch sagen soll. Einfach dumm. Es gibt ja nicht nur HIV, denk ich. Chlamydien und Gonorrhoe sind weit verbreitet. Und viele, die ich kenne haben schon einmal damit zu tun gehabt. Grund ist Sex ohne Kondom. Ist es allen egal krank zu werden? Wo heute doch viele Leute so auf die Gesundheit achten. Das Thema Geschlechtskrankheiten scheint häufig banalisiert zu werden, beziehungsweise ist es leider noch oft tabu. Man redet nicht darüber, im besten Fall noch mit einem Arzt. Als schwuler Mann, geht mir das völlig ab. Ich bin schon alleine durch meine Sexualität ständig mit HIV konfrontiert.

Ich habe häufig wechselnde Sexpartner und schütze mich mit Kondomen. Mindestens ein HIV-Test pro Jahr ist Standard für mich. Die Gesundheit sollte einem das Wert sein. Zumal viele Stellen die Tests günstig oder sogar kostenlos anbieten. Es gehört für mich dazu, wenn ich einen festen Partner habe, mit ihm offen über Krankheiten zu reden. Offenheit schützt! Hast Du Geschlechtskrankheiten? Willst Du ungeschützten Sex, dann lassen wir uns beide testen! Keine Diskussion. Wer eine offene Beziehung führen will, braucht zudem Vertrauen und ungeschützter Kontakt mit Fremden sollte tabu sein. 

HIV – nur ein Gespenst aus der Vergangenheit?

Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV in Deutschland steigt wieder jährlich und zeigt die zunehmende Nachlässigkeit beim geschützten Geschlechtsverkehr. Woran liegt das?

Das Gespenst HIV ist längst keines mehr. Seit Mitte der 90er Jahre verebbte langsam die mediale Aufmerksamkeit und Aufklärung zum Thema. Durch relativ guten Schutz in Form von PrEP* und medikamentöser Therapie, lässt sich außerdem heute mit AIDS meist eine „normale“ Lebenserwartung erlangen. Folge ist eine zunehmende Unachtsamkeit, vor allem bei der jüngeren Generation. HIV in Form von AIDS ist und bleibt aber eine gefährliche Krankheit. Mit jährlich rund 3000 Neuansteckungen alleine in Deutschland, ist sie immer noch eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten.

Nicht nur HIV – auch die Zahlen anderer Geschlechtskrankheiten, wie Chlamydien, Syphilis, Gonorrhoe, Herpes genitalis und HPV steigen wieder an. In größeren Metropolen nehmen auch Hepatitis-Infektionen wieder zu – Grund ist auch hier ungestützter Sex. Ich glaube es ist nicht unbedingt nur achtloser Sex, sondern auch ein Teil fehlender Aufklärung durch Lehrer und Eltern. Wenn ich an meine Aufklärung in der Schule denke mit einer Lehrerin, die schon beim Wort Kondom rot wurde, wundern mich die Zahlen nicht. Ich bin zwar in den 90ern groß geworden, aber auch heute scheint das große Verständnis für geschützten Geschlechtsverkehr noch nicht ausgebrochen zu sein.

Ungeschützter Sex kann Folgen haben

Die Auswirkungen der Krankheiten sind unterschiedlich schwerwiegend. Wer einmal mit Feigwarzen, Chlamydien und Co. zu tun hatte, weiß wovon ich rede. Sie sind lästig und kommen mit unter immer wieder. Können Krebs und andere Nebenerscheinungen mit sich führen. HIV in Form von AIDS kann einen tödlichen Verlauf nehmen. Entgegen vieler Annahmen, lassen sich einige der Krankheitserreger, wie Herpes oder Clamydien auch oral übertragen. Daher sollte man nicht nur beim Vaginal- und Analsex mit Kondomen verhüten, sondern auch beim Oralsex über die Verwendung von Lecktüchern nachdenken. Vor allem wenn man sich nicht sicher ist, ob der Sexpartner oder die Sexpartnerin gesund sind.

Ihr sollt natürlich keine Panik vor einer Ansteckung haben. Sex soll Spaß machen! Es kann immer etwas passieren und die meisten Geschlechtskrankheiten sind mittlerweile auch gut behandelbar. Das Beste ist abzuwägen und auf das Gefühl zu hören, wann Schutz angebracht ist. Informiert Euch und habt für gewisse Momente immer ein Kondom bzw. Lecktücher dabei. Ganz wichtig ist es auch darüber zu reden. Fragt nach, ob der andere gesund ist und teilt Sorgen, Ängste und Erfahrungen mit. Geschlechtskrankheiten sind eben nur  das, Krankheiten, wie jede andere auch. In jeder Stadt gibt es zudem Ärzte und Gesundheitsämter, die über das Thema aufklären. Die zuständigen Stellen dazu könnt Ihr einfach online finden. Im Anschluss findet Ihr noch ein kleinen Überblick von mir über die häufigsten Krankheiten, ihre Symptome und wie sie behandelt werden können.

Das kleine „Lexikon“ der Geschlechtskrankheiten

  • Chlamydien sind Bakterien, die vaginal oder anal, in seltenen Fällen auch oral übertragen werden. Sie gehören zu den wohl häufigsten Geschlechtskrankheiten. Männern und Frauen können jahrelang infiziert sein, ohne das Symptome sichtbar werden. Bricht die Krankheit aus, kommt es zu Ausfluss aus Scheide und Penis, Schmerzen beim Wasserlassen und leichten Blutungen. Unbehandelt können die Erreger auch zu Unfruchtbarkeit führen. Chlamydien lassen sich relativ gut durch Einnahme eines Antibiotikums bekämpfen.
  • Gonorrhoe (auch unter Tripper bekannt) ist ähnlich wie Chlamydien eine bakterielle Infektion und wird durch sexuelle Aktivitäten übertragen. Symptome sind auch hier Ausfluss aus der Vagina oder Penis. Antibiotika helfen die Krankheit zu heilen. Auch der Partner sollte sich behandeln lassen, da es sonst zu einem „Ping-Pong-Effekt“ kommen kann.
  • Genitalherpes wird vom sogenannten Herpes-simplex-Virus übertragen. Symptome sind Schmerzen im Intimbereich und Bläschen (ähnlich dem Lippenherpes) an den Genitalien. Der erste Ausbruch der Krankheit ist häufig der stärkste, während folgende Ausbrüche schwächer werden. Eine antivirale Behandlung hilft den akuten Genitalherpes zu behandeln.
  • Genitalwarzen (auch als Feigwarzen bekannt) treten sowohl im Genital- als auch Analbereich auf. Die Warzen werden durch das humane Papillomvirus (HPV) verursacht. Viele Menschen tragen den Virus in sich, ohne je Symptome zu bekommen. Die Warzen können durch Laser, Veröden oder Kältetherapie entfernt werden. Erneutes Auftreten ist aber nicht unwahrscheinlich und sollten umgehend entfernt werden. Gegen HPV gibt es mittlerweile auch eine freiwillige Impfung, die für Jungen und Mädchen bis 18 Jahren, manchmal auch noch bis 27 Jahren, von den Krankenkassen kostenmäßig übernommen werden.
  • Syphilis kann heutzutage leicht mit Antibiotika behandelt werden. Bei fehlender Behandlung können teilweise Geschwüre an Genitalien, Analbereich oder am Mund auftreten sowie eine Infizierung von Gehirn, Augen und Ohren. Gesundheitsämter bieten einen Syphilis-Test meist kostenlos an, um mögliche Bakterien im Körper festzustellen und zu bekämpfen.
  • Hepatitis-B-Viren lassen sich ebenfalls durch sexuellen Kontakt übertragen. Die Infektion lässt sich aber durch eine einfache Impfung leicht vermeiden. Symptome einer akuten Infektion sind oft kurzer Dauer und nicht auf den ersten Blick als Hepatitis-B-Infektion zu erkennen. Beim chronischen Verlauf der Krankheit kommt es zu Leberschäden.
  • HIV (humanes Immundifizienz-Virus) greift das Immunsystem, so dass normale Erkältungen und Krankheit nicht mehr vom Körper bekämpft werden. Das Virus wird durch Blut oder Geschlechtsverkehr (in seltenen Fällen auch durch oralen Geschlechtsverkehr) übertragen. Akute Symptome nach einer Ansteckung treten bereits nach einigen Wochen auf und sind grippeähnlich. Sie werden daher häufig nicht gleich als Symptome einer HIV-Ansteckung erkannt. Die Therapie besteht aus Medikamenten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Viruslast im Körper soweit verringern, dass viele Menschen, trotz Ansteckung, eine relativ normale Lebenserwartung haben. Eine hundertprozentige Heilungsmethode wurde aber bis heute noch nicht entwickelt.
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