Nähe und Distanz in Beziehungen: Liebe braucht beides

couple melancholisch
Kompromisse sind sexy! Trotzdem sollten beide nicht zu viel von sich selbst aufgeben.

Wer verliebt ist, möchte seinen Schatz ständig um sich haben. Kuscheln, Reden, Sex – Nähe statt Distanz lautet das Motto. Doch was passiert, wenn Du ein unterschiedliches Nähe-Distanz-Bedürfnis hast und Dein Babe die Grenzen enger zieht als Du? 

Das Verhältnis von Nähe und Distanz ist bei jedem Menschen verschieden. Im besten Fall verlieben sich Menschen ineinander, die einen ähnlichen Wunsch nach Nähe und Distanz spüren – ein möglicher Konfliktpunkt weniger in der Beziehung. Manchmal fühlen wir uns von Menschen angezogen, die Distanz ausstrahlen, aber hoffen insgeheim, sie mit der Zeit etwas erweichen und Nähe aufbauen zu können. Laut dem Berliner Diplom-Psychologen Dr. Wolfgang Krüger geht die Rechnung aber nicht auf, wie er uns im Podcast „heart2heart“ von AMORELIE verrät:

Die Nähe-Distanz-Gleichung, die ein Mensch hat, können wir kaum ändern, weil da die Kindheit und Sicherheitselemente eine Rolle spielen.

Krügers Meinung nach prägt unsere Kindheit also maßgeblich unser Bedürfnis nach Nähe und Distanz. Schließlich bestimmt Nähe unser Leben, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und unsere Sprache: Ich fühle mich Dir nah ist ein Kompliment, das wir nur wenigen Menschen in unserem Leben machen. Deshalb ist es für zukünftige Beziehungen wichtig, einen Zugang zur eigenen Kindheit zu haben, um Muster zu erkennen, die sich über Jahre gebildet und gefestigt haben.

Nimm Dir bewusst Zeit für Dich

Es gibt unzählige Arten von Nähe, die wir bei unserem Lieblingsmenschen finden möchten. Nähe entsteht in vielen gemeinsamen Momenten: bei intimen Gesprächen, gemeinsamen Unternehmungen am Wochenende oder bei intensiven Höhepunkten.

Doch auch wenn wir uns auf der einen Seite intensive, leidenschaftliche Nähe wünschen, ist der Wunsch nach Abstand, Freiheit und einem eigenen Leben auf der anderen Seite ebenso menschlich – und wichtig. Zeit mit sich selbst zu verbringen, ist elementar für die mentale Gesundheit. Allerdings ist dieses Bedürfnis bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und kann in Beziehungen zu Konflikten führen. 

Sich bewusst Me Time zu nehmen bedeutet nicht, dass wir unserem Babe auf einmal weniger bedeuten. Lediglich der Fokus verschiebt sich für eine bestimmte Zeit, damit wir auch mal ganz bei uns sein und die Batterien wieder aufladen können. Dr. Krüger fasst es im Podcast so zusammen:

Nur wer mit sich selbst im Reinen ist und Nähe zu sich selbst spürt, fühlt sich lebendig und kann Nähe zu anderen aufbauen.

Nähe und Distanz: Kompromisse sind sexy

Doch was kannst Du tun, wenn Du mehr Nähe benötigst als Dein Schatz und Dich der Satz „Ich brauche Zeit für mich” jedes Mal aufs Neue verletzt? Hier kommt es auf eine Balance zwischen verschiedenen Faktoren an:

  • Kommunikation
  • Kompromisse
  • Antizipation

Kommunikation sollte einen großen Stellenwert in der Beziehung haben. Nur wenn wir unsere Bedürfnisse nach Nähe und Distanz offen kommunizieren, können wir ein gegenseitiges Verständnis entwickeln. Und Sicherheit verspüren, dass der Wunsch nach Me Time nicht das Ende der Beziehung bedeutet.

Ebenso sollte Dein Lover auch verstehen, wenn Du ein anderes Nähe-Bedürfnis hast. Deshalb: Kompromisse sind sexy! Beide sollten die Bereitschaft zeigen und darüber verhandeln, wie viel Nähe und Distanz es in der Beziehung gibt. Und zwar so, dass keine Bedürfnisse auf der Strecke bleiben und beide nicht zu viel von sich selbst aufgeben.

Außerdem kann es hilfreich sein, schon früh ein Gespür dafür zu entwickeln, wie Du Dein Babe emotional erreichst – beispielsweise über Küsse, Umarmungen oder Gespräche. Auch wenn es nicht allein Deine Aufgabe ist, zu antizipieren, was Dein Gegenüber benötigt, so kann es Dir Sicherheit geben, vorauszuahnen, wie viel Nähe bestimmte Situationen erfordern.

Für AMORELIE gehören Spielchen zwar eher ins Schlafzimmer, aber: Das sogenannte Gummibandprinzip ist mitunter ziemlich wirkungsvoll. Wenn sich Dein Lover zurückzieht, ist es Dein erster Impuls, diese Distanz zu überbrücken und wieder Nähe herzustellen. Dadurch kann sich Dein Lover aber emotional überrannt fühlen. Wenn Du ein großes Bedürfnis nach Nähe hast, kann es eine gute Strategie sein, sich stattdessen etwas zurückzuziehen. In der Regel sucht Dein Babe dann wieder die Nähe zu Dir. Im Podcast hinterfragt Dr. Wolfgang Krüger, warum der*die Partner*in Sehnsucht bekommt, wenn wir uns zurückziehen:

Wann funktioniert Nähe und wann habe ich damit Erfolg? Und wann muss ich mich zurückhalten, damit der*die Partner*in die Möglichkeit hat, etwas mehr auf mich zuzugehen, damit die Beziehung mehr atmet?

Wir finden: Auch wenn diese Strategie aufgeht, muss sie nicht für jede*n funktionieren. Schließlich sollten wir uns mit der Distanz zu unserem Babe auch wohlfühlen – und das sollte im besten Fall nicht mental belastend sein. 

Kommuniziere Deine Bedürfnisse

Manchmal hilft dabei ein Perspektivwechsel. Vielleicht können wir die vorübergehende Distanz annehmen und für uns selbst nutzen. Während der aufregenden Kennenlernphase bleiben viele Sachen auf der Strecke: Freund*innen, Hobbys und Entschleunigung. Nun können wir uns bewusst  Me Time gönnen – sei es für (so etwas Langweiliges wie) die aufgeschobene Steuererklärung oder Selbstbefriedigung, um Dich und Deine Vorlieben noch besser kennen zu lernen. Nur weil wir Sex mit unserem Babe haben, sollten wir nicht darauf verzichten, uns selbst zum Orgasmus zu bringen. 

Kompromissbereitschaft gehört in jede Beziehung und ist die Basis dafür, dass Bedürfnisse gehört und im besten Fall erfüllt werden. Doch manchmal kann es sein, dass eine*r seine Bedürfnisse öfter hinten anstellen muss als der*die andere. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Menschen eine Beziehung eingehen, die ein unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz haben. Denn unterm Strich macht die Person die Regeln, die mehr Abstand braucht. Wenn Du eine Möglichkeit findest, Dich damit zu arrangieren, dass Dein Lover entscheidet, wie oft Ihr Euch seht, umso besser. 

Wenn Du aber für Dich selbst feststellst, dass Dein Bedürfnis nach Nähe nicht erfüllt wird und Dir Kompromisse nicht reichen, dann kommuniziere das offen. Es ist keine gute Lösung, auf Dauer das Bedürfnis nach Nähe zu unterdrücken. Vergiss nicht, die wichtigste Beziehung führst Du immer noch mit Dir selbst – und das ist genug.

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