Bisexuell: Was ist das eigentlich?

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(Bild: Isi Parente/Unsplash)

Bisexuell – das hat fast jede*r schon mal gehört. Doch was steckt eigentlich konkret hinter dem Begriff und wie unterscheidet sich die sexuelle Orientierung von anderen? Hier gehen wir diesen Fragen für Euch auf den Grund.

Bisexuell – was heißt das?

Von Bisexualität spricht man, wenn sich eine Person emotional beziehungsweise sexuell zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlt. Bi steht wie beim Begriff „binär“ für zwei, das Wort zielt also konkret auf das männliche und weibliche Geschlecht ab, obwohl heutzutage auch damit gemeint ist, dass Menschen sich nicht unbedingt nur zu diesen zwei Geschlechtern hingezogen fühlen müssen. Daher ist auch gelegentlich von Bi+sexualität die Rede. Die Fortführung dieses Gedankens wird mit dem Begriff Pansexualität beschrieben. Dies bedeutet, dass sich eine Person emotional, romantisch und sexuell Personen jedes Geschlechts und jeder Geschlechtsidentität hingezogen fühlen kann.

Übrigens: Mit dem sogenannten „Hermaphroditismus“, also der Intergeschlechtlichkeit, bei der eine Person männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist, hat Bisexualität aus heutiger Sicht nichts mehr zu tun. Der Begriff wurde in früheren Zeiten allerdings dafür verwendet.

Wie viele Menschen sind bisexuell?

Diese Frage beschäftigt viele Menschen, ein konkreter Prozentsatz lässt sich aber natürlich nicht bestimmen, da Liebe und Sexualität etwas ganz Persönliches sind. Dennoch gibt es Umfragen darüber, wie viele sich als bisexuell bezeichnen. Hier schwanken die Zahlen je nach Fragestellung, Umfragequelle und Geschlecht zwischen sechs und knapp 20 Prozent.

Bisexualität in der Geschichte

In der griechischen und römischen Antike, aber auch in islamischen Ländern schien es einst aber sogar ganz geläufig zu sein, bisexuell zu leben. Es gibt Überlieferungen, dass die Liebe damals deutlich freier ausgelebt wurde. Mit der Zeit hat sich dann jedoch eine heteronormative Kultur durchgesetzt. Sigmund Freud ging einst sogar davon aus, dass wir bi+sexuell geboren werden und sich erst später entwickelt, wen wir lieben. Diese These ist allerdings nicht unumstritten. Sie suggeriert nämlich auch, dass Menschen sich unabhängig voneinander entwickeln und als homosexuell, bisexuell, heterosexuell, pansexuell und vieles mehr identifizieren. Bi sein, das ist ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, Orientierung, dem Stehen zu den individuellen Gefühlen.

In den Siebzigern etablierte sich im Zuge verschiedener politischer Bewegungen rund um die Rechte von homosexuellen Menschen in den USA und auch in Europa auch das Bedürfnis, Bi+sexualität mehr in den Fokus der Debatte zu rücken. Heute sprechen wir von der LGBTQIA+ Bewegung – die Abkürzung steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans*, Queer, Inter, Asexuell und weitere Geschlechtsidentitäten und -orientierungen.

Bisexualität und Ausgrenzung

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cc: Jen Krause

Sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen zu fühlen, entspricht nicht der „Norm“ – so denken leider noch immer viele. Und erstaunlicherweise findet Diskriminierung und Stereotypisierung sogar in der LGBTQIA+ Szene statt. Denn Bisexuelle sind weder homo- noch heterosexuell, was sie oft ausgrenzt und in Debatten unsichtbar macht.

Schluss mit dem Mythos: Bisexuell zu sein, ist nicht „nur eine Phase“

„Du wirst schon noch merken, was dir gefällt“. Diesen Spruch müssen sich bisexuelle Menschen häufiger anhören – auch von lesbischen oder schwulen Personen. Dabei ist das genauso verletzend, wie homosexuellen Menschen zu sagen: „Du findest schon noch auf den richtigen Weg“. Denn als Außenstehende*r sollte sich niemand anmaßen, über die Orientierung anderer zu urteilen.

Was ist der Bi Visibility Day?

Am Bi Visibility Day, auch Celebrate Bisexuality Day oder Bisexual Pride Day genannt, wird Bi+sexualität gefeiert, das Thema in den Fokus gerückt und für Sichtbarkeit, Toleranz und Akzeptanz geworben. Der Tag findet jährlich weltweit mit Aktionen, Protesten, Paraden und weiteren Feierlichkeiten am 23. September statt.

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