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Chemsex: zwei nackte Männerkörper
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Chemsex: Wenn Lust an die Substanz geht

31 März 2026,

von

Drogen, Sex, Nächte (und Tage), die kein Ende nehmen. Chemsex ist ein wachsendes Phänomen und immer mehr Menschen finden Gefallen an Partys, bei denen die Lust am Exzess auf dem Programm steht. Wir erklären, was es damit auf sich hat, wo die größten Gefahren lauern und wie Du Dich sicherer durch den Strudel aus Highs und Höhepunkten bewegen kannst. Denn: Denn gute Aufklärung schützt im Zweifelsfall besser als ein erhobener Zeigefinger.

Inhaltsverzeichnis

Chemsex – was Du über Chills, Pills und anderes wissen musst

Chemsex – manchmal auch PnP (Party and Play) genannt – bezeichnet Sex unter dem Einfluss bestimmter psychoaktiver Substanzen. Verbreitet ist die Praxis vor allem in der Community von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Chemsex findet oft im Rahmen privater Sexpartys statt, sogenannter Chills, und die manchmal mehrere Tage dauern können. 

Die Substanzen, die dabei typischerweise eine Rolle spielen: 

  • GHB/GBL – entspannend, enthemmend, euphorisierend 
  • Mephedron (Meph) – stimulierend, luststeigend, euphorisierend 
  • Crystal Meth (Tina) – stark stimulierend, kann Erektion und Orgasmusfähigkeit beeinträchtigen 
  • Ketamin (K) – dissoziativ, verändert das Körpergefühl, wirkt schmerzlindernd 
  • Poppers – entspannen die Muskulatur, oft beim Analsex eingesetzt 
  • Viagra & Co. – werden häufig ergänzend eingesetzt, weil manche Substanzen Erektion oder Orgasmus erschweren 

Die Risiken von Chemsex – und warum Du sie kennen solltest

Chemsex verbindet mehrere Risikofaktoren gleichzeitig. Deshalb ist es wichtig, sie alle zu kennen und zu verstehen, wie sie sich gegenseitig verstärken können. 

Safer Sex: nüchtern planen, high nicht vergessen

Unter Drogeneinfluss sinkt die Bereitschaft (oder Fähigkeit), auf Safer Sex zu achten. Kondome werden weggelassen, Entscheidungen werden impulsiver und verantwortungsloser getroffen als nüchtern. Wichtig zu wissen: STIs werden nicht nur beim Sex übertragen – auch beim sogenannten Booty Bumping (rektale Aufnahme der Drogen durch nadellose Spritzen) oder beim Slamming (intravenöses Spritzen) besteht ein erhöhtes Risiko für HIV, Hepatitis und bakterielle Infektionen, wenn Spritzen geteilt werden. 

Auch bei der Einnahme von PrEP gilt es zu beachten:  Im Rausch gerät dies leicht in Vergessenheit. Die Folge: Die Schutzwirkung ist unter Umständen nicht mehr zuverlässig. 

Verletzungen: „high and dry“ ist keine Option!

Ketamin und andere Substanzen dämpfen das Schmerzempfinden – das klingt zunächst angenehm, ist aber ein echtes Risiko. Verletzungen werden nicht oder zu spät bemerkt, besonders bei intensiven Praktiken wie Fisting oder Sounding (das Einführen von Gegenständen in die Harnröhre)Gleitgel ist keine Option, sondern Pflicht – auch dann, wenn sich im Moment alles problemlos anfühlt. 

Konsens: ein klares Muss

Drogen verändern das Urteilsvermögen. Wer nicht (mehr) reden kann, kann auch nicht Ja sagen. Ein Nein gilt immer – auch mittendrin, auch wenn vorher Ja gesagt wurde. Das gilt für Dich selbst genauso wie für alle anderen – Grenzen respektieren heißt auch: aktiv nachfragen, nicht auf Stille hoffen. Regelmäßiges Nachfragen ist deshalb kein Stimmungskiller – es ist das Mindeste. 

Bei Bondage oder eingeschränkter Bewegungsfreiheit gilt zusätzlich: Es ist schwerer einzuschätzen, ob noch alles okay ist oder ob die Situation noch konsensuell ist, hier gilt also besondere Vorsicht. 

Körperliche Belastung: Partypausen sind wichtig

Chills können sich über Tage erstrecken. Schlafmangel, Dehydrierung und körperliche Anstrengung summieren sich – und weil Substanzen das eigene Körpergefühl dämpfen, bemerkt man die Überlastung oft erst, wenn sie schon eingetreten ist. Das Herz-Kreislauf-System reagiert auf solche Extrembelastungen, unabhängig davon, wie gut man sich gerade fühlt. 

Der Crash: das Low nach dem High

Nach den Höhenflügen folgt häufig ein eine unbequeme Landung auf dem Boden der Tatsachen. Nach dem Konsum stimulierender Substanzen erleben viele depressive Verstimmungen, Angstzustände, oder sogar paranoide Episoden. Besonders gefährlich: Die Versuchung, sich dem Crash zu entziehen und einfach weiterzumachen. So gerät man schneller als man merkt in einen gefährlichen Kreislauf und bei vielen Substanzen besteht ein hohes Abhängigkeitsrisiko. 

Normalisierung: wenn klar Kommen nicht mehr geht

Wenn der Exzess zur Normalität wird, passiert es schnell, dass nüchterner Sex den Reiz verliert. Deshalb – aber auch, um Deinem Körper die nötige Erholung zu geben – ist es wichtig, dass zwischen den Chills immer wieder längere Pausen (mindestens vier Wochen) eingelegt werden. 

GHB/GBL: Kein Spielraum für Fehler

GHB und sein Vorläufer GBL verdienen besondere Aufmerksamkeit – denn bei dieser Substanz ist der Fehlerrahmen extrem klein. Bekannt sind die Substanzen auch als K.o.-Tropfen, denn sie werden auch dazu missbraucht, Opfer gefügig oder sogar bewusstlos zu machen. 

Die Dosierung ist eng: Zwischen einer enthemmenden und einer lebensbedrohlichen Menge liegen manchmal nur wenige Milliliter. In Kombination mit Alkohol oder anderen dämpfenden Substanzen wie Opiaten kann GHB/GBL sehr schnell zu Atemstillstand und Bewusstlosigkeit führen – mit tödlichem Ausgang. 

Ein wichtiger Hintergrund: GBL ist als Industrielösungsmittel legal erhältlich und wird im Körper direkt zu GHB umgewandelt. Das macht es leicht zugänglich – und erhöht das Risiko enorm. 

Wenn Du trotzdem GHB oder GBL zu Dir nehmen willst, solltest Du Folgendes unbedingt beachten: 

  • Niemals mit Alkohol oder dämpfenden Substanzen kombinieren. 
  • Dosierung genau kennen und strikt einhalten. 
  • Niemals alleine konsumieren. 
  • Immer eine nüchterne Person in der Nähe haben, die weiß, was im Notfall zu tun ist. 

Tipps für sichereren Chemsex

Vor dem Chill: 

  • Mach Dir nüchtern Gedanken zur Verhütung – und pack alles ein, was Du brauchst: Kondome, Gleitgel, PrEP, andere Medikamente, die Du benötigst. 
  • Informiere Dich über die gängigen Substanzen und ihre Wirkungen, Wechselwirkungen, Dosierungen, Gefahren und Anzeichen einer Überdosierung. 
  • Überlege vorab, wo Deine Grenzen liegen, ob es um den Konsum von Substanzen geht oder Sexpraktiken. 

 

Beim Chill: 

  • Trink ausreichend Wasser – aber nicht zu viel, auch Überwässerung kann ein Risiko sein. 
  • Konsumier nicht zu viel auf einmal, taste Dich lieber langsam heran. Du kannst immer mehr nehmen, aber nicht weniger. 
  • Du musst nichts mitmachen – Nein sagen gilt jederzeit: zu Substanzen, zu Praktiken, zu Personen. 
  • Respektiere auch Du die Grenzen anderer – konsequent. 
  • Auch wenn Du nicht direkt involviert bist: Wenn Du das Gefühl hast, dass eine Person dem Geschehen nicht mehr zustimmen kann, frag nach. 

 

Danach: 

  • Gönn Dir genug Erholung, körperlich und mental 
  • Lass Dich regelmäßig auf STIs testen 
  • Wenn der Crash regelmäßig heftig ist oder Sex ohne Substanzen sich kaum noch lohnt: Probiere, eine Pause zu machen und sprich mit jemandem darüber. 

Angebote für Beratung und Hilfe

sidekicks.berlin 
Checkpoint BLN
Mann-O-Meter 
IWWIT
Deutsches Rotes Kreuz
Sucht-und-Drogen-Hotline: 01806 31 30 31 

Geschrieben von
Lara Grimm
Autor*in
Sextoys, Datingtrends, LGBTQIA+ Themen: Autorin Lara liebt es, allem auf den Grund zu gehen, was die Herzen (und Betten) der Menschen bewegt.

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