Escort-Model Anne im Interview: „Ich bin heute selbstbestimmter und glücklicher denn je“

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Anne hat mit AMORELIE über ihren Job als Escort-Dame gesprochen (Bild: Sens Escort)

Escort als Studentin oder Student – so manche*r hat schon mal darüber nachgedacht, sich während des Studiums etwas dazuzuverdienen. Für eine sexy Begleitung zahlen viele Menschen gutes Geld – so zumindest das Gerücht. Doch nur die wenigsten wissen wirklich, wie das Business funktioniert und was der Job beinhaltet.

AMORELIE hat daher bei der Agentur „Sens Escort“ nachgefragt, um mehr über das Thema Escort-Service zu erfahren. Wie wird man Escort-Dame und ist Escort immer mit Sex verbunden? Das hat uns Escort-Dame Anne im exklusiven Interview verraten.

AMORELIE: Wie kamst Du darauf, als Escort für Männer* zu arbeiten?

Anne: Es ist paradox: Mich führten meine schlechten privaten Dates zu guten bezahlten. Es hat sich wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen: Ich datete vermeintlich tolle Männer, wo sich am Ende aber ziemlich zuverlässig herausstellte, dass die Hälfte davon gar keine ernsten Absichten hatten, eine feste Beziehung einzugehen (Typ Fuckboy!). Die andere Hälfte teilte sich auf in die, die eine ganz klare Priorität im Leben haben: sich selbst (Typ Narzisst!). Und dann kommen noch die dazu, die bereits in einer Beziehung/Ehe verweilen und einfach „vergessen” zu erwähnen, dass sie vergeben sind – oops! Nein, irgendwann hatte ich genug.

Wohlgemerkt verdienen Frauen in der Wirtschaft immer noch weniger als Männer, was im Escort genau andersrum ist. Wir arbeiten mit Honoraren, die Einsteiger*innen bei McKinsey haben.

Unschöne Erfahrungen waren meine ständigen Begleiter auf Dates. Bis ich eine schicksalhafte Begegnung hatte: Auf einer Party kam ich mit jemandem ins Gespräch. Irgendwann kamen wir auf mein Singleleben, und wie frustrierend Dating doch sei. Er hörte sich ein paar meiner Storys an und meinte: „Hey, vergeude nicht Deine Zeit und Schönheit – mach doch Escort! Dann wirst Du auch mal Männer kennenlernen, die Dich wertschätzen. Und Deine Zeit honorieren, im wahrsten Sinne.” Es verging noch eine ganze Weile, bis ich mich mit der Idee angefreundet hatte und es schließlich ausprobierte.

Man braucht Mut und Abenteuerlust, diesen Job zu machen, immerhin begegnen wir fremden Menschen und wir müssen versuchen, schnell eine gemeinsame Ebene aufzubauen. Aber was soll ich sagen? Ich bin unendlich dankbar, Escort für mich entdeckt zu haben! Ich bin heute selbstbestimmter, selbstbewusster und glücklicher denn je.

Wie ist die rechtliche Situation in Deutschland – ist Escort legal in Deutschland und braucht man für Escort-Service eine Lizenz?

In jedem Falle benötigt man eine Gewerbeanmeldung, da die Einnahmen selbstverständlich versteuert werden. Dazu kommt außerdem ein Prostituierten-Nachweis, wenn man für eine deutsche Agentur arbeitet.

(Bild: Pawel Szvmanski/Unsplash)

Machst Du beziehungsweise Deine Kolleg*innen den Job hauptberuflich oder ist Escort in der Regel eher ein Nebenerwerb?

Das ist völlig unterschiedlich. Es gibt Damen, die machen das hauptberuflich und andere, die machen das neben ihrem Studium oder ihrer Arbeit. Es gibt in der Tat viele Student*innen, die das machen, weil man da zeitlich noch flexibel ist und man sich bequem sein Studium finanzieren kann. Ich selbst habe einen Mittelweg gefunden: Als ich mit Escort angefangen habe, hatte ich noch einen Vollzeitjob im Marketing bei einem Konzern, ein steifer 9-5-Job im Büro.

Ich finde es bedauerlich, dass unsere Branche zu unrecht einen schlechten Ruf genießt. Man sollte über den Tellerrand schauen.

Nach sechs Monaten Doppelbelastung mit zwei Jobs habe ich auf Teilzeit gewechselt. Ich wollte meinen Dates gerecht(er) werden, denn wenn man einen Vollzeitjob ausübt, um sechs Uhr morgens aufsteht und acht Stunden, meist länger, im Büro verbringt und abends ein längeres Date auf einen wartet, war ich teils einfach nicht mehr so frisch und das hat mir etwas die Vorfreude genommen. Jetzt, wo ich nur noch halbtags arbeite, bekomme ich beides bestens geregelt und bin auch für Dates, die teilweise auch tagsüber stattfinden, flexibler als vorher. Zeit ist eben immer noch der größte Luxus!

Gibt es bestimmte Kriterien, nach denen Du deine Kunden auswählst oder ablehnst?

Ich mag weltmännische, kultivierte und gebildete Gentlemen. Gerne alte Schule, ich bin selbst „Old School”. Niveau, Stil und Bildung sind Attribute, die einen Mann zu mir führen. Ganz besonders freuen mich kommunikative Menschen – Kommunikation spielt eine essentielle Rolle in unserer Tätigkeit als Escort-Begleitung. Nicht zu vergessen: Hygiene und Respekt.

Wie gehst Du mit unangenehmen oder respektlosen Kunden um?

Im Zweifelsfall, wenn man nicht harmoniert, dann bleibt es jeder Partei offen, das Date abzubrechen. Niemand wird bei uns gezwungen, etwas „durchzuziehen”. Wir sind hier im „People Business“ und da kann es natürlich mal vorkommen, dass man sich nicht sympathisch ist. Dies kommt allerdings selten vor.

(Bild: Artem Labunsky/Unsplash)

Jetzt kommt die Frage aller Fragen: Ist bei Escort Sex Pflicht oder hat man immer die Wahl und die Kontrolle, selbst zu entscheiden?

Wir arbeiten selbstbestimmt und machen das bei einem Date, was wir tun möchten. Auch wenn Escort als Begleitservice zu verstehen ist, kommen sexuelle Handlungen vor wie bei gewöhnlichen Dates.

Welche Sicherheitsvorkehrungen triffst Du, um deine eigene Sicherheit während eines Treffens zu gewährleisten?

Das erledigt die Agentur, denn aus Diskretionsgründen weiß ich zum Beispiel den Klarnamen des Kunden nicht, daher kann ich auch nichts prüfen. Die Agentur screent den Kunden vor einem Date und erst dann bekommen wir ein „Go”.

Unter welchen Umständen würdest Du anderen von diesem Job abraten und wem würdest Du empfehlen, es mal auszuprobieren?

Auch wenn ich mir selbst gewünscht hätte, etwas jünger damit angefangen zu haben, würde ich stark davon abraten, zu jung anzufangen. Damit spreche ich Mädchen an, die direkt nach der Schule oder im Studium damit anfangen und noch nie auf Lohnsteuerkarte gearbeitet haben und einen Arbeitgeber hatten.

Escort verleitet dazu, zu verblenden. Wer verdient in der normalen Wirtschaft in zwei Stunden 1200€ brutto?! Wohlgemerkt verdienen Frauen in der Wirtschaft immer noch weniger als Männer, was im Escort genau andersrum ist. Wir arbeiten mit Honoraren, die Einsteiger*innen bei McKinsey haben. Das normale Arbeitsleben ist etwas vollkommen anderes als wir es führen: Wir flanieren in Luxushotels, treffen auf galante Herren, die sich den ganzen Tag schon gefreut haben, ja gar etwas aufgeregt sind, uns zu sehen, gehen vorab schön Essen, verbringen gemeinsame Zeit, werden teilweise noch mit einer netten Aufmerksamkeit wie Parfüm oder einem Seidentuch von Hèrmes versehen und bekommen Komplimente, wie toll wir aussehen. Man darf einfach nicht vergessen, wie privilegiert und zuckersüß unser Job ist, dass dieser aber nichts mit einem normalen Arbeitsalltag zu tun hat.

Ich appelliere an jedes Mädchen: Arbeitet vorher einmal in einem regulären Job. Übt lieber zuerst eine Student*innentätigkeit wie Regale auffüllen oder Kellnern aus und probiert euch danach als Escort, nicht umgekehrt.

(Bild: Dainis Graveris/Unsplash)

Inwiefern spielen Sextoys eine Rolle bei Deinem Beruf?

Eine große Rolle! Viele meiner Dates fragen explizit danach, man möge doch bitte Spielzeug & Co mitbringen. Viele Buchende sind sehr experimentierfreudig und leben auch gerne das aus, was sie zu Hause nicht haben. Manche Männer trauen sich schlichtweg nicht, die eigene Partnerin, die auch vielleicht gleichzeitig Frau seiner Kinder ist, zu fragen, ob sie einen Analplug oder Umschnalldildo testen möchte. Oder ausgepeitscht werden mag.

Was ist die kurioseste Geschichte, die Du mit einem Kunden erlebt hast?

Kurios… mhh… ich hatte mal einen Kunden, letztes Semester BWL-Studium, Baby-Face (ein Gesicht wie aus der Zwieback-Werbung). Er wirkte extrem nervös, kaute ständig auf seinen Lippen rum und spielte an seinen Händen. Nachdem wir uns gut unterhalten haben, wollte ich mich im Badezimmer frisch machen, als er plötzlich sagte „Nein, stopp” und sanft meinen Arm ergriff.

Viele Buchende sind sehr experimentierfreudig und leben auch gerne das aus, was sie zu Hause nicht haben. 

Dann öffnete er sich und meinte, das sei alles eine Schnapsidee von ihm: Seine Freundin hätte ihn gestern verlassen, nachdem er herausgefunden hatte, dass sie ihn schon eine ganze Weile betrogen hatte. Er wollte es ihr nun einfach heimzahlen und mit einer schönen Frau einen Abend verbringen. Und das, so gestand er sich in dem Moment wohl ein, sei falsch, er sei nicht wie sie. Er meinte, ich könne jetzt gehen, übergab mir den Umschlag und bat vielmals um Verzeihung, meine Zeit beansprucht zu haben.

Welche Missverständnisse gibt es bezüglich Deines Berufs, die Du gerne klären möchtest?

Ich finde es bedauerlich, dass unsere Branche zu unrecht einen schlechten Ruf genießt. Man sollte über den Tellerrand schauen.

Was war das schönste Erlebnis, das Du als Escort hattest?

Wenn man sofort „klickt“. Wie im echten Leben eben. Wenn man sich gleich wohl und gut aufgehoben fühlt, man über Gott und die Welt sprechen kann und man auf einer Wellenlänge ist. Da wünscht man sich, die Zeit würde stillstehen. Mit einem Kunden habe ich mich bis vier Uhr nachts unterhalten. Er war unglaublich redegewandt, eine Rhetorik vom feinsten. Er war schon überall auf der Welt, hat in Yale studiert und eine beeindruckende Karriere hingelegt – das hat mir sehr imponiert. Ich hätte ihm noch stundenlang zuhören können, wären mir nicht allmählich die Augen zugefallen. Er war eine inspirierende Persönlichkeit und es war eine magische Nacht.

Hast Du eventuell schon mal Gefühle für einen Klienten entwickelt und umgekehrt?

Ja und ja. Am Ende sind wir eben alle nur Menschen.

Hattest Du bereits ein Date mit einem Promi?

Jein. Prominente, deren Namen und Gesicht wirklich jeder kennt, waren (noch) nicht dabei. In der Tat buchen mich hochrangige Manager, Industrielle, Top-Berater, auch mal Adelige, aber diese sind mehr innerhalb ihrer Branche als VIPs bekannt, nicht als Weltstars. Also, Mick Jagger, ich warte!


*Escort Anne trifft sich ausschließlich mit Cis-Männern, daher sprechen wir im Interview von Kunden. Im Rest des Interviews werden weitere Geschlechtsidentitäten berücksichtigt.

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1 Kommentar

  • Toll! Es ist sicherlich eine spannende aber auch herausfordernde Tätigkeit. Ich habe grossen Respekt davor und wünsche Anne & Kolleginnen viele weitere positive, niveauvolle Begegnungen.

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