Pansexuell: Liebe ohne Geschlechterschranken

Pansexuell Metapher: Bild einer Klotür mit einem Schild, auf dem eine Figur zu sehen ist, die auf der einen Seite einen Rock trägt und auf der anderen Seite nicht. Darunter steht die Aufschrift Who Cares

Pansexuell zu sein bedeutet, Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht zu lieben und zu begehren. Im letzten Jahr machte die Bezeichnung Schlagzeilen, als Miley Cyrus in einem Interview gegenüber dem Magazin „Variety“ als pansexuell outete. In diesem Beitrag klären wir auf, was es mit dem Begriff genauer auf sich hat und zeigen, dass es sich keineswegs um eine Modeerscheinung handelt, sondern um eine Bewegung mit einer vielfältigen Geschichte.

Pansexuell – Liebe kennt keine Grenzen

Bild zweier Menschen, die sich umarmen, der eine trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift Whatever
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Im letzten Jahr waren die Klatschblätter voll von Meldungen über die Sängerin Miley Cyrus („Wrecking Ball“) und das Liebes-Comeback mit dem Schauspieler und On/Off-Freund und Ex-Verlobten Liam Hemsworth („Die Tribute von Panem“). So weit, so gut. Miley war aber auch schon mit Frauen zusammen. Ihre erste Liebesbeziehung führte sie mit einer.

Wie sie im Interview erklärte, verstand sie sich damals aber nicht als homo- oder heterosexuell und das Wort „bisexuell“ habe sie schon immer gehasst, weil es sie in eine Schublade stecke. Aber was ist sie dann? Nach eigenen Angaben ist Miley Cyrus pansexuell. Sie liebt Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht.

„Pan“ ist eine griechische Vorsilbe und heißt soviel wie „alles, gesamt“. Pansexualität (auch Omnisexualität) ist damit eine sexuelle Orientierung oder sexuelle Identität, die alle Menschen mit einbezieht und keine Geschlechterschranken kennt. Damit unterscheiden sich pansexuelle Menschen von bisexuellen („bi“ gleich zwei) Menschen, deren Präferenz gleichermaßen auf das männliche und weibliche Geschlecht zielt.

Pansexualität bedeutet demgegenüber, dass das Geschlecht schlicht keine Rolle spielt. In der Bezeichnung bezieht „pansexuell“ neben den Geschlechtern Frau und Mann auch Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle mit ein. Für eine Beziehung oder sexuelle Abenteuer kommen für einen pansexuellen Menschen alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten infrage. Wer pansexuell liebt, liebt also frei von Geschlechtergrenzen.

„Ich habe es nie geliebt, ein Mädchen zu sein“

Während die meisten Menschen entweder auf Männer oder Frauen stehen und sich auch als eins von beiden definieren, ist das für andere nicht ganz so einfach. Eine Transgender-Person kann sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihm/ihr bei Geburt zugeordnet wurde. Er wurde beispielsweise als Frau geboren, definiert sich aber als Mann. Ein intersexueller Mensch kann genetisch, anatomisch oder hormonell nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden.

Miley Cyrus fühlt sich beispielsweise gar keinem Geschlecht zugehörig. „Ich habe es nie geliebt, ein Mädchen zu sein. Und ein Junge zu sein, klang auch nicht nach Spaß“, sagte sie gegenüber Variety. Der Besuch in einem Zentrum für Schwule, Lesben und Transsexuelle habe ihr die Augen geöffnet. Sie habe dort jemanden getroffen, der sich weder als männlich noch als weiblich begriffen habe. „Ich habe mich dieser Person verbundener gefühlt, als allen anderen Menschen in meinem Leben“, erklärt Cyrus. An diesem Punkt habe sie verstanden, warum sie sich nicht hetero- oder homosexuell gefühlt habe: „Als ich erst einmal mein eigenes Geschlecht mehr verstanden habe, das unbestimmt war, habe ich auch meine Sexualität mehr verstanden. Es war wie ‚Oh – deshalb fühle ich mich nicht hetero oder homo. Weil ich es nicht bin.“

Meditation für Dein Liebesleben
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Pansexualität vs. Polyamorie

Für Miley Cyrus spielt demnach das Geschlecht ihres Partner sowie das eigene keine Rolle. Das muss aber nicht sein. Pansexuell können auch Menschen sein, die bespielsweise als Frau geboren wurden und sich auch als eine solche fühlen und definieren (Cisgender). Diese sexuelle Orientierung oder Identität bezeichnet nur den Umstand, sich theoretisch von Menschen aller Geschlechter angezogen zu fühlen. Ob weiblich, männlich, trans, gender fluid oder gender neutral – pansexuell kann jeder sein.

Pansexualität sollte aber nicht mit Polyamorie verwechselt werden! Dies ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Viele pansexuelle Menschen leben in monogamen Beziehungen. Oftmals haben sie noch nicht einmal Liebesbeziehungen zu Menschen verschiedener Geschlechter geführt, sondern würden dies für sich lediglich nicht ausschließen. Bei polyamoren Menschen hingegen besteht der Wunsch, mehrere Partner gleichzeitig zu haben, weil sie sich in monogamen Beziehungen nicht ausgefüllt fühlen. Polyamorie ist ein alternativer Lebens- und Liebesentwurf zur Monogamie und keine sexuelle Orientierung oder Identität.

Da Pansexuelle „geschlechtsblind“ sind, ist auch eine Gender-neutrale Sprache oft (nicht immer) gewünscht. Im Englischen werden häufig die Begriffe „Lover“, „Significant Other“ „Boo“, „Bae“ oder schlicht „Partner“ statt „Girlfriend“ oder „Boyfriend“ dafür benutzt. In der deutschen Sprache sind geschlechtsneutrale Wörter schwieriger zu finden – z.B. sind „Lover“ und „Partner“ hierzulande Maskulina. Neben der „Bezugsperson“ oder der „besseren Hälfte“ haben sich zuletzt die Worte „Herzensmensch“ oder „Lieblingsmensch“ etabliert.

Pansexualität – keinesfalls eine Modeerscheinung

Sängerin Miley Cyrus ist bei Weitem nicht die einzige Prominente, die offen zu ihrer Pansexualität steht. Auch Shailene Woodley („Divergent“, „The Fault in our Stars“) erklärte bereits: „Ich verliebe mich in Menschen basierend darauf, wer sie sind und nicht darauf, was sie tun oder welches Geschlecht sie haben.“ Die Schauspielerin Raven-Symoné („Bill Cosby Show“) erklärte in einem Interview mit Oprah, dass sie sich seit sie 12 Jahre alt war, zu Frauen hingezogen fühle, aber dennoch nicht „lesbisch“ ist. Sie ist „ein Mensch, der Menschen liebt“ und möchte nicht in eine Schublade gesteckt werden.

Obwohl sich nach und nach mehr Menschen offen zu ihrer Pansexualität bekennen, kann man keineswegs von einer Modeerscheinung sprechen. Menschen suchen sich schließlich nicht aus, pansexuell zu sein – sie sind es. Dass wir in den letzten Jahren vermehrt von einer Sache hören, heißt nicht, dass sie neu ist, sondern dass sie nun Teil des öffentlichen Diskurses ist. Einige Sozialwissenschaftler sprechen von einer neuen sexuellen Revolution, der größten seit der sogenannten „freien Liebe“ in den 60er- und 70er-Jahren.

Pansexualität ist also auch eine Bewegung, der sich nach und nach mehr Menschen offen anschließen. Während allerdings der Begriff „Bisexuell“ bereits in der LGBT-Community einen festen Platz im Buchstabensalat gefunden hat, ist Pansexualität noch „unsichtbar“. Um niemanden aus der Gruppe, deren Gemeinsamkeit die Nicht-Heteronormativität ist, auszuschließen, werden jedoch Sternchen an die Abkürzung angehängt (Bsp. LSBTTI*).

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