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Softboys – zu nett, um wahr zu sein

15 Februar 2024,

von

Die gute Nachricht: Die Blütezeit der Fuckboys ist vorbei! Respektloses und manipulatives Verhalten im Datingleben, für das Männer früher sogar gefeiert wurden (erinnert sich noch jemand an Barney von „How I Met Your Mother“?), wird heute glücklicherweise von vielen durchschaut und nicht mehr akzeptiert. Gefühle zulassen, sich weich und verletzlich geben und sich für schöngeistige Themen interessieren – wer aufgrund dieser Charakteristiken vor einigen Jahren noch als „unmännlich“ galt, wird heute beim Dating oft gerade dafür belohnt. Und das eigentlich völlig zurecht! Doch leider entpuppt sich der nette Softie manchmal als Softboy. Was im ersten Moment süß und liebenswert klingt, kann leider ganz schnell zu einem Dating-Desaster werden. Wir erklären Dir, was einen Softboy von einem netten Kerl unterscheidet und auf welche Red Flags Du achten solltest, damit Du nicht in seinen Fängen landest.

What the … Fuckboys?

Wer Softboys verstehen und erkennen will, muss auch das Phänomen des „Fuckboys“ kennen. Denn eines vorweg: Softboys sind eigentlich gut getarnte Fuckboys. Die Bezeichnung „Fuckboy“ hat sich im Dating-Jargon schon länger etabliert und vielen ist das Konzept ein Begriff. Schlimmstenfalls hatten sie sogar schon das Pech, an einen geraten zu sein. Kurz und knapp erklärt: Fuckboys sind emotional so reif wie eine grüne Banane und bereit, für Sex so ziemlich alles zu machen. Außer ehrlich zu sein und Menschen respektvoll zu behandeln.

Doch da ihre miesen Tricks mittlerweile vielen bekannt sind und sie deshalb nicht mehr so erfolgreich sind, wird es schwierig für den Fuckboy, sich im Dating-Dschungel weiterhin zu behaupten. Ganz gemäß der Evolutionstheorie heißt das: anpassen oder aussterben. Deshalb macht sich zunehmend die nächste Evolutionsstufe des Fuckboys breit: der Softboy. Auch wenn Du bis jetzt noch nie von diesem Typus gehört hast, hast Du womöglich schon den einen oder anderen gedatet, ohne es zu wissen. Die Stärke der Softboys ist nämlich ihre Tarnung als netter, gefühlvoller Kerl – der sich allerdings als genauso egoistisch und rücksichtslos entpuppt wie ein wahrer Fuckboy.

Softboys – ein Disclaimer

Vorneweg eine Klarstellung: Die Verhaltensweise(n), auf die wir zu sprechen kommen, können natürlich von Personen aller Geschlechter und aller sexuellen Orientierungen an den Tag gelegt werden. Es gibt auch Softgirls. Es gibt Soft-Enbys. Es gibt ganz bestimmt schwule Softboys. You get it. Doch besonders heimtückisch sind heterosexuelle cis-geschlechtliche Softboys. Denn während beispielsweise trans oder schwule Männer das (überholte) gesellschaftliche Männlichkeitsbild ins Wanken bringen und sie dafür diskriminiert werden, brechen Softboys aus Kalkül damit.

Queeren Männern wird gesellschaftlich oft inhärent abgesprochen, „echte Männer“ zu sein. Ihnen wird vorgeworfen, zu weiblich zu sein und damit unter anderem zu weich und zu emotional. Diese Argumentation ist selbstverständlich auf sehr vielen Ebenen höchst problematisch und auch schlicht falsch. Heterosexuelle cis Softboys hingegen kokettieren mit Eigenschaften und Styles, die gemeinhin als „feminin“ gelten und nutzen diese zu ihrem Vorteil – ohne Benachteiligung dafür zu erfahren. Im Gegenteil, sie werden für ihren Mut und ihr Stilbewusstsein gelobt, selbst wenn sie damit nur einem Trend folgen. Und wenn es doch unbequem werden sollte, können sie ganz einfach ihrer Rolle entschlüpfen, während queere Männer ihre Identität nicht einfach abstreifen können. Daher wird das Phänomen im Folgenden aus einer hetero- und cis-geschlechtlichen sowie binären Perspektive ausgeleuchtet. Was nicht bedeuten soll, dass das geschilderte Verhalten wie emotionale Erpressung oder Gaslighting okay ist oder entschuldigt werden soll.

Softboys – too good to be true?

Einen Softboy zu daten fühlt sich zu Beginn erfrischend und einfach an. Er zeigt sich interessiert und versteht Dich. Er lässt Gefühle zu, statt sie herunterzuschlucken, bis sie überkochen. Er spricht sogar gerne und oft über sie. Natürlich hat er „Barbie“ gesehen und fand die Message „krass wichtig“. Gleichberechtigung ist für ihn selbstverständlich und er hat auch keine Hemmungen zuzugeben, dass Ryan Goslings Augen sooo dreamy sind. Er kann ja auch als Hetero zugeben, wenn ein Mann einfach gut aussieht. Und überhaupt: Er hat ja auch einen Kumpel, der schwul ist und ist da total offen und tolerant. Es ist schließlich 2024. Und außerdem lackiert er sich manchmal ja auch seine Nägel. Möglicherweise ist er spirituell und er versucht immer wieder, noch mehr in touch mit sich selbst zu sein.

Nach Eurem ersten Date schreibt er Dir, dass Du eigentlich nicht ganz sein Typ bist, aber er so eine besondere Connection zu Dir gespürt hat, wie schon lange zu niemandem mehr. Normalerweise kann er sich nicht so öffnen und verletzlich sein, aber mit Dir – da ist es anders. Nach dem zweiten Date schenkt er Dir sein Lieblingsbuch von Charles Bukowski. Nach Eurem ersten Sex schreibt er ein Lied darüber, weil Du ihn so inspiriert hast. Er schickt Dir täglich süße Nachrichten, und wenn Du nicht gleich antwortest, manchmal sogar mehrere nacheinander.

Alles ist perfekt. Aber wieso fühlt es sich dann nicht so an?

(Bild: Anthony Tran/Unsplash)

Niemand muss ein Softboy sein

Versteht uns nicht falsch: Es ist wundervoll, wenn Menschen sich durch ihren persönlichen Style ausdrücken, tragen, worauf sie Lust haben und dabei auch mit Genderstereotypen spielen und sie auflösen. You slay! Und ein Mann, der sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzt, traditionelle Geschlechterrollen zumindest hinterfragt oder sogar aktiv bricht, der sich für Mitmenschen interessiert, auch ohne Aussicht auf Gegenleistung? Lieben wir. Bitte bleibt genau so! Aber nur, wenn sich hinter dieser Fassade auch aufrichtiges Interesse verbirgt.

Auch wichtig festzuhalten: Es ist absolut okay, locker zu daten, sich nicht binden zu wollen und lieber unverbindlichen Sex zu haben – wenn die Absichten klar kommuniziert werden. Problematisch wird es erst in der Grauzone dazwischen, in der sich der Softboy aber besonders wohlfühlt. Ein Softboy will die ganz großen Gefühle und überschüttet Dich damit, aber will sich trotzdem partout nicht binden. Früher oder später wird sich die Diskrepanz zwischen seinen Worten und Taten zeigen und Du wirst Dich vielleicht zum ersten Mal fragen, weshalb es sich mit ihm nicht so perfekt anfühlt, wie es doch eigentlich sollte.

Die Maske fällt

So offen und verletzlich sich Softboys auch präsentieren, letztlich wollen sie dasselbe wie Fuckboys: wahrscheinlich Sex, ganz bestimmt aber Aufmerksamkeit und Bestätigung – ohne Dir das so wirklich zurückzugeben. Auch wenn es, vor allem zu Beginn, ganz anders scheint. Die vielen Komplimente, die tiefgründigen Gespräche, die aufmerksamen Gesten … Es lohnt sich trotzdem, genauer hinzuschauen, wenn Dich ein mulmiges Gefühl beschleicht. Wirkt das Ganze aufrichtig oder überschüttet er Dich mit Nettigkeiten, damit Du Dich ständig fühlst, als würdest Du in seiner Schuld stehen? Verstecken sich hinter seinen Komplimenten nicht vielleicht heimliche Spitzen gegen Dich, die Dich verunsichern sollen? Sogenannte „backhanded compliments“ wie zum Beispiel „Eigentlich stehe ich auf schlanke Frauen, aber Deine Kurven finde ich richtig sexy!“ sind oft nicht nett gemeint. Sie sollen verunsichern und entlarven den Softboy ganz schnell als üblen Bodyshamer.

Sobald seine Fassade bröckelt, zeigt sich das wahre Ich dahinter schnell: Der gefühlvolle Softie, für den Gleichberechtigung eine Herzensangelegenheit ist, ist ein berechnender Macker. Und an Feminismus gefällt ihm eigentlich vor allem #FreeTheNippel.

Softboys und ihre Manipulationstechniken

So weit, so unsympathisch. Leider enttarnen sich Softboys oft nicht so schnell, sondern lullen ihre Opfer langsam ein. Im Gegensatz zu Fuckboys sind ihre Manipulationstechniken subtil und nicht so plump. Schlimmstenfalls führen sie sogar dazu, dass Du Dich schlecht fühlst, wenn Du für Dich einstehen willst. Unter dem Vorwand von emotionalen Befindlichkeiten versucht der Softboy so nicht nur Deine Aufmerksamkeit zu kriegen, sondern auch, Dir ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn Du Dich nicht nach seinen Vorstellungen verhältst. Oder Du es sogar wagst, ihn direkt zu kritisieren.

Kommen Dir folgende Szenarien bekannt vor? Dann könntest Du an einen Softboy geraten sein.

Szenario 1:

Du möchtest Klarheit über Euren Beziehungsstatus. Vielleicht willst Du gar nicht volles Commitment, sondern einfach wissen, ob ihr exklusiv datet und wohin das mit Euch längerfristig führen könnte. Seine Reaktion:

„Ich kann mich momentan einfach nicht so festlegen, ich bin nicht im richtigen Headspace, bei mir ist gerade so viel los. Und sowieso, Du bist zu gut für mich, ich kann Dir nicht geben, was Du verdienst. Bitte enge mich nicht so ein, ich dachte, das mit uns ist locker und ungezwungen.“

Fair enough. Casual Dating ist, wie bereits gesagt, absolut nichts Verwerfliches, solange die Absichten geklärt sind. Erwartet er aber trotzdem von Dir, dass Du zu jeder Uhrzeit für ihn verfügbar bist und ihm emotionale Unterstützung bietest? Also ein bisschen so, als wärt ihr in einer Beziehung? Aber sobald Du ihn brauchst, fühlt er sich eingeengt? Ist klar.

Szenario 2:

Du sprichst an, dass Du verletzt von seinem Verhalten bist. Du wünschst Dir, dass er mehr Rücksicht auf Dich nimmt oder dass er Deine Grenzen respektiert. Er meint dazu:

„Es tut mir leid, dass Du das so empfindest, vielleicht bist Du da auch echt grade ein bisschen sensibel und interpretierst da böse Absichten rein. Das war jetzt doch wirklich nicht so schlimm. Du weißt, dass ich ein sehr reflektierter Mensch bin. Und irgendwie kann ich mich gar nicht erinnern, dass das passiert ist.“

Eine klassische Nonpology, also eine Entschuldigung, die eigentlich gar keine ist. Statt sich zu hinterfragen und sich für das Fehlverhalten zu entschuldigen, schiebt er die Schuld Dir zu oder versucht sogar Dir einzureden, dass Deine Gefühle nicht valide sind. Ein großes No-no!

Das Instrumentalisieren von Mitleid und Schuldgefühlen ist der typische Modus operandi eines Softboys. Dafür gibt es im Englischen den Ausdruck „petulant vulnerability“ (verdrossene Verletzlichkeit). Der Softboy gibt sich sensibel und gefühlsoffen, aber eigentlich will er damit ein gewünschtes Verhalten von Dir erreichen. Beispielsweise, dass Du Dich für Dein Verhalten schämst, ihn aus Mitleid nicht zur Rechenschaft ziehst oder dass Du ihm zuliebe Dinge tust, die du nicht willst.

Du findest es beispielsweise nicht okay, dass er zum dritten Mal kurzfristig Euer Date abgesagt hat und sprichst ihn darauf an? Fies von Dir, Du weißt doch, wie unsicher er ist wegen seines „avoidant Attachment Styles“ und er nichts dafür kann ☹️. Ein weiterer Klassiker: Er ist super beschäftigt, wenn Du ihn sehen willst, aber wenn Du dann Pläne mit Deinem Kumpel machst und er davon erfährt, geht es ihm plötzlich richtig schlecht. Er muss Dich JETZT unbedingt sehen, weil nur Deine Nähe ihn gerade aus diesem Loch holen kann.

Datest Du einen Softboy?

Natürlich solltest Du zuerst Deine Gefühlslage mit dem (mutmaßlichen) Softboy besprechen. Vielleicht hat er wirklich gerade eine schwierige Phase in seinem Leben oder ihm war nicht bewusst, dass er Dich mit gewissen Verhaltensweisen verletzt. Vielleicht hilft es Euch beiden schon, klare Grenzen zu ziehen und offen Eure Erwartungen aneinander zu kommunizieren. Aber wenn Dir Deine Intuition trotz allem weiterhin sagt, dass etwas für Dich nicht stimmt, dann höre auf sie!

Natürlich ist es wichtig, die eigene Wahrnehmung auch mal zu hinterfragen. Aber dieses nagende Gefühl tief in Dir drinnen solltest Du dennoch nicht ignorieren oder kleinreden. Deine Gefühle verdienen es immer, ernst genommen zu werden, auch von Dir selbst. Fühlst Du Dich nach Euren Dates unwohl, abgewertet oder alleine? Das ist ein Warnzeichen! Frage Dich ganz ehrlich: Fühlst Du Dich von Deinem Gegenüber wirklich gesehen oder bist Du vielmehr einfach eine Projektionsfläche oder eine Abladefläche für seine Gefühle? Fühlst Du Dich in Eurer Dynamik gleichberechtigt oder gibst Du viel mehr, als Du zurückbekommst?

Wenn Du verunsichert bist, kann es helfen, Dich mit toxischen Verhaltensmustern und Healthy Dating auseinanderzusetzen und so eine Außenperspektive zu erhalten. Oder tausche Dich mit anderen über Deine Situation und Deine Gefühle aus. Gerade wenn Dich ständig jemand an Deiner Wahrnehmung zweifeln lässt, kann eine Rückversicherung von Drittpersonen Dein Rettungsring sein. Und wenn Du merkst, dass der Kontakt zu Deinem Babe Dir eigentlich nicht guttut, mach einen Cut. Auch wenn es bei Softboys besonders schwierig ist: Weich sein zu können, ist etwas Wundervolles, aber bei Softboys musst Du manchmal einfach hart bleiben.

Und im Zweifelsfall gilt: Toys before Softboys! Es gibt auch Womanizer, die Dein Herz nicht brechen, Crushes, die immer für Dich da sind und Toyfriends für echte Gefühle:

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