Masturbation: Faktenwissen zum lustvollen Solo

Masturbation

Das Wichtigste vorweg: Nein, Masturbation hat keine negativen Auswirkungen auf den Körper – im Gegenteil, es gibt viele gute Gründe für Solo-Sex – und nichts daran ist unnormal. Wir alle machen es. Männer, Frauen, Erwachsene, Jugendliche, Singles, Liierte. Heute wissen wir das. Doch das war nicht immer so. Wir blicken auf die skurrile Vergangenheit der Selbstbefriedigung, den Imagewandel und erklären, wer es wie häufig und welchen Orten macht.

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Masturbation in der Vergangenheit

Im späten Mittelalter wurde Masturbation von der katholischen Kirche als Sünde und Untat gegen Gott betrachtet, für die sogar eine Leibesstrafe angesetzt war. Im Zeitalter der Aufklärung wurde Masturbation als eine gesundheitliche Gefahr deklariert. Oft musste sie als Ursache verschiedener körperlicher Gebrechen herhalten. Krankheiten wie Pocken oder Tuberkulose seien eine Folge exzessiven Masturbierens, aber auch Pickel, starke Körperbehaarung und Verdauungsprobleme – einfach alles lastete man dem Hand anlegen an.

Das im Jahre 1712 erschienene Buch „Onania oder die abscheuliche Sünde der Selbstbeschmutzung“ verbreitete sich rasant auf dem gesamten Kontinent. Als der Schweizer Arzt Simon-August Tissod seine Arbei „Die Onanie. Abhandlung über Krankheiten durch Masturbation“ veröffentlichte, war das schwere Schicksal besiegelt. Selbst die großen Denker der Aufklärung, wie Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau, verurteilten Selbstbefriedigung als Ausdruck von Disziplinlosigkeit und „wollüstige Selbstschändung“. Erst in den 1950er-Jahren (Kinsey-Report) nahm man der Selbstbefriedigung den Stempel des Schädlichen und Schändlichen.


Der Mai ist in den USA der „National Masturbation Month“.
Er entstand 1995 zu Ehren der Militärärztin Joycelyn Elders, die Masturbation als Teil der sexuellen Aufklärung befürwortete und daraufhin von Präsident Bill Clinton (!) gefeuert wurde.


Masturbation heute

Glücklicherweise wissen wir heute dank moderner Forschung, Medizin und besserer Aufklärung, dass Masturbation weder ungesund noch unnormal ist. Selbstbefriedigung ist Sex  – mit allen positiven Effekten – ohne negative Folgen wie Geschlechtskrankheiten anzustecken und ungewollte Schwangerschaften. Fakt ist allerdings auch, dass diese Thema noch immer mit Unsicherheiten behaftet und teilweise tabuisiert ist. Kehren wir doch mal vor der eigenen Tür. Da werten wir stundenlang mit den besten Freundinnen den Sex mit unserem Neuen aus oder besprechen Dessous, Verhütungsmethoden, Sexstellungen und Vorlieben – aber wie oft reden wir schon in großer Runde über Selbstbefriedigung? Eben. Das ist etwas sehr Persönliches. Da weiß man eventuell, ob und welchen Vibrator die beste Freundin besitzt, aber woran sie dabei denkt, wie genau sie es tut und wie oft sie es tut, das liegt im Verborgenen.

Es ist ein Thema, über das nicht oft geredet wird. Deshalb ranken sich auch noch so viele Mythen um das Solo-Nümmerchen. Haben Männer nur eine begrenzte Anzahl an Spermien? Unreine Haut durch zu häufiges Masturbieren? Alles Blödsinn, aber Foren und Jugendzeitschriften sind voll mit diesen Fragen. Wir sind schon weit gekommen – es gibt aber auch noch einen Weg zu gehen. Positiv ist, dass Masturbation ihr Stigma verloren hat. Heute gilt es weder als abnormal, noch als reine Ersatzbefriedigung. Wir haben erkannt, dass Selbstbefriedigung eine Bereicherung und ein Zugewinn zum Sex zu zweit ist und damit auch innerhalb einer festen Beziehung ihre Berechtigung hat.

Wer masturbiert eigentlich – und wie oft? Statistiken zu Masturbation

Verschiedenste Studien belegen, dass die meisten Menschen masturbieren. Männer mehr als Frauen – aber auch die holen auf. Eine Umfrage der Indiana University aus dem Jahr 2009 mit 5.865 Beteiligten zwischen 14 und 94 Jahren ergab, dass 78% der Befragten bereits masturbiert haben. Bei Männern um die 30 sind es ganze 93%, bei Frauen im selben Alter sind es 80%. Eine Studie der Bonner Universität setzt sogar noch einen drauf: Demnach masturbieren 90% aller Männer und 86% aller Frauen.

Bezüglich der Häufigkeit gehen die Zahlen zwischen den Geschlechtern deutlicher auseinander. Während die Studie der Indiana University ergab, dass 23% der Männer zwischen 25 und 29 Jahren zwei bis drei Mal die Woche masturbieren, verwöhnen sich nur 8% der Frauen so regelmäßig. Nur magere 2% der Frauen masturbieren vier Mal die Woche oder öfter. Bei Männern sind es immerhin noch 14%. Selbstbefriedigung ist damit die erste und häufigste Art von Sex, die Menschen in ihrem Leben haben.


Der Mensch ist übrigens nicht die einzige Spezies, die gern Hand anlegt. Auch Tiere tun es:
Vögel, Pferde, Elefanten, Schildkröten und Affen vergnügen sich des öfteren mit sich allein.


Obwohl die Mehrheit der Menschen in den eigenen vier Wänden (im Bett, unter der Dusche, in der Badewanne, vor dem Fernseher…) masturbiert, ist auch der Arbeitsplatz ein beliebter Ort für eine menage a moi. Eine Umfrage von Time Out New York ergab, dass 39% der Befragten bereits einmal oder mehrfach auf der Toilette im Büro onaniert haben. Eine Umfrage der US-amerikanischen Glamour von 2012 bestätigt das Ergebnis: 31% der Männer gaben an, auf der Arbeit masturbiert zu haben. In der gleichen Umfrage erklärten 10% der Männer, auf einer Party Hand angelegt zu haben und ganze 24% sogar schon einmal beim Autofahren (?!?!?!!).

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