Sex nach Plan: Date Nights retteten mein Liebesleben

Mit Sex nach Plan zu einem besseren Liebesleben?

„Habt ihr Probleme?“, fragt mich S. mit ernstem Gesichtsausdruck. „Nein, überhaupt nicht“, sage ich und habe das Gefühl, dass sie mir nicht glaubt. „Aber Sex nach Plan klingt für mich mega unromantisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut für eine Beziehung ist“, sagt sie und sieht mich besorgt an. Gerade will ich anfangen mich zu erklären, schon werde ich von meiner besten Freundin unterbrochen: „Ich könnte das nicht, Sex soll doch spontan und leidenschaftlich sein und nicht so langweilig durchgeplant.“ „Klar“, denke ich „Du bist ja auch erst ein halbes Jahr mit deinem Freund zusammen, da ist noch alles frisch und wild…“

Ich habe keine Zeit für Sex

Ich will es Euch erklären. Seit viereinhalb Jahren bin ich mit meinem Freund zusammen – und glücklich. Wir wohnen in Berlin, haben beide gute Jobs, die wir lieben und die uns fordern. Mein Freund ist nebenbei noch ein regelrechter Fitness-Junkie und geht etwa drei bis viermal die Woche zum Sport.

Ich bin mehr so der Drinnen-Typ. Ich lese gern und viel und bin süchtig nach Serien. Außerdem habe ich einen ziemlich großen Freundeskreis, der einiges an Zeit verschlingt. Denn so ein Mädelsabend dauert meistens die ganze Nacht lang, auch wenn wir uns nur auf ein Abendessen treffen wollten. Dann gibt es da natürlich noch die Familie. Oft werde ich von meiner alleinerziehenden Schwester gebeten, auf meine sechsjährige Nichte aufzupassen. Natürlich springe ich auch da gern ein. Die Kleine ist wirklich goldig.

Leider hat ein Tag aber nun mal nicht mehr als 24 Stunden und hin und wieder muss auch mal die Wohnung geputzt und eingekauft werden. Zack, wieder eine Woche rum. Und noch eine. Und plötzlich wird mir bewusst, dass wir schon wieder keinen Sex hatten. Ups.

Kommt Euch das bekannt vor?

Ich will ja Sex, aber…

Der Sex mit meinem Freund ist toll. Mit ihm erlebe ich unglaubliche Orgasmen und kann mich richtig fallenlassen. Wir haben am Anfang auch so einiges ausprobiert, uns mal an Bondage-Spiele gewagt und Sexspielzeug gekauft. Ich bin ein großer Fan von einem langen und ausgiebigen Vorspiel, dann komme ich so richtig in Fahrt. Leider ist dafür in den letzten Monaten kaum noch Zeit – oder sagen wir Energie – übrig geblieben. Nach einem Arbeitstag sind wir beide zu müde für Sex und am Wochenende gibt es so viele andere Termine: Familienfeiern, Geburtstage, Hochzeiten… Ich will mir gar nicht ausmalen, wie das ist, wenn wir mal Kinder haben.

Neulich, an einem Freitagabend, langen wir völlig erschöpft nebeneinander auf der Couch und haben Narcos geguckt. Bei einer leidenschaftlichen Sexszene fühlte ich mich plötzlich ganz schlecht, weil wir das schon so lange nicht mehr hatten. Sex schon, aber nur hier und da einen Quickie. Wenig romantisch, kurzes Vorspiel und natürlich im Bett statt – wie in der Serie – stehend an der Wand. Ich fühlte mich, als hätte man mir einen Spiegel vorgehalten: Ihr liegt da faul auf der Couch statt wild zu vögeln. Was ist nur los mit euch?

Sex nach Plan – die Lösung?!

Ich wollte etwas ändern, sah meinen Freund an, der wahrscheinlich gerade dasselbe dachte, und wurde etwas traurig. „Früher war das bei uns auch so“, sagte ich. „Ich weiß“, antwortete er und küsste meinen Kopf. „Stimmt was nicht bei uns?“, fragte ich vorsichtig. „Überhaupt nicht, uns fehlt nur die Zeit dafür“, sagte er mit einem schuldbewussten Unterton und tat mir richtig leid.

„Naja, Zeit kann man sich nehmen“, erklärte ich. Er sah mich an und wartete, was ich jetzt noch hinzufügen würde. „Wie wäre es mit Sex-Dates?“, fragte ich mit einem Lachen. „Sex nach Plan? Wie soll das gehen? Der Wecker klingelt und wir legen los?“. „Warum nicht?“, gab ich zurück. Wir redeten noch eine ganze Weile und beschlossen, es einfach zu versuchen.

Wir haben uns den Mittwoch ausgesucht. Aber nicht nur Sex nach Plan, auch ein schönes Date sollte es sein. Also beschlossen wir, demnächst jeden Mittwoch gemeinsam etwas Schönes zu unternehmen und anschließend (oder währenddessen) Sex zu haben. Übrigens: Wir hatten auch nach diesem Gespräch schon Sex. Irgendwie hat schon das Reden darüber gereicht, um mal wieder in Stimmung zu kommen.


Sex nach Plan: Unsere Regeln

  1. Mittwochabend ist Date Night – ohne Wenn und Aber
  2. Bei Krankheit wird das Sex-Date verschoben, nicht gestrichen
  3. Kein WhatsApp, Instagram & Co. – das Handy kommt weg!
  4. Keine Gespräche über die Arbeit, wir reden nur über uns

…Und wie läuft’s so?

Richtig gut. Seit etwa zwei Monaten machen wir das jetzt schon. Der Mittwochabend gehört nur noch uns beiden und ich freue mich schon jeden Montagmorgen (irks!) auf Mittwochabend. Meistens gehen wir uns Kino, ins Restaurant (gern auch Fast Food) oder machen einen langen Spaziergang. Es ist herrlich entspannt, denn wir haben alles Störende schon im Vorfeld wegorganisiert. Kein Babysitting, keine Anrufe von meiner Mutter, keine Überstunden.

Da ich weiß, dass ich an diesem Tag Sex haben werde, bereite ich mich schon morgens intensiv darauf vor. Ich dusche extra lange, lege mein Lieblingsparfüm auf, rasiere mich und suche zur Abwechslung mal einen hübschen BH raus, der sogar zum Slip passt. Ich tue alles, um mich abends möglichst wohl in meiner Haut zu fühlen.

Auch bei ihm merke ich eine Veränderung. Mein Freund liebt Döner. Er könnte das Zeug beinahe täglich essen, lässt es aber an unserem gemeinsamen Mittwoch respektvoll sein, weil er weiß, dass ich nicht so auf Zwiebel-Knoblauch-Fleisch-Atem beim Knutschen stehe. Und er kauft mir Schokolade, weil er weiß, dass ich nach dem Sex gerne nasche.

…und in der Kiste?

Da wir uns wieder viel mehr Zeit füreinander nehmen, hat sich auch der Sex zum Positiven verändert. Wir haben zwar Sex nach Plan, aber im Bett ist es spontaner als zuvor. Klingt erstmal merkwürdig, aber es stimmt. Ich glaube es liegt daran, dass wir uns wieder viel mehr Mühe geben und wirklich bei der Sache sind. Wir sind konzentrierter, es gibt keine Ablenkung oder Sorgen an diesem Tag. Es gibt auch wieder Raum für Ideen und Energie für Neues. Ich habe meinen Freund neulich zur Einstimmung ausgiebig massiert und es hat mir richtig Spaß gemacht, weil er es so genossen hat. Sonst lief das immer so ab: „Oah, ich bin ganz verspannt, massierst du mich mal?“ „Klar.“ Knet. Knet. „Puh, mir tun die Finger weh. Fertig“.

Das Sexspielzeug (wir lieben Penisringe mit Vibration), das schon seit Jahren in der Schublade verstaubt, wurde auch wieder hervorgekramt. Es liegt jetzt am Mittwoch immer – frisch aufgeladen – bereit zum Einsatz neben dem Bett. Wir haben wieder mehrmals Sex hintereinander, beim zweiten Mal am liebsten unter der Dusche. Und das Beste: Ich hab wieder so richtig Lust auf ihn. Mich treibt nicht das schlechte Gewissen – „Wir sollten echt mal wieder Sex haben“ – an, sondern die Vorfreude. Und er.


S. hat bereits ihren dritten Kaffee getrunken und starrt mich mit großen Augen an. Schließlich sagt sie: „Ich geb’s ja ungern zu, aber das klingt irgendwie echt romantisch.“ „Ha!“, denke ich, grinse meiner Freundin zu und freue mich einmal mehr über meine geniale Sex-Idee. 

 

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