Als Mara ihn zwischen den Rebzeilen wiedersah, hielt sie die Leseschere fest umklammert. Diesen Moment hatte sie gefürchtet – drei Jahre waren vergangen, seit sie das letzte Mal bei der Weinlese ihrer Eltern geholfen hatte. Drei Jahre, in denen sie sich nicht gesehen, gehört und berührt hatten.
Jakob stand einige Rebstöcke weiter, eine leere Lesekiste unter dem Arm. Sein Haar war kürzer als damals, seine Schultern wirkten breiter. Nur die Art, wie er sie ansah, hatte sich nicht verändert: Ruhig, aufmerksam und ein wenig zu lange schaute er zu ihr herüber.
„Du bist also doch gekommen“, sagte er.
Mara setzte die Schere an den Stiel. „Ich hatte zugesagt.“
„Das hat Dich früher nicht aufgehalten, andere Pläne zu machen.“
Der Schnitt ging daneben. Eine einzelne Beere platzte zwischen ihren Fingern und hinterließ klebrigen Saft auf ihrer Haut.
„Fangen wir gleich so an?“
„Wir haben drei Jahre verloren. Ich dachte, wir sparen diesmal Zeit.“
Bevor sie antworten konnte, stellte Jakob die Kiste zwischen ihnen ab. „Die hier nur halb voll machen. Sonst werden die Trauben unten zerdrückt.“
„Ich weiß noch, wie eine Weinlese funktioniert.“
„Gut.“ Sein Blick glitt zu ihrer Hand. „Dann muss ich Dir das nicht noch einmal beibringen.“
Er ging weiter, als hätte er nichts gesagt. Mara sah ihm nach und ärgerte sich darüber, wie schnell ihr Körper sich an ihn erinnerte. Sie spürte den Adrenalinrausch, auch zwischen ihren Beinen.
Arbeit in derselben Rebzeile
Die Sonne stand inzwischen hoch genug, um den belebten Weinberg in ein gleißendes Licht zu tauchen. Überall raschelten Blätter, Eimer wurden geleert. Der Duft reifer Trauben mischte sich mit dem von trockener Erde und dem Gras zwischen den Zeilen.
Mara kniete vor einem Rebstock und hob die Blätter an. Die Trauben hingen dicht und schwer darunter. Sie schnitt eine nach der anderen ab, prüfte das Lesegut und entfernte beschädigte Beeren. Als sie sich aufrichtete, stand Jakob direkt hinter ihr.
„Lass mich vorbei“, sagte er.
„Die nächste Zeile ist frei.“
„Aber meine Kiste steht hier.“
Er legte eine Hand an ihre Hüfte und schob sich hinter ihr entlang. Es war kaum mehr als eine flüchtige Berührung. Trotzdem spürte sie jeden einzelnen Finger durch den dünnen Stoff ihres Shirts.
„Absicht?“, fragte sie, ohne sich umzudrehen.
Sein Atem streifte ihren Nacken. „Du warst im Weg.“
„Natürlich.“
„Du könntest Dich beschweren.“
„Bei wem? Dem Kellermeister?“, fragte sie ungläubig.
„Weiß Dein Vater immer noch nicht, dass wir uns gut … kennen?“
Jetzt wandte sie sich zu ihm. Zwischen ihnen war kaum Platz. Auf Jakobs Unterarm glänzte eine Spur aus Staub und Traubensaft. Mara wusste noch genau, wie sich diese Arme angefühlt hatten, wenn er sie hochhob. Wie leicht es ihm gefallen war, sie festzuhalten.
„Was willst Du von mir?“, flüsterte sie.
„Dass Du nicht noch einmal einfach so aus meinem Leben verschwindest.“
Auch sein Ton war leise geworden. Mara senkte den Blick und griff nach ihrem Eimer.
„Wir sollten weiterarbeiten.“
„Ja“, sagte Jakob. „Das sollten wir.“
„Deine Jacke ist noch oben in der Hütte“
Am Abend brachten sie die letzten Lesekisten zum Weingut. Ihre Schultern schmerzten, an ihren Knien klebte Erde und ihre Finger waren dunkel verfärbt. Im Hof wurden lange Tische aufgestellt. Es gab Brot, Käse, Zwiebelkuchen und den ersten Federweißer der Saison. Jemand schaltete Musik ein. Mit jedem Glas wurden die Stimmen lauter und das Lachen ausgelassener.
Mara saß zwischen ihrem Bruder und einer Nachbarin, doch sie spürte Jakob auf der anderen Seite des Tisches, ohne hinsehen zu müssen. Manchmal trafen sich ihre Blicke über den Gläsern. Keiner von beiden lächelte.
Erst als die Dämmerung längst über den Weinbergen lag, trat er neben sie.
„Deine Jacke ist noch oben in der Hütte.“
Mara sah auf den Stuhl neben sich. Tatsächlich war er leer.
„Woher weißt Du das?“
„Weil ich sie dort hingelegt habe.“
„Warum?“
„Damit Du mitkommst.“
So unverhohlen war er früher nie gewesen. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb sie aufstand und mit ihm ging. Sie trabten schweigend den Hang hinauf. Hinter ihnen wurden die Stimmen leiser, bis nur noch das Knirschen ihrer Schritte und das Rascheln der Reben zu hören waren. Die Luft war kühl geworden.
Die Weinberghütte stand am höchsten Punkt des Hangs. Jakob öffnete die Tür und schaltete eine kleine Lampe an. Ihr warmes Licht fiel auf eine schmale Holzbank, ein Regal mit alten Gläsern und Maras Jacke, die über einer Stuhllehne hing. Sie nahm sie nicht.
„Du hast mich hergelockt“, sagte sie.
Jakob blieb an der Tür stehen. Er kam nicht näher, bis Mara selbst einen Schritt auf ihn zuging.
„Warum bist Du damals gegangen?“, fragte er.
„Weil Du mich nie gebeten hast zu bleiben.“
„Du hattest den Koffer schon gepackt, als ich von Deinen Umzugsplänen erfahren habe.“
„Ich wollte, dass Du es trotzdem tust.“
Er lachte kurz auf, aber es lag nichts Fröhliches darin. „Ich wollte nicht der Mann sein, der Dich von Deinem Leben abhält.“
„Und ich wollte nicht die Frau sein, die um einen Platz in Deinem bettelt.“
Für einige Sekunden sahen sie einander nur an.
„Wir waren ziemlich dumm“, sagte er schließlich.
Mara wollte etwas erwidern, doch Jakob hob die Hand. Seine Finger strichen über ihre Wange. Sie legte ihre Hand um sein Handgelenk.
„Wenn ich Dich jetzt küsse“, sagte er, „will ich nicht wieder raten müssen, was Du möchtest.“
Ihr Puls schlug hart gegen seine Finger: „Dann frag.“
Sein Blick fiel auf ihren Mund. „Darf ich Dich küssen?“
Seine Haut war heiß, die Muskeln darunter angespannt
Er ließ sich Zeit. Sein erster Kuss war weich, beinahe prüfend. Erst als Mara seine Jacke packte und ihn näher zog, öffnete er die Lippen. Seine Zunge strich über ihre, langsam und warm.
Jakob drängte sie nicht. Er hielt eine Hand an ihrem Nacken, die andere ruhte an ihrer Taille. Mara spürte die Wärme seiner Finger durch das Shirt. Sie schob ihre Hände darunter und fuhr über seinen Rücken. Seine Haut war heiß, die Muskeln darunter angespannt.
„Du riechst sexy“, murmelte er an ihrem Hals.
Sein Mund glitt darüber und er biss sanft in die empfindliche Haut unter ihrem Ohr. Mara sog scharf die Luft ein und zog ihm das Shirt über den Kopf. Für einen Augenblick betrachtete sie ihn im gedämpften Licht: die Brust, die dunklen Haare darauf, die schmale Narbe an seiner Seite. Dann strich sie mit den Fingerspitzen darüber – noch wie damals.
Mara küsste ihn wieder. Diesmal gab es nichts Zögerndes mehr daran. Jakob schob ihr Shirt hoch und wartete, bis sie die Arme hob. Seine Hände glitten über ihre nackte Taille, ihren Rücken, hinauf zu ihren Brüsten. Als seine Daumen über ihre harten Brustwarzen strichen, entwich ihr ein leises Stöhnen.
„Das habe ich vermisst“, sagte er. „Dieses Geräusch.“
Sie schlug ihm spielerisch gegen die Schulter. Er fing ihre Hand ab, führte sie an seinen Mund und küsste ihre Finger. An einer haftete noch der süße Geschmack der Trauben. Seine Zunge strich darüber, und Mara spürte die Hitze zwischen ihren Schenkeln.
„Jakob.“
Er sah sie an. „Was möchtest Du?“
Mara nahm seine Hand und führte sie zum Bund ihrer Jeans. „Dass Du mich nicht länger teast.“
Diese Worte hatte er herbeigesehnt. Er fand den Knopf ihrer Hose, ohne den Blick von ihr zu lösen. Seine Finger glitten unter den Stoff, erst über ihren Bauch, dann tiefer. Als er ihre feuchte Vulva berührte, musste sie sich an seinen Schultern festhalten.
„Du weißt genau, wie.“
„Ich weiß, wie es früher war.“
Seine Finger strichen langsam zwischen ihren Lippen entlang. Mara legte ihre Hand über seine und führte sie dorthin, wo sie ihn am stärksten spüren wollte. Jakob begann, ihre Klitoris in langsamen Kreisen zu streicheln. Genau in dem Rhythmus, den sie ihm vorgab. Ihr Atem ging schneller. Sie schob die Jeans über ihren Po und er sank vor ihr auf die Knie.
Sein Mund folgte seinen Fingern. Mara lehnte sich gegen die Holzwand. Seine Zunge glitt über ihre Klitoris, erst sanft, dann mit festerem Druck. Ihre Finger vergruben sich in seinem Haar. Sie versuchte, leise zu bleiben, doch als er zwei Finger in sie gleiten ließ, brach ein Stöhnen aus ihr heraus.
„Nicht aufhören“, flüsterte sie.
Jakob antwortete nicht.
Die Spannung zog sich in ihrem Unterleib immer enger zusammen. Einen Fuß hatte sie inzwischen auf die kleine Holzbank gestellt. Sie bewegte ihre Hüften gegen seinen Mund, schneller, fordernder. Jakob packte sie zugleich fester am Po, als wolle er sichergehen, dass sich beide nicht voneinander lösen können, bevor die große Erlösung kam. Mara schaute an sich herunter – seinen Mund so hingebungsvoll lecken zu sehen, gab ihr den Rest. Ihr ganzer Körper bebte, als die Lust sie schließlich durchschüttelte.
Danach blieb er noch einen Moment vor ihr knien. Er küsste die Innenseite ihres Oberschenkels und sah zu ihr auf. Mara zog ihn hoch.
„Du warst Dir Deiner Sache ziemlich sicher“
Sie ließ sich Zeit, um wieder zu sich zu finden. Für einen langen Moment hielten sie sich nur im Arm. Dann öffnete Mara seinen Gürtel und schob die Hand in seine Hose. Sein Penis war noch immer hart und heiß. Sie strich mit der Hand über seinen Schaft und beobachtete unverhohlen, wie sich sein Gesicht veränderte. Dann holte Jakob eine Decke aus dem Regal und breitete sie auf der Bank aus. Aus seiner Jackentasche nahm er ein Kondom.
Mara hob eine Augenbraue. „Du warst Dir Deiner Sache ziemlich sicher.“
„Ich war hoffnungsvoll.“
Sie lachte, zog ihn zu sich und küsste ihn, während er das Kondom überstreifte. Dann legte sie sich zurück und zog ihn zwischen ihre Schenkel.
„Sag es“, bat er.
Mara sah ihm direkt in die Augen. „Ich will Dich.“
Er drang langsam in sie ein. Sie schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn tiefer. Für einen Moment bewegten sie sich kaum. Sie spürte sein Gewicht, seinen Atem an ihrem Mund und das volle, vertraute Gefühl in ihrem Körper.
Dann begann er, seine Hüften zu bewegen.
Die Holzbank knarrte unter ihnen. Von draußen am Hang drangen gedämpfte Musik und Gelächter herauf, doch in der Hütte gab es nur Jakobs Hände, seinen Mund und den Rhythmus, mit dem er immer wieder in sie stieß. Mara hob ihm die Hüften entgegen. Sie küsste seinen Hals, biss in seine Schulter und genoss das raue Geräusch, das ihm dabei entkam.
„Härter“, flüsterte sie.
Jakob folgte ihrer Bitte. Seine Stöße wurden tiefer, schneller. Er schob eine Hand zwischen ihre Körper und strich erneut über ihre Klitoris. Erst sachte, dann, als Mara sich an das Gefühl gewöhnt hatte, immer fester. Mara klammerte sich an ihm fest, bis sie ein zweites Mal kam. Diesmal vergrub sie das Gesicht an seinem Hals, um ihren Schrei zu dämpfen.
Kurz darauf spannte sich sein Körper über ihr an. Er stöhnte ihren Namen und blieb schwer atmend auf ihr liegen.
Eine Weile sagte keiner etwas
Draußen fuhr der Wind durch die Rebzeilen. Ein paar trockene Blätter schienen sich schon gelöst zu haben und kratzten über das Dach. Jakob zog die zweite Decke über sie und strich Mara eine Haarsträhne aus der Stirn.
„Du gehst morgen wieder“, sagte er.
Es war keine Frage. Mara sah durch das kleine Fenster hinunter zum erleuchteten Weingut. Dann wandte sie sich ihm zu.
„Morgen helfe ich erst beim Entrappen.“
„Und danach?“
Sie küsste ihn langsam.
„Diesmal“, sagte sie, „kannst Du mich fragen, ob ich bleibe.“
Jakob lächelte. „Bleibst Du?“
Mara zog ihn wieder zu sich.
„Ja.“
Lust auf weitere erotische Geschichten? Hier wirst Du fündig!
(Bild: Alex Roosso/Unsplash)