Sex nach der Schwangerschaft – neue Intimität

Beim Sex nach Schwangerschaft die Intimität neu entdecken

…und plötzlich steht alles Kopf. Ein Kind zu bekommen ist ein überwältigendes Erlebnis. Aus trauter Zweisamkeit wird eine Familie. Das neue Leben als Eltern bringt große Veränderungen mit sich – und die gehen auch am Liebesleben nicht spurlos vorbei. Bei den meisten Paaren tritt Erotik und Sex nach Schwangerschaft in den Hintergrund. Anderes ist jetzt eben wichtiger. Kein Grund zur Sorge, denn die Intimität kann gemeinsam neu entdeckt werden. Hier findet Ihr einige Tipps und Ratschläge, wie der Spagat zwischen Bett und Wickeltisch gelingt. 

Sex nach der Schwangerschaft – Intimität neu entdecken

Der Körper hat die Strapazen der Entbindung überwunden, hat sich gut erholt und die Geburtsverletzungen sind verheilt – rein anatomisch steht dem Sex der Eltern schon wenige Wochen nach einer Spontangeburt eigentlich nichts mehr im Wege. Eigentlich…

Nicht nur der Körper der Frau hat mit einer Schwangerschaft Veränderungen mitgemacht – auch die Lebensumstände frischgebackener Eltern haben sich komplett gewandelt. Oft sind sie verunsichert und besorgt, ob sie alles richtig machen, haben mit Schlafmangel, Erschöpfung und hormonbedingtem Gefühlschaos zu kämpfen und sind nicht selten schlichtweg überfordert. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass der Nachwuchs immer in der Nähe ist. An Sex ist in dieser Zeit nur bei den wenigsten Paaren zu denken. Bevor über diesen Umstand Beziehungsprobleme aufkommen, sollten Eltern miteinander reden – über sich, ihre Bedürfnisse und Wünsche, wie auch über ihre Unsicherheiten und Bedenken. Sich als Eltern neu zu finden, ohne sich als Paar zu verlieren, ist eine Herausforderung. 

Fühlt Du Dich noch nicht wieder bereit für Sex oder bist unsicher wegen des After-Baby-Bodys? Viele Mütter empfinden so und auch frischgebackene Väter haben nicht selten Berührungsängste. Das Wichtigste ist, diese Gedanken nicht vom Partner fernzuhalten, sondern sie zu teilen. So kann eventuelle Zurückweisung verstanden und auf Bedürfnisse eingegangen werden. Um solche Missverständnisse von vornherein zu vermeiden, ist Kommunikation das A und O. Eine sexlose Zeit in einer Beziehung ist überhaupt kein Grund zur Sorge – solange beide Partner wissen, was dahinter steckt.

Hohe Erwartungen an „das erste Mal danach”

Sind wir mal ganz ehrlich: Der erste Sex nach der Schwangerschaft wird wahrscheinlich nicht der beste sein. Bleierne Müdigkeit, Zeitmangel und ein Ohr immer beim Baby – das kann die Leidenschaft beim „zweiten ersten Mal” ausbremsen. Macht aber nichts! Paare sollten ihre Erwartungen nicht zu hoch stecken, sondern es einfach auf sich zukommen lassen und sich langsam rantasten. Möglicherweise haben sich die eigenen oder die Bedürfnisse des Partners geändert – eine gute Gelegenheit, sich wieder neu zu entdecken.

Ein Weg, dieser neuen Unsicherheit zu begegnen, ist Humor. Sex ist keine bitterernste Sache. Sex kann auch mal lustig oder sogar richtig albern sein und im besten Fall können Ängste einfach weggelacht werden. In jedem Neuanfang steckt außerdem die Möglichkeit, dass alles noch besser wird. Also nicht verzagen, falls das erste Mal nach der Schwangerschaft etwas holprig wird – guter Sex braucht Zeit.

Partnermassage: Das ideale Vorspiel

Eine Möglichkeit, sich für den ersten Sex nach der Schwangerschaft wieder näher zu kommen, ohne gleich zur Sache zu kommen, ist eine wohltuende Partnermassage. Sie entspannt Körper und Geist und ist zudem ein ideales Vorspiel, das Intimität schafft. Beginnt zunächst mit einer sanften Kopfmassage, damit löst Ihr die Verspannungen und den Stress der Woche. Krault sanft den Kopf und massiert mit leichtem Druck der Fingerspitzen die Schläfen. Danach wandert Ihr langsam zum Hals und Nacken, sowie den Rücken Eures Partners herunter. Als Einstieg zur Massage des Rückens oder einer anderen Körperregion verteilt Massageöl mit sanftem Streichen über die zu massierende Körperstelle. Übt dabei nur leicht Druck aus mit streichenden Bewegungen.

Massage Starter Set

Anschließend könnt Ihr beginnen, die Muskulatur zu kneten, um tiefliegende Verspannungen zu lösen. Dabei werden die Haut und die Muskulatur zwischen die Finger oder die Hände genommen und geknetet. Wechselt das Kneten mit kleinen, kreisenden Bewegungen ab, um Verhärtungen noch eindringlicher behandeln zu können. Eine bessere Durchblutung der Haut könnt Ihr durch klopfende Bewegungen erreichen. Einfach mit den Fingern, der flachen Hand oder Handkante in kurzen und schnellen Bewegungen über die zu massierende Stelle gehen. Das lockert die Region zusätzlich und entspannt die Muskeln. Tipp: Den gleichen Effekt erlangt Ihr auch bei einer Hot-Stone-Massage. Dazu könnt Ihr beispielsweise einen Massagestein erwärmen und damit sanften Druck auf die Verspannungen ausüben. 

Fragen & Antworten zu Sex nach der Schwangerschaft

Nach der Geburt eines Kindes kämpfen viele Frauen aber auch Männer mit Unsicherheiten und stellen sich allerhand Fragen zum Sex nach der Schwangerschaft. Wir haben Antworten und ein paar Tipps für Euch.

Ab wann darf ich wieder Sex haben?

Mit Sex nach der Schwangerschaft muss man nicht eine bestimmte Anzahl an Wochen abwarten. Sechs Wochen ist allerdings die übliche Zeitspanne, die der weibliche Körper benötigt, um sich von der Geburt zu regenerieren. Fühlen sich beide Partner vorher bereit und empfinden Lust, spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen. Entgegen aller Gerüchte können Paare auch trotz Wochenfluss Sex haben. Hauptsache ist, Ihr setzt Euch nicht unter Druck – bei vielen Eltern kommt das Verlangen erst nach einigen Monaten zurück.

Tut es weh?

Viele Frauen fürchten den ersten Sex nach der Schwangerschaft nach der Geburt aus Angst, Schmerzen zu haben. Hat sich die Gebärmutter zurückgebildet, sind die Schwellungen abgeklungen, die Wunden bzw. Nähte vom Dammriss oder -schnitt gut verheilt und ist der Partner einfühlsam, sind keine Schmerzen zu befürchten. Allerdings leiden viele Frauen unter Scheidentrockenheit nach der Geburt. Durch das Stillen ist der Östrogenspiegel im Blut niedriger als gewöhnlich, was sich auf die Sekretbildung in der Vagina auswirken kann. Das heißt, dass die Vagina nach einer Schwangerschaft oftmals nicht so schnell und umfangreich feucht wird wie zuvor. Dagegen helfen Gleitgel, Geduld und ein intensives Vorspiel.

Für den ersten Geschlechtsverkehr nach der Geburt eignen sich Stellungen wie das Löffelchen, bei denen der Mann nicht zu tief eindringt. Auch die Reiterstellung, bei der die Frau die Tiefe und Intensität des Eindringens bestimmt, ist gut geeignet. Und wer sagt, dass es gleich wieder Geschlechtsverkehr sein muss? Wie wäre es erstmal ausschließlich mit manueller Stimulation der Klitoris oder Oralsex?

Findet er mich noch attraktiv?

Der Bauch ist noch schlaff, Schwangerschaftsstreifen sichtbar und die zusätzlichen Baby-Kilo noch nicht runter. Männer stören diese körperlichen Veränderungen der Frau oft überhaupt nicht. Im Gegenteil, oft sie wahnsinnig stolz auf das, was die Mutter ihres Kindes leistet und das macht sie anziehend. Das Problem ist die eigene Unzufriedenheit, die der Lust im Wege stehen kann.

Dein Körper liebt Dich,
liebe ihn zurück.

Gerade das erste Mal nach der Geburt muss nicht in gleißendem Licht stattfinden, falls Dich das verunsichert und davon abbringt, Dich fallen zu lassen. Auch hübsche Dessous statt dem üblichen Still-BH und ein Spritzer Parfum sind ein tolles Mittel – nicht nur, um den Partner zu betören, sondern vor allem um sich selbst (wieder) begehrenswert und sexy zu fühlen.

Wie verändert sich die Vagina nach der Geburt?

Die Vagina vollbringt bei einer natürlichen Geburt Höchstleistungen – vor allem, weil sie sich innerhalb kürzester Zeit ausdehnt, aber auch schnell wieder erholt. Direkt nach einer Entbindung ist sie tatsächlich geweitet, bildet sich aber auch ebenso wieder zurück. Schon einige Stunden nach der Geburt zieht sie sich wie ein elastisches Band wieder zusammen und spätestens sechs Wochen danach ist es nicht mehr vorstellbar, wie jemals ein Baby durchgepasst haben soll. Die weit verbreitete Befürchtung, die Scheide sei nun „ausgeleiert” oder nicht mehr „eng genug”, ist unbegründet.  Rückbildungsgymnastik und gezieltes Beckenbodentraining – z. B. mit Liebeskugeln – unterstützen diesen Vorgang. Frauen müssen also nicht befürchten, ihre Empfindsamkeit beim Sex zu verlieren und auch Männer sehen oder spüren nur selten überhaupt einen Unterschied.

Wie findet man die Zeit für Sex?

Zeit hat man nicht einfach, man nimmt sie sich. Schaufelt Euch bewusst etwas Zeit für Zweisamkeit frei. Freunde, Babysitter oder die Großeltern sind sicherlich gern behilflich – manchmal reicht schon eine kleine Unterstützung im Haushalt oder eine kinderfreie Stunde. Man sollte sie nur besser nutzen, als lästige Dinge zu erledigen. Die Wäsche kann auch später noch gewaschen werden. Es bringt außerdem nichts, dem alten Sexleben hinterherzutrauern. Man kann zwar mit einem Kind nicht mehr so spontan sein, aber das heißt nicht, dass es dadurch langweilig sein muss. Schon ein gemeinsames Date zu planen, weckt die Vorfreude und kann schon damit allein Vorspiel sein.

Verhütung nach der Schwangerschaft

Verhütung beim Sex nach der Schwangerschaft

Der Irrglaube, dass stillende Frauen nicht schwanger werden können, ist leider noch immer weit verbreitet. Das Resultat könnte ein kleines Geschwisterchen sein – und zwar viel früher als vielleicht geplant. Stillen ist kein Verhütungsmittel, auch wenn dadurch die Produktion des Hormons Prolaktin angeregt wird, welches die Eizellreifung und den Eisprung hemmt. Aber schon wenn zwischen zwei Stillmahlzeiten mehr als 4 Stunden liegen, reicht der Prolaktinspiegel nicht mehr aus, um den Eisprung zu unterdrücken.

Auch wenn bei Frauen die Periode nach der Entbindung noch nicht wieder eingesetzt hat, ist eine Schwangerschaft möglich. Der Eisprung findet vor der Monatsblutung statt. So kann es sein, dass eine Eizelle befruchtet wird, bevor überhaupt die erste Regelblutung wieder da war.

Viele Frauen wollen nach einer Schwangerschaft (erstmal) nicht hormonell verhüten. Das schließt schon eine Vielzahl von Verhütungsmethoden aus. Die Minipille allerdings ist auch während der Stillzeit für den Empfängnisschutz geeignet, da sie kein Östrogen enthält, was die Milchmenge vermindern und die Zusammensetzung der Muttermilch verändern kann. Man bezeichnet sie daher auch als „Stillpille“. Außerdem bieten natürlich die guten alten Kondome sicheren und einfachen Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft. Von der sogenannten natürlichen Familienplanung (NFP) ist erstmal abzuraten, da der Zyklus oftmals noch nicht regelmäßig ist.

Habt Ihr ähnliches erlebt oder Tipps und Ratschläge für andere Eltern? Erzählt in den Kommentaren Eure Geschichte – wir sind gespannt!

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