Was ist ein Fetisch?

Fetisch

Fetisch – ein Wort, das wir häufig in unserem alltäglichen Sprachgebrauch verwenden. Wer beispielweise gern und vor allem viele Schuhe kauft, bezeichnet das oft spaßig als Schuhfetischismus. Dabei steht der Begriff für viel mehr als nur eine Vorliebe für ein bestimmtes Objekt. Aber was genau ist damit gemeint? Wir klären auf!

Was heißt „Fetisch“ eigentlich?

Das Wort Fetisch leitet sich von dem lateinischen Verb „facere“ (machen) und dem portugiesischen Wort „feitico“ (Zauber) ab. Ursprünglich wurden damit bestimmte Objekte bei sogenannten „Naturvölkern“ bezeichnet, denen die Menschen Zauberkräfte zuschrieben. Der französische Psychologe Alfred Binet wandte im 19. Jahrhundert den Begriff erstmals an, um sexuelle Fixierungen auf Objekte zu erklären. Er betonte, dass Fetischisten jedoch nicht nur „tote Objekte“ begehren würden, sondern im Einzelfall auch einzelne Körperteile, wie etwa Brüste, Füße oder den Bauchnabel.
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Was ist ein Fetisch?

Fetischismus im heutigen Verständnis scheint zuerst im Europa des 18. Jahrhunderts aufgetreten zu sein, um sich dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als eigenständiges sexuelles Phänomen herauszukristallisieren. Mit dem Wort Fetisch verbinden die meisten zuerst etwas, das sich nicht so recht mit der Vorstellung von „Normalität“ vereinbaren lassen will. Daher wurde der Fetischismus lange Zeit als „krankhafte Perversion“ dargestellt. Es bedeutet jedoch nichts anderes als Spaß am eigenen Körper, am Körper des anderen, am Körper an sich.

Noch heute wird Fetischismus im Internationalen Krankheitscode – dem wichtigsten, weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem der Medizin, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben wird – als „Gebrauch toter Objekte als Stimuli für sexuelle Erregung oder Befriedigung“ sowie als „Störung der Sexualpräferenz“ beschrieben. Jedoch versteht man im sexuellen Bereich heute unter dem Wort Fetisch eher einen Gegenstand, der als Bestandteil des sexuellen Akts notwendig ist, um sexuelle Erregung und Befriedigung herbeizuführen. Man unterscheidet außerdem zwischen passivem und aktivem Fetischismus.

Fetischismus ist gleichermaßen die Freude am Betrachten einer reizvollen „Verpackung“ wie auch der Genuss an „Verkleidung“, also am Tragen dieser „Verpackung“.

Problematisch wird diese Vorliebe lediglich, wenn der Fetisch zwanghaft gebraucht wird, um Erregung zu spüren. Dann kann damit ein Leidensdruck verbunden sein.
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Welche Fetische gibt es?

Ein Fetisch kann prinzipiell alles sein, das Menschen sexuell erregt. Hier haben wir einige Beispiele aufgelistet, um Dir zu zeigen, was in der Welt des Fetischismus besonders beliebt ist.

Zu den bekanntesten Fetischen gehört:

  • Lederfetisch = Gefallen des Materials tritt durch markanten Geruch und über Optik auf
  • Schuhfetisch = Vorliebe zu hohen Stiefeln und generell High Heels
  • Korsettfetisch = hierbei gefällt vor allem das Einschnüren und die Enge des Korsetts
  • Hand- beziehungsweise Fußfetisch
  • Strumpf beziehungsweise Wäschefetisch
  • Materialfetisch (harte und weiche) = unter anderem Leder, Gummi und Latex, Satin, Fell, Samt
  • Uniformfetisch (bedeutende Unterkategorie des Kleiderfetischismus)

Eher ungewöhnliche Fetische sind:

  • Brillenfetisch (Neigung im Accessoires-Mode-Bereich), Sekretärin
  • Piercings (Neigung im Accessoires-Mode-Bereich)
  • „Exemplarfetisch“= oft bestimmtes Modell im Fokus (z.B. Brillen- oder Stiefel-Exemplar)
  • negative Fetische (=Verlangen nach Menschen mit Behinderung)
  • Geldfetisch – hierbei handelt es sich meist um sich als männlich definierende Menschen, die Geld dafür bezahlen, erniedrigt zu werden (häufig rein durch E-Mail-Verkehr)
    • manche verschulden sich sogar dafür
    • was geschrieben wird, lässt der Vorstellung, wie es tatsächlich sein könnte, viel Spielraum
    • deswegen ist es schriftlich oft intensiver

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Was sind Ursachen für einen Fetisch?

Vorherrschend ist die Meinung, dass ein Fetisch auf ein Schlüsselerlebnis in frühester Kindheit zurückgeht. So wird zum Beispiel gemutmaßt, dass der Auslöser für einen Windelfetischismus starke Liebesentbehrungen seien oder Eltern der Betroffenen ihre Kinder übertrieben früh zur Sauberkeit erzogen haben. Der Urkern des Fetischismus sei immer Angstabwehr, beispielsweise die Angst davor, den Penis zu verlieren. Irgendein „beliebiger“ Gegenstand helfe, diese Angst zu bewältigen und werde so zum Zentrum der Befriedigung.

Manchmal ist ein Fetisch aber auch das Symptom eines anderen psychischen Problems, etwa, wenn ein Mensch große Schwierigkeiten bei sozialen Kontakten hat oder nicht imstande ist, eine feste Beziehung einzugehen. Begeben sich Betroffene in psychotherapeutische Behandlung, wird nicht der Fetisch, sondern die Beziehungsstörung behandelt.

Ist ein Fetisch therapierbar?

Zunächst ist es gar nicht nötig, einen Fetisch zu therapieren. Eine Psychotherapie ist nur bei echtem Leidensdruck notwendig oder dann, wenn die Neigung Sex mit einem lebendigen Gegenüber komplett ersetzt beziehungsweise der Fetischismus anderen Menschen schadet.

Zudem ist der Fetisch an sich kaum therapierbar. Er ist vielmehr ein Mittel zum Zweck, das etwas zusammenhält, was sonst auseinanderbrechen und womöglich zu gravierenderen Störungen führen würde.
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Erkennungszeichen der Fetischszene

Ein Fetisch ist für Eingeweihte oft einfach zu erkennen, da sich Szeneanhänger*innen anhand bestimmter Symboliken erkennen.

BDSM Triskele

Das offizielle BDSM-Symbol ist die Triskele, ein Symbol in Form von drei radialsymmetrisch angeordneten Kreisbögen, offenen Spiralen, ineinander verschachtelten Dreiecken, Knotenmustern, menschlichen Beinen oder anderen Dreifach-Formen. Die „Dreiheit“ der Triskele symbolisiert auch die drei Spielarten im BDSM: B und D (Bondage und Disziplin), D und S (Dominanz und Unterwürfigkeit/Submission) und S und M (Sadismus und Masochismus). Zusätzlich repräsentiert es die drei Grundsätze der Szene: Sicherheit (Safety), Gesundheit (Sane), gegenseitiges Einverständnis (Consensual) (vgl. Safewordund auch die drei Rollen, die ein BDSMer einnehmen kann: aktiv (Tops), passiv (Bottoms), und unentschlossen (Switchers).

Der Ring der O

Der „Ring der O“ ist ein Ring mit einer kleinen Öse, der sich in den 90er-Jahren in der BDSM- und Fetischszene als Symbol und Erkennungszeichen etabliert hat. Er erinnert an ein Halsband mit Ring bzw. einer (halben) Handschelle. Seinen Ursprung findet der Ring in dem 1954 erschienenen Erotikroman „Geschichte der O“ von Pauline Réage. In Just Jaekins gleichnamiger Romanverfilmung von 1975 wird der Protagonistin, „der O“, als Zeichen ihrer Unterwerfung ein solcher Ring überreicht. Üblicherweise tragen Doms (egal, ob männlich oder weiblich) den Ring an der linken Hand und Subs an der rechten. Switcher tragen ihn öfters an einer Kette am Hals.

Gos und No-Gos in der Fetischmode

Keine Frage, die Fetischszene hat ihre ganz eigenen Regeln. Allerdings gibt es auch hier in Sachen Mode ein paar Dinge zu beachten. Wer sich mal in einem Fetisch-Club umschaut, sieht, dass eine echte Domina niemals ein Halsband mit O-Ring tragen würde. Dieses Schmuckstück ist lediglich den Sklaven und Sklavinnen vorbehalten. Generell sollte der oder die Dom nichts tragen, was die Bewegungsfreiheit einschränken könnte. Eine Peitsche oder ein Paddle gehören wiederum nicht in die Hände von Sklaven. Frei nach dem Motto „Erlaubt ist, was gefällt und Spaß macht!“ dürfen sich als männlich Definierende selbstverständlich auch als weiblich zu identifizierende Kleidung tragen. Eine historische Übersicht über die Einflüsse der Fetisch-Kultur auf die Mode findest Du in unserem Artikel über die Geschichte der Fetischmode.
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Geschrieben von
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