Stell Dir vor: Eine Infektion, die so verbreitet ist, dass etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen irgendwann in ihrem Leben damit in Berührung kommen – und dennoch bleibt sie oft unbemerkt und wird selten thematisiert. Die Rede ist von HPV, den Humanen Papillomviren. Während die meisten Infektionen harmlos verlaufen und von selbst wieder verschwinden, können bestimmte HPV-Typen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, darunter verschiedene Krebsarten. Doch hier kommt die positive Wendung: Die HPV-Impfung bietet heute einen zuverlässigen Schutz und ist eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen in der modernen Medizin. Lass uns gemeinsam den Schleier lüften und schauen, was Du über HPV wissen solltest.
Inhaltsverzeichnis
HPV – mehr als nur ein Virus
HPV steht für Humane Papillomviren und wie eingangs erwähnt, stecken sich die meisten aller Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV an. Das klingt erstmal erschreckend, aber die gute Nachricht vorweg: Gefährlich ist das nicht zwangsläufig. Bislang sind über 230 verschiedene HPV-Typen bekannt – und die meisten davon sind harmlos und verschwinden von selbst, ohne dass Du es überhaupt merkst.
Trotzdem gibt es unter all diesen Typen einige wenige, bei denen Du genauer hinschauen solltest: die sogenannten Hochrisikotypen. Allen voran die Typen 16 und 18, die für rund 80 Prozent aller HPV-bedingten Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verantwortlich sind. Dazu kommen die Typen 31, 33, 45, 52 und 58, die weitere 15 Prozent der Fälle ausmachen. Und damit nicht genug: Diese Hochrisikotypen gelten auch als Hauptverursacher von Anal- sowie Mund-Rachenkarzinomen. Kein schönes Thema, keine Frage – aber eines, über das wir dringend reden müssen.
So verläuft eine Infektion
Hier kommt die beruhigende Nachricht: In den allermeisten Fällen verläuft eine HPV-Infektion völlig unbemerkt und ohne jegliche Symptome – und Dein Körper wird meist ganz von allein damit fertig. Das Immunsystem räumt die Viren einfach weg, ohne dass Du überhaupt mitbekommst, dass sie da waren. Nur in bestimmten Fällen und je nach Virustyp kann es zu sichtbaren oder spürbaren Folgen kommen.
Genitalwarzen zum Beispiel, die durch die HPV-Typen 6 und 11 verursacht werden, sind normalerweise harmlos. Sie können zwar unangenehm sein, stören oder optisch als störend empfunden werden – gefährlich sind sie aber nicht. Anders sieht es bei den Hochrisikotypen aus: Hier können Zellveränderungen entstehen, die im schlimmsten Fall zu Krebs führen.
Diese Veränderungen entwickeln sich meist über Jahre hinweg, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig sind. Denn je früher auffällige Zellveränderungen erkannt werden, desto besser können sie behandelt werden – oft noch bevor Krebs überhaupt entsteht.
Wie HPV übertragen wird
HPV verbreitet sich leicht – und zwar durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt oder Haut-zu-Schleimhaut-Kontakt überall dort, wo infizierte Bereiche aufeinandertreffen. Das kann beim Küssen passieren, beim Petting oder beim Sex – egal, ob vaginal, anal oder oral.
Und hier kommt der Punkt, der viele überrascht: Auch Kondome bieten keinen vollständigen Schutz vor HPV. Klar, sie reduzieren das Risiko erheblich – aber da die Viren auch über Hautkontakt an Stellen übertragen werden können, die das Kondom nicht abdeckt, ist eine Ansteckung trotzdem möglich.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 10.000 bis 11.000 Menschen an HPV-bedingtem Krebs – etwa 7.000 Frauen und 3.000 Männer*. Das Gute daran? Viele dieser Fälle könnten durch die HPV-Impfung verhindert werden. Ein simpler Piks, der Leben retten kann – darauf kommen wir gleich noch zurück.
Die HPV-Impfung: Dein Schutz vor Hochrisikotypen
Die HPV-Impfung konzentriert sich genau auf die Typen, die wirklich gefährlich werden können: die Hochrisikotypen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Kinder ab 9 Jahren bis zum Alter von 14 Jahren – und zwar idealerweise vor der ersten sexuellen Aktivität. Warum? Weil die Impfung am besten wirkt, wenn das Immunsystem noch keinen Kontakt mit HPV hatte.
Aber keine Panik, falls Du dieses Zeitfenster verpasst hast: Das Nachholen der Impfung wird für ungeimpfte Jugendliche bis zum 18. Geburtstag empfohlen, kann aber auch danach noch sinnvoll sein. Am besten lässt Du Dich von Deiner Ärzt*in beraten, ob die Impfung für Dich noch eine Option ist. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel bis zum 17. Lebensjahr – einige Kassen erstatten die Impfung aber auch bis zum 26. Geburtstag zurück. Eine kurze Abklärung mit Deiner Krankenkasse kann sich also lohnen!
Warum die Impfung für alle wichtig ist
Ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird: HPV-bedingter Krebs im Mund-Rachen-Raum nimmt in den letzten Jahrzehnten weltweit zu, insbesondere bei Männern. In den USA und Großbritannien wird diese Krebsart bei Männern* mittlerweile sogar häufiger diagnostiziert als Gebärmutterhalskrebs bei Frauen*. Ein Grund mehr, warum die Impfung für alle Geschlechter so wichtig ist.
Die gute Nachricht: Nach derzeitigem Kenntnisstand ist keine Auffrischimpfung gegen HPV notwendig. Einmal geimpft, hält der Schutz langfristig.
Früherkennung rettet Leben
Für Frauen beziehungsweise Menschen mit Gebärmutterhals wird ab 35 Jahren im Rahmen der gynäkologischen Krebsfrüherkennung ein HPV-Test empfohlen, der häufig mit einem Pap-Abstrich kombiniert wird. Warum erst ab 35? Ganz einfach: Vorher schafft es das Immunsystem bei rund 90 Prozent der Fälle, die HPV-Viren von selbst zu bekämpfen. Ab 35 wird es für den Körper allerdings schwieriger, die Viren loszuwerden – deshalb ist dann ein regelmäßiger Check umso wichtiger.
FAQ: Häufige Fragen zu HPV
Kann ich mich auch impfen lassen, wenn ich schon sexuell aktiv bin?
Ja, absolut! Auch wenn Du bereits sexuell aktiv bist, kann die HPV-Impfung noch sinnvoll sein. Selbst wenn Du Dich bereits mit einem HPV-Typ infiziert hast, schützt die Impfung vor den anderen im Impfstoff enthaltenen Typen. Sprich am besten mit Deinem*r Ärzt*in darüber – sie kann Dich individuell beraten. Wichtig zu wissen: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten standardmäßig bis zum 17. Lebensjahr, einige Kassen zahlen aber auch bis 26 Jahre. Ein Anruf bei Deiner Krankenkasse lohnt sich!
Ersetzt die HPV-Impfung die Krebsvorsorge?
Nein, die Impfung ersetzt die Vorsorgeuntersuchungen nicht. Sie schützt zwar vor den häufigsten krebserregenden HPV-Typen, aber nicht vor allen. Deshalb ist es wichtig, dass Du trotz Impfung regelmäßig zur Krebsfrüherkennung gehst – ab 20 Jahren mit dem Pap-Abstrich, ab 35 Jahren mit dem kombinierten HPV-Test und Pap-Abstrich.
Wie viele Impfungen brauche ich?
Das hängt vom Alter bei der ersten Impfung ab: Im Alter zwischen 9 und 14 Jahren reichen zwei Impfungen im Abstand von mindestens 5 Monaten. Ab 15 Jahren sind drei Impfungen notwendig.
Gut zu wissen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2022 ein Positionspapier veröffentlicht, das auch eine Einzeldosis-Impfung für 9- bis 20-Jährige als Alternative nennt. Studien zeigen, dass auch eine einzelne Impfung über mindestens 10 Jahre hinweg wirksam gegen die HPV-Typen 16 und 18 schützt. Allerdings sind die Antikörperspiegel dabei niedriger als bei zwei oder drei Dosen – ob das langfristig einen Unterschied macht, ist noch nicht abschließend geklärt. Zudem gibt es bisher wenig Daten zur Wirksamkeit bei Personen mit Penis sowie zu anderen Krebsarten außer Gebärmutterhalskrebs.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Einzeldosis-Impfung derzeit nicht zugelassen und würde einen sogenannten Off-Label-Use darstellen. Die offiziellen Empfehlungen bleiben daher bei zwei bzw. drei Impfungen – und die sind nach aktuellem Stand der beste Schutz.
Gibt es Nebenwirkungen der HPV-Impfung?
Wie bei jeder Impfung kann es zu Nebenwirkungen kommen – diese sind aber in der Regel mild und vorübergehend. Häufig sind Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Einstichstelle, manchmal auch Kopfschmerzen oder leichte Müdigkeit. Ernsthafte Nebenwirkungen sind extrem selten. Die HPV-Impfung wurde in zahlreichen Studien weltweit untersucht und gilt als sicher und wirksam.
Kann ich HPV auch bekommen, wenn ich nur eine*n Sexualpartner*in hatte?
Ja, das ist möglich. HPV ist so weit verbreitet, dass auch Menschen, die nur eine*n Sexualpartner*in hatten, sich infizieren können. Die Viren können bereits beim ersten sexuellen Kontakt übertragen werden – und Dein Babe könnte HPV haben, ohne es zu wissen, da die meisten Infektionen symptomlos verlaufen.
Woher weiß ich, ob ich HPV habe?
Bei den meisten Menschen verläuft eine HPV-Infektion völlig symptomlos. Bei Personen mit Vulva können auffällige Zellveränderungen durch den Pap-Abstrich oder HPV-Test im Rahmen der Krebsfrüherkennung entdeckt werden. Genitalwarzen sind sichtbar und können von Ärzt*innen diagnostiziert werden. Es gibt keinen Routine-Bluttest für HPV – der Nachweis erfolgt über Zellabstriche oder sichtbare Veränderungen.
Ist die HPV-Impfung in Österreich und der Schweiz auch verfügbar?
Ja! In Österreich wird die HPV-Impfung für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 12 Jahren kostenlos im Rahmen des öffentlichen Impfprogramms angeboten. Auch Nachholimpfungen bis zum 21. Geburtstag sind kostenlos. In der Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die HPV-Impfung für alle Geschlechter zwischen 11 und 14 Jahren – die Kosten werden von der Grundversicherung übernommen. Auch hier sind Nachholimpfungen bis zum 26. Geburtstag möglich.
*Die Daten unterscheiden binär zwischen Frauen und Männern und erfassen keine nicht-binären oder diversen Geschlechtsidentitäten.
(Bild: CDC/Unsplash)