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Emanzipation durch Duft: Frau Kruner verrät, wie man mit schmutziger Wäsche sauberes Geld verdient

23 Februar 2024,

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Getragene Unterwäsche verkaufen – wird man damit reich? (Foto von Billie auf Unsplash)

Kathleen aka Frau Kruner ist nicht nur Gründerin von fraukruner.de, sondern auch selbsternannte Produzentin von Traumprodukten. Sie designt und verkauft Dufterlebnisse, Schnupperfreuden, ein echtes Sinneskino – und das vom Sofa aus. Mit Lust und Überzeugung kreiert sie seit vielen Jahren ihr Business um getragene Wäsche und hat damit ihr Hobby zum Beruf gemacht. Ihre Vision: sexuelle Fantasien ausleben zu können, ohne verurteilt zu werden und als Frau ein emanzipiertes Leben ohne Grenzen zu leben.

AMORELIE: Warum hast Du die Plattform FrauKruner.de, eine diskrete Verkaufsplattform für getragene Socken, benutzte Unterwäsche u. v. m. ins Leben gerufen?

Ich war schon immer sexuell offen und habe gerne Neues ausprobiert. Durch ein Gespräch habe ich damals das Thema „getragene Unterwäsche“ aufgeschnappt und war sofort Feuer und Flamme über eine Seite meine getragenen Sachen zu verkaufen. Auf der besagten Seite habe ich über 8 Jahre lang verkauft und sie existiert noch heute. Anfangs waren es nur die Slips, später kamen auch Fotos und Videos dazu. Allerdings begleitete mich bei all den Verkäufen die Sorge: Was, wenn jemand davon erfährt? Was passiert mit meinen Daten, dem Absender, meiner Bank, oder einer unzufriedenen Kundschaft? Bis heute gibt es keinen angemessenen Support auf der Seite. Man ist im Grunde auf sich allein gestellt. Das, sowie die Funktionalität und das veraltete Design, haben mich von Anfang an gestört. Ebenso, wie sich in ein teures Abo zu verstricken, finde ich extrem abschreckend. Ich wollte es mit FrauKruner.de besser machen, denn gerade als Verkäuferin weiß ich, was ich in Zukunft nicht mehr möchte. Daher wird der Service bei FrauKruner.de so großgeschrieben.

AMORELIE: Was macht Deine Plattform besonders? Was unterscheidet sie evtl. von anderen dieser Art?

Ich bin werktags telefonisch immer erreichbar, der Support findet auch am Wochenende statt, jedes Problem wird ernst genommen. Niemand muss dafür bezahlen, seinen kleinen Shop auf meiner Seite zu eröffnen und getragenes zu verkaufen. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.
Alle „Shops“ sind vertraglich dazu verpflichtet, Ware, die Düfte enthält, zu vakuumieren. Das bedeutet nicht einfach einen Zip-Beutel zu nutzen! Wir legen Wert auf Qualität und gewährleisten den Schutz beider Parteien. Sogar Metadaten werden beim Transfer von Fotos und Videos entfernt, um die Privatsphäre zu wahren. Die Absenderadresse ist die von FrauKruner.de, um Rückverfolgungen zu verhindern. Das ist ein absolut wichtiger Punkt.

Bei den Slips steht hingegen die pure Geilheit im Vordergrund

Kathleen aka Frau Kruner ist die Gründerin von fraukruner.de

AMORELIE: Wer kauft auf Deiner Webseite?

Ihr würdet niemals darauf kommen, wer bei mir kauft. Es ist eben genau der Typ Mensch, dem Du es niemals zutrauen würdest. Natürlich sieht man es niemandem an, aber wenn man von Fetisch spricht, hat ja jede*r so ein bestimmtes Bild im Kopf. Das können wir alle gleich mal vergessen.
Was ich früher erlebt habe, beispielsweise vor allem im Zusammenhang mit einem Fuß-Fetisch, waren meistens Männer, die im Alltag dominant waren, aber im Privaten devot. Es geht um das Gesamtpaket aus Duft, Spiel und Fotos, aber das lässt sich so trotzdem nicht pauschalisieren. Bei den Slips steht hingegen die pure Geilheit im Vordergrund.

AMORELIE: Ist der Fuß-Fetisch wirklich so weit verbreitet oder lässt sich darüber nur leichter sprechen als beispielsweise über einen Urin-Fetisch?

Der Fuß-Fetisch ist nach dem Slip-Fetisch schon recht verbreitet. Der Urin-Fetisch, Kot-Fetisch und Menstruationsblut-Fetisch kommen nicht so häufig vor.

AMORELIE: Und wer verkauft auf Deiner Webseite?

Ich habe von verbeamteten Personen über Polizist*innen, Physiotherapeut*innen bis zu Müttern, jungen und alten Frauen alles dabei. Es gibt keine*n typische*n Verkäufer*in

AMORELIE: Wie war es für Dich, selbst mal Verkäuferin zu sein?

Neben dem unterschwelligen Bauchgefühl bezüglich meiner Privatsphäre hatte ich bis auf ein paar Kleinigkeiten nur gute Momente. Es fühlte sich hocherotisch an. Jede Bestellung habe ich mit Herz und Hingabe erledigt, in einer Phase, in der ich mich sexuell ausgelebt habe. Ich erzähle gerne davon, weil das Erlebnisse sind, die mich geprägt haben und ich auch so ziemlich alles mal ausprobiert habe.

AMORELIE: Was sind die Verkaufsschlager in Deinem Shop?

Zu den allgemeinen Verkaufsschlagern gehören in erster Linie die Slips. Und ich finde das eigentlich ziemlich natürlich.
Düfte prägen uns seit dem Urbeginn der Zeit, also quasi ein Leben lang. Daher kann man jemanden auch „gut riechen“. Die Duftstoffe in unserem Körper signalisieren uns so viel. Da ist absolut nichts Verwerfliches dran. Es wird sich nur nicht getraut, offen darüber zu sprechen. Aber auch die Socken sind sehr beliebt. Als ich selbst noch verkauft habe, durfte ich einige Herzen glücklich machen.

Benutzte Toys sind hin und wieder auch dabei

AMORELIE: Was „Interessantes“ wurde bereits bei Dir verkauft?

Urin-Flaschen und Menstruationsartikel gehören bereits zum Alltag. Eher speziell war letztens das Ohrenstäbchen im Angebot. Gelegentlich werden auch Haare verkauft, aber in erster Linie Schamhaare. Je nach Angebot auch Achselhaare oder Beinhaare. Ich selbst habe schon mal eine Strähne meiner Kopfhaare verkauft. Ein Verkaufsschlager waren auch Masken, wie man sie zu Zeiten von Corona kennt. Diese kann man sich zwischen den Po klemmen, sodass der Geruch aufgenommen wird. Schlafsachen und sogar eine ganze ungewaschene Bettwäsche wurde verkauft. Benutzte Toys sind hin und wieder auch dabei, vielleicht sind die ja von Euch (lacht). Der Kreativität der Shops sind keine Grenzen gesetzt.

AMORELIE: Wie erklärst Du Mitmenschen, insbesondere Leuten aus anderen Branchen, Deinen Job?

Ich gehe extrem offen mit meinem Job um und liebe es, auf den Gesichtsausdruck meines Gegenübers zu achten, wenn ich ganz unverblümt erzähle, was ich mache

AMORELIE: Bist Du als Gründerin auf Hürden gestoßen, die ein Mann ggf. nicht hätte?

Es gab einige Stolpersteine und dubiose Angebote bei einer Gründung. Vielleicht hätte sich ein Mann nicht so sehr verunsichern lassen. Es gibt so viele schwarze Schafe auf dem Markt, die Dir als Frau „behilflich“ sein wollen. Das bedeutet nicht, dass es per se schlecht ist, aber ich frage mich: warum überhaupt? Brauche ich wirklich mehr Unterstützung nur aufgrund meines Geschlechts? Letztendlich habe ich all das abgelehnt. Ich habe meinen Businessplan selbst geschrieben, mir jemanden gesucht, der Programmieren kann, einen Rechtsanwalt hinzugezogen, ein Geschäftskonto eröffnet und online bei meinem Finanzamt meine Gewerbeanmeldung durchgeführt. Letzteres dauerte keine 5 Minuten.

AMORELIE: Hast Du ein übergeordnetes Ziel?

Ich möchte Menschen einen sicheren Ort bieten, um sich vom Alltag zu erholen, neue Erfahrungen zu machen, sich fallen lassen zu können und einfach nur zu entspannen. Niemand wird Dich sehen oder verurteilen. Und ich möchte, dass das gesamte Thema getragene Sachen mehr in den Fokus rückt. Niemand sollte etwas in normal und nicht normal kategorisieren. Von welcher Norm denn? Wir sind alle so unterschiedlich
Außerdem wünsche ich mir, dass das Thema kein Tabu mehr ist. Niemand sollte verurteilt werden, egal ob man verkauft oder kauft. Unsere Gesellschaft möchte immer so offen sein, aber leider ist sie es immer noch nicht. Wir alle wissen, dass unter anderem Selbstbefriedigung gesund und etwas Schönes ist.

Es ist doch schön, wenn man seine Neigungen heute ganz unkompliziert ausleben kann

AMORELIE:  Wie einfach ist es wirklich, mit Socken und Fußbildern Geld zu verdienen? (bezogen auf das häufige Vorurteil „wenns nicht mehr läuft, kann ich ja immer noch Fußbilder verkaufen.“)

Nur Fußbilder zu verkaufen, habe ich noch nie gemacht, da es diese kostenlos und in Massen auf Google gibt. Das ist meiner Meinung nach nur lohnenswert, wenn man beispielsweise Influencer oder anderweitig bekannt ist. Wenn man zu den Bildern auch die Socken verkauft, wird es etwas einfacher. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass nicht jede*r duftende Füße hat, die sich dafür eignen. Nur sehr wenige Damen haben auch Schweißfüße. Das Thema getragene Sachen wird oft als einfacher Weg angesehen, um Geld zu verdienen. Das ist es nicht. Es ist auch Arbeit, und man benötigt täglich Zeit, wenn man erfolgreich sein möchte. Gerade im Bereich Socken sollte man auch die Anforderungen erfüllen. Dann kann man sich etwas dazuverdienen.

AMORELIE: Grenzt das für Dich manchmal an „Perversion“? Gibt es Grenzen?

Perversion bedeutet übersetzt „verkehrt“, und ich finde, dass niemand verkehrt ist. Es ist einfach nur Angebot und Nachfrage. Solange es erlaubt ist, ist es okay. Es ist doch schön, wenn man seine Neigungen heute ganz unkompliziert ausleben kann. In der Öffentlichkeit wird kaum jemand dazu stehen, was er in seinen vier Wänden macht. Warum eigentlich? Ich finde auch das Wort „Fetisch“ eigentlich auch unpassend. Ein Fetisch ist nur eine vermehrte Zuneigung, und daran ist nichts verwerflich. Wie bereits gesagt, der Duft liegt in unser aller Genen, und wir können froh sein, diese Freiheit zu haben, uns zu geben, was wir brauchen. Ein Fetisch, wenn wir es so nennen wollen, ist nichts Schlimmes und trägt zu einem erfüllten Sexualleben bei.

Dank Dir für das offene Gespräch, Kathleen! ❤️

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