Was ist Ghosting & Co.? Dating-Trends aus der Hölle

Was ist Ghosting Ursachen

Die Liste der neuen Begriffe für aktuelle Dating-Phänomene ist unübersichtlich lang – aber was ist Ghosting, Benching und Breadcrumbing eigentlich? Was sich erstmal witzig anhört, ist in Wahrheit eine Erfahrung, auf die wir alle gern verzichten würden. Wer schon einmal Opfer von Ghosting oder Stashing wurde, wird das bestätigen….

Dating-Trends aus der Hölle

Dating verändert sich mit Überschallgeschwindigkeit. Besonders das Online-Dating hat dazu beigetragen. Immer mehr Online-Dating-Seiten und Dating-Apps werden auf den Markt und unsere Smartphones gespült. Die Kontaktaufnahme und Kommunikation wird dadurch einfacher und immer schneller. Das wiederum bringt so einige hässliche Verhaltensweisen zutage.

Selbstverständlich ist nicht alles dem Online-Dating anzulasten. Ghosting & Co. gab es schon immer, allerdings sinkt durch die Unverbindlichkeit der aktuellen Kommunikationsmittel die Hemmschwelle zum plötzlichen Kontaktabbruch oder anderem respektlosen Verhalten. Es scheint, als fühlen sich die Menschen ihrem*r Chat-Partner*in gegenüber keiner Rechenschaft oder Erklärung schuldig…

Was ist Ghosting?

Was ist Ghosting Ursachen

Was ist Ghosting? Ganz einfach: Ghosting bezeichnet eine Art des Schlussmachens, bei dem die Person, die man gerade noch datet, sich einfach eiskalt ohne jede Erklärung oder Ankündigung aus dem Staub macht – das moderne „Ich geh mal kurz Zigaretten holen“. Ein plötzlicher Kontaktabbruch aus dem Nichts. Auf Nachrichten und Anrufe wird nicht mehr reagiert. Es ist also als hätte man einen „Geist“ gedatet, der einfach verschwindet.

Ghosting Ursachen

  1. Persönlichkeitsstruktur: Einem Ghoster fehlt häufig die soziale Kompetenz zur Auseinandersetzung, offen über Probleme zu reden bzw. Konflikte auszutragen oder auszuhalten. Er fürchtet die Reaktion des*r Partners*in – Tränen, Fragen, Vorwürfe – bei einem Trennungsgespräch und taucht stattdessen lieber ab.
  2. Bindungsangst: Es wird Ernst – Zeit für einen Ghoster, die Notbremse zu ziehen. Lieber flieht er, als sich ersthaft auf eine feste Bindung einzulassen. Menschen mit Bindungsängsten haben häufig selbst schlimme Erfahrungen mit Trennungen gemacht (Trennung der Eltern, Verlust der ersten große Liebe…) und haben deshalb das Vertrauen verloren. Eine erneute Bindung empfinden sie als Bedrohung.
  3. Mangelndes Interesse: Während Du vielleicht geglaubt es, es sei etwas Wahres und Ernsthaftes bei Euch, hat es für den Ghost einfach nicht (genug) gefunkt oder die anfängliche Zuneigung ist verschwunden. Es war nur ein Abenteuer, das für ihn*sie vorbei ist.

Ghosting – wie damit umgehen?

Erkennen: Zu erkennen, dass der*die Partner*in wirklich weg ist, ist ein harter Weg – gepflastert mit (Selbst)Zweifeln, Ungläubigkeit und großer Sorge. Vergewissere Dich als erstes, ob etwas Ernstes passiert ist (Zwischenfälle in der Familie, Unfälle, Krankheiten), oder ob Du wirklich geghostet wirst.

Verarbeiten: Geghostet zu werden, ist ein Schock. Und er sitzt tief. Das Schlimme ist, dass immer Fragen bleiben werden. Um diese plötzliche Trennung zu verarbeiten, ist es wichtig, das Geschehene zu akzeptieren. In diesem Fall gilt: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Ewiges Hinterhertelefonieren hat keinen Sinn – genau wie wütende Nachrichten oder Betteln.

Es liegt nicht an Dir. Ghosting hat oftmals nichts mit der Verbindung zweier Menschen zu tun, sondern vielmehr mit dem Charakter des Ghosters. Mach Dir außerdem klar: Du bist nicht allein. Schon viele vor und Dir sind bereits Ghosting-Opfer geworden und haben diese wortlose Trennung erlitten. Das ist nicht schön, aber hilft vielleicht, das Ganze nicht nur auf sich selbst zu beziehen.

Weitermachen: Es sind nicht alle so! Nimm Dir alle Zeit, die Du brauchst, um das Erlebte zu verarbeiten. Bist Du an diesem Punkt angelangt, spricht nichts gegen erneutes Daten. Wirf Dich wieder in den Sattel und genieße die Vorzüge des Datens – inklusive Schmetterlinge im Bauch, Aufregung und einem Lächeln, das Dich den ganzen Tag lang begleiten wird.


Zombieing – es wird gruselig…

Nachdem wir die Frage „Was ist Ghosting?“ beantwortet haben, kommen wir nun zu Phänomen Nummer zwei – der Auferstehung. Im Zusammenhang mit dem Ghosting taucht nämlich immer häufiger auch der Begriff des Zombies auf. Dies bezeichnet den Ghost, der plötzlich wieder aus der Versenkung auftaucht – häufig in dem Moment, in dem wir langsam über ihn*sie hinweg sind – und sich meldet, um… Ja, was denn eigentlich? Will er*sie die Beziehung wieder aufwärmen?

Die Ursachen für die erneute Kontaktaufnahme sind natürlich menschen- und situationsabhängig. Möglicherweise hat der- oder diejenige gemerkt, dass er*sie einen riesigen Fehler begangen hat und einen zweiten Versuch starten möchte. Manchmal ist es auch leider nur der (erneute) Wunsch des Zombies nach Bestätigung – indem er*sie das einstige Ghosting-Opfer erneut um den Finger wickelt.

Prinzipiell hat jeder Mensch eine zweite Chance verdient. Allerdings sollte sich niemand zum Spielball machen lassen. Stell Dir also vorher die Frage, was Du und der*die andere sich wünscht und ob die Vorstellungen zueinander passen. Mach Dir auch klar, ob Du einen Menschen, der Dich einmal so enttäuscht hat, wieder Vertrauen schenken kannst und in Deinem Leben haben möchtest.

Übrigens: Zombieing ist auch bekannt als Submarining, benannt nach dem Auf- und Abtauchen eines U-Boots.


Orbiting: So nah und doch so fern

Ghosting, Benching, Breadcrumbing und mehr

Orbiting (auch Tuning) beginnt wie Ghosting: Man trifft sich, doch aus heiterem Himmel bricht die Bekanntschaft jede Kommunikation ab und verschwindet wie ein Geist. Allerdings bleibt sie nicht verschwunden – sie taucht aber nicht wieder auf wie ein Zombie – nein, sie kreist einfach irgendwo virtuell in der Umlaufbahn herum. Daher stammt auch der Name Orbiting. In der Astronomie beschreibt Orbit nämlich die Umlaufbahn eines Satelliten um einen Himmelskörper. Im Klartext heißt das, der*die Verschwundene „verfolgt“ Dein Leben weiterhin in den sozialen Netzwerken und reagiert hier und da mit Likes oder unbedeutenden Kommentaren. Gern werden auch die Stories auf Instagram angeschaut ohne eine Reaktion zu zeigen.

Über die Absichten kann nur gemutmaßt werden. Oftmals ist es jedoch so, dass der Satellit nicht gänzlich Loslassen kann/will. Vielleicht sogar die Tür auf ein Comeback einen spaltbreit offenhalten möchte, die Möglichkeit auf einen erneuten Kontaktversuch im Bereich des Möglichen zu lassen. Mit einem Wort: Unsicherheit.

Als Betroffene*r befreie Dich als erstes von den quälenden Fragen, was das Spielchen soll. Ewiges Analysieren, Interpretieren und Rätselraten sind ein Energie-Vampir. Eine konkrete Antwort wirst Du womöglich nie erhalten. Wenn es Dich nicht stört, ignoriere es einfach und hoffe, dass das Interesse irgendwann versiegt. Fall doch: Blockiere ihn*sie einfach. Wer sich feige aus Deinem Leben stiehlt, muss auch nicht ständig wissen können, wo Du gerade bist und was Du (mit wem) so tust.


Benching – hallo, Ersatzbank!

Benching bedeutet, jemanden auf der Ersatzbank zu platzieren. Betroffene sitzen stets am Spielfeldrand und warten darauf, eingewechselt zu werden. Sie sind der*die Ersatzspieler*in. Es ist das klassische „Warmhalten“ oder „jemanden am Haken haben“. Eine*r ist verliebt, hofft und will mehr, für eine*n andere*r ist es lediglich bequem, jederzeit auf diese Person – bei Langeweile oder Lust auf Sex – zurückgreifen zu können. Ein ernsthaftes Interesse besteht jedoch nicht. Beim Benching ist ein klares Machtgefälle zwischen den Beteiligten erkennbar.

Benching ist unverbindlich. Es wird keine Entscheidung getroffen, alle Türen werden sich offen gehalten und das Beziehungskonstrukt fußt auf der Hoffnung auf Besserung. Und diese stirbt ja bekanntlich zuletzt… Auf Dauer ist dieses Spiel einfach nur grausam und schmerzvoll. Wer dem entkommen möchte, sollte als Bencher einsehen, dass er sich falsch verhält und jemanden sehr leiden lässt. Triff eine Entscheidung! Als Benching-Opfer solltest Du Dich fragen, ob Du Dein Herz nicht doch lieber jemandem öffnen möchtest, der es auch verdient und für den Du die Nummer eins bist.


Breadcrumbing: Hänsel & Gretel lassen grüßen

Auch Breadcrumbing ist eine Form des Warmhaltens. Im Gegensatz zum Benching wird hier jedoch wirklich und aktiv geflirtet. Dem Opfer werden immer wieder Brotkrümel (daher der Begriff) zum Anfüttern hingeworfen. Es werden also bewusst falsche Hoffnungen bei dem Gegenüber geweckt durch süße Nachrichten, wie „Musste eben an Dich denken!“, Komplimente und (falsche) Versprechungen auf ein Treffen – nur, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Wirklich nahe kommt man sich dennoch nicht. Fordert der*die andere nämlich das versprochene Date oder etwas anderes ein, ist plötzlich Ruhe im Karton. Bis die nächste Spur aus Brotkrumen gestreut wird… Das Ziel ist hier der Weg – zumindest für den Breadcrumber. Einfach nur ätzend.


Stashing: die „heimliche Affäre“

Stashing ist der Dating-Tiefpunkt. Übersetzt bedeutet der englische Begriff etwa „verstauen“ oder „verschwinden lassen“. Das Ganze beginnt völlig entspannt und normal: Dating, Spaß, Sex, romantische Abende, vielleicht sogar ein kleiner Wochenendausflug… Und dann kommt der Haken: Ihr kommt nicht voran. Die Treffen finden zumeist beim Stashing-Opfer zu Hause statt. Einblicke ins Privatleben der*des anderen gibt es kaum. Freundeskreis oder Eltern kennenlernen? Fehlanzeige! Ein gemeinsames Foto auf Instagram? Auf gar keinen Fall! Sicher wird es immer Erklärungen aka Ausreden geben, die anfangs alle noch glaubwürdig erscheinen. Doch hält dieser Zustand an, solltest Du das Ganze hinterfragen.

Der Stasher versteckt seine*n Date-Partner*in, um sich immer alle Türen offenzuhalten. Stashing ist unverbindlich und das soll es auch bleiben. Denn ein Stasher hat oft Angst oder möchte sich einfach nicht binden. Bei einer plötzlichen Trennung würde niemand unbequeme Fragen stellen – denn niemand hat Euch ja je zusammen gesehen. Motto: Niemand weiß von der Beziehung, also ist es keine.

Stashing ist der buchstäbliche Schrecken ohne Ende. Da lobt man sich ja fast (!) das Ghosting: Schmerzhaft aber endgültig. Jetzt zählt: Hirn statt Herz. Anderenfalls wird dauerhaftes Stashing an Deinem Selbstwertgefühl nagen. Erkennst Du die Situation, solltest Du handeln. Mach Dir klar, dass Du zu gut bist, um versteckt zu werden. Du verdienst jemanden, der*die Dich stolz seinen Freunden präsentiert und Eure Beziehung am liebsten lauthals von den Dächern schreien möchte.


Caspering – der Lichtblick

Caspering statt Ghosting

All die vorangegangenen Trends werfen ein ziemlich schlechtes Licht aufs Dating bzw. aufs  Schlussmachen – respektlos, feige, verletzend. Doch es gibt noch Hoffnung: Caspering. Benannt nach dem freundlichen Geist Casper, zeigt dieses Dating-Phänomen, dass es auch noch anständige Wege gibt, jemandem einen Korb zu geben. Caspering ist die nette Art Schluss zu machen.

Natürlich ist es nie schön, abgewiesen zu werden, aber wenn es auf ehrliche und liebevolle Art geschieht, ist es leichter zu verkraften. „Es war eine tolle Zeit mit Dir. Du bist ein toller Mensch, aber es hat einfach nicht gefunkt. Tut mir sehr leid.“ – statt einfach die Biege zu machen, wie beim Ghosting, verabschiedet man sich mit einer eindeutigen, aber höflichen, fairen und respektvollen Nachricht.

 

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