„Glaubst Du, die Netzstrumpfhose mit dem offenen Schritt ist too much?“
Liv stand vor dem großen Spiegel im Schlafzimmer und betrachtete sich von allen Seiten. Das schwarze Spitzenbustier schmiegte sich eng an ihre Brüste, darunter verliefen schmale Bänder über ihren Bauch und trafen sich an dem Strumpfhalter auf ihren Hüften. Die Netzstrumpfhose ließ gerade genug Haut durchscheinen, um die Fantasie anzuregen. Zumindest auf den ersten Blick wirkte sie beinahe gewöhnlich.
Ben lehnte am Türrahmen und knöpfte die Manschetten seines schwarzen Hemdes zu. Die dazugehörige Hose saß tief auf seinen Hüften. Bis auf seine etwas ungewöhnliche Maske hätte man ihn für einen Mann halten können, der sich für einen Theaterbesuch zurechtmachte. Zwei lange, schwarze Hasenohren ragten über seinem Kopf auf.
„Dreh Dich mal um“, sagte er.
Liv folgte seiner Aufforderung. Sofort spürte sie seinen Blick auf ihrem Hintern.
„Und?“
Ben kam näher und schob einen Finger unter eines der Bänder, die über ihre Hüfte verliefen. Er ließ es zurück auf ihre Haut schnellen.
„Nein“, sagte er. „Ist doch praktisch.“
Seine Fingerspitzen strichen nur einmal zwischen ihren Beinen entlang, so leicht, dass Liv unwillkürlich den Atem anhielt. Sie fing seine Hand ab, bevor er sie an ihrem weichen Flaum berühren konnte. „Wenn Du jetzt anfängst, kommen wir zu spät.“
„Wir könnten auch hierbleiben.“
„Dafür haben wir uns nicht eine Stunde lang fertig gemacht.“
Liv griff nach ihrer Maske. Schwarze Spitze legte sich um ihre Augen und ließ ihr Gesicht auf einmal fremd wirken. Verführerischer. Geheimnisvoller. Mysterious Black lautete der Dresscode auf der Einladung. Wie genau das auszusehen hatte, war ihnen selbst überlassen.
Ben zog sein Hemd ein Stück auseinander. Darunter blitzten die schmalen Riemen eines schwarzen Harness hervor.
„Ist das nicht ein bisschen too much?“, fragte er.
Liv grinste und lehnte sich für einen Kuss an ihn.
„Ich lieb‘s.“
Ein Hupen vor dem Haus riss sie auseinander.
„Unser Taxi“, flüsterte sie gegen seine Lippen.
Liv öffnete die Schublade ihres Nachttisches, nahm einen kleinen schwarzen Vibrator heraus und ließ ihn in ihrer Handtasche verschwinden. Danach schlüpften sie in ihre langen schwarzen Mäntel.
Der Wagen wartete mit laufendem Motor vor dem Haus. Auf der Rückbank roch es nach Leder und einem schweren, holzigen Parfum. Der Fahrer sah sie kurz im Rückspiegel an.
„Halloween-Party?“
Liv und Ben wechselten einen Blick.
„So ähnlich“, antwortete Ben.
Auf Tuchfühlung
Während der Fahrt schauten sich beide immer wieder tief in die Augen. Seine Hand lag erst unschuldig auf ihrem Knie. Die Dunkelheit auf dem Rücksitz machte aber mutig – nahezu lautlos schob er mit den Fingern ihren Mantel auseinander und ließ sie unter den Saum ihres kurzen Rocks gleiten. Liv spreizte die Beine gerade weit genug, um ihn an ihr gemeinsames Geheimnis zu erinnern.
„Du hattest recht“, murmelte sie. „Wirklich praktisch.“
Sein Daumen strich über die Innenseite ihres Oberschenkels. Schon diese flüchtige Berührung ließ Wärme durch ihren Körper ziehen. Liv legte ihre Hand auf seine und führte sie höher. Einen flüchtigen Moment lang berührte er ihre feuchte Vulva.
Abrupt schloss sie die Beine. „Vorfreude“, flüsterte sie. „Schon mal davon gehört?“
Die Villa lag am Ende einer schmalen Auffahrt. Kerzen flackerten in hohen Laternen, schwarze dicke Gardinen bewegten sich hinter den geöffneten Fenstern wie Schatten. Vor der Tür warteten mehrere Gäste in langen Mänteln und Masken. Niemand sprach laut. Nur gedämpfte Musik drang aus dem Inneren.
Eine Frau in einem bodenlangen Kleid begrüßte sie. Ihr Gesicht war hinter einer silber glänzenden Maske verborgen.
„Handys bleiben am Eingang.“
Ben legte seines in eine kleine, mit Samt ausgeschlagene Schatulle. Liv tat es ihm gleich. Dafür bekamen sie zwei schwarze Marken mit eingeprägten Nummern.
Auf einem Tisch lagen Karten. Liv nahm eine und las die drei darauf gedruckten Worte.
Fragen. Zuhören. Respektieren.
Die Frau lächelte: „Die wichtigsten Regeln sind oft die einfachsten.“
An der Garderobe nahmen sie ihre Mäntel ab. Die Garderobiere ließ den Blick über Livs Dessous und die offene Netzstrumpfhose gleiten, ohne auch nur für eine Sekunde überrascht zu wirken.
„Möchtet ihr heute nur zuschauen“, fragte sie beiläufig, „oder auch spielen?“
Let the party begin
Nun wurde für sie eine schwere Tür geöffnet. Beide traten in einen Salon, der in warmes Licht getaucht war. Mehrere Menschen standen mit Champagnergläsern und unterhielten sich, andere saßen auf den dunklen Samtsofas am Rand. Manche trugen elegante Abendkleider und Anzüge, andere nur Masken, Schmuck oder feine Dessous. Als Liv und Ben ihre Blicke weiter schweifen ließen, entdeckten sie auf einer Chaiselongue eine Person mit entblößten Brüsten, während eine andere vor ihr kniete und langsam die Hände über ihre geöffneten Schenkel gleiten ließ. Daneben küssten sich zwei Menschen innig und streichelten sich dabei.
„Das macht mich so scharf“, flüsterte Liv.
Sie schaute an Ben herunter und bemerkte: Auch er hatte bereits eine heftige Erektion.
Weiter hinten bewegten sich mehrere nackte Körper hinter einem von hinten beleuchteten, halb transparenten Vorhang. Auch das gedämpfte Stöhnen, das bis zu ihnen herüber drang, verriet, dass dort gerade mehrere Menschen Sex hatten.
Liv spürte Bens Hand an ihrem unteren Rücken.
„Zuschauen?“, fragte er.
Sie sah zu ihm auf. Hinter seiner Bunny-Maske waren seine Augen dunkel vor Lust.
„Erst einmal.“
Sie nahmen sich zwei Gläser Champagner und gingen langsam durch den Raum. Niemand starrte sie an, und doch spürte Liv überall Blicke auf ihrer Haut. Eine Frau strich beim Vorübergehen mit den Fingerspitzen über Bens Schulter. Ein Mann in einer silbernen Maske schenkte Liv ein charmantes Lächeln, das ihr wohlige Gänsehaut bereitete.
Auf einem breiten Sofa saß ein Paar. Die Frau hatte die Beine geöffnet, während der Mann mit nacktem Unterkörper vor ihr kniete. Seine Maske lag neben ihrem Champagnerglas. Liv sah, wie seine Finger soft in sie hinein glitten und sein Daumen ihre Clit massierte – die Frau legte dabei den Kopf in den Nacken und genoss es sichtlich.
Liv blieb stehen.
Bens Brust drückte sich gegen ihren Rücken. „Gefällt Dir, was Du siehst?“
Seine Lippen berührten ihr Ohr. Gleichzeitig schob sich seine Hand von hinten unter ihren Rock. Diesmal hielt Liv ihn nicht auf. Zwei Finger glitten über ihre feuchte Haut, langsam und zielgerichtet. Sie biss sich auf die Unterlippe.
„Du bist schon ganz nass“, flüsterte er.
Er berührte sie fester. Liv lehnte sich gegen ihn und beobachtete weiter die Frau auf dem Sofa, deren Körper sich nun rhythmisch bewegte.
„Hallo, das sieht schön aus.“
Eine freundliche Stimme kam von der Seite.
Neben ihnen stand eine Frau in schwarzen Dessous. Federn umrahmten ihre dunkle Maske wie das Gefieder eines Raben. Ihr Blick lag auf Liv, nicht auf Ben.
Livs Herz schlug schneller und auch in ihrem Schritt zuckte es gewaltig. Die Fremde lächelte und schaute zunächst nur zu.
Liv sah über die Schulter zu Ben. Seine Finger ruhten zwischen ihren Beinen. Er zog sie nicht zurück.
Liv lächelte beide an und sagte: „Du darfst gern zuschauen. Uns gefällt auch, was wir hier sehen.“
Bens Finger spielten weiter und drangen tiefer in sie ein. Livs Blick wechselte vom sich vergnügenden Pärchen auf der Couch hin zur Frau, die nur Augen für ihre Lust hatte. Dabei merkte sie, wie sich immer mehr Spannung in ihr aufbaute.
Schließlich trat die Fremde näher und fragte vorsichtig: „Darf ich dich vielleicht küssen?“
Ben lächelte Liv an und diese nickte. Ihr Kuss war weich und vorsichtig. Erst als Liv ihre Lippen öffnete, wurde er fordernder. Eine fremde Zunge strich über ihre, während Ben hinter ihr stand und sie weiter fingerte. Livs Gefühle gingen mit ihr durch.
„Darf ich noch ein bisschen weitergehen?“
Liv nickte erneut und die Hand der Maskierten glitt über ihre Brust. Sie strich über die Spitze des Bustiers, reizte ihre Brustwarze durch den dünnen Stoff und ließ Liv in ihren geöffneten Mund stöhnen.
„Darf ich noch näher kommen?“, fragte sie.
Liv antwortete, indem sie ihre Hand nahm und zu ihrer Clit führte.
Knisternde Atmosphäre
Die Fremde kniete nun vor Liv und ihre Finger fanden die empfindlichste Stelle. Ben zog seine Hand zurück und öffnete stattdessen seine Hose, um seiner heftigen Erektion Platz zu verschaffen. Liv stand zwischen ihnen und spürte, wie sie die Lust überschwemmte.
Für einen Moment öffnete sie die Augen. Rings um sie herum knisterte es – die Frau vom Sofa vor ihnen saß auf ihrem Lover und bewegte sich stöhnend auf und ab. Maskierte Gesichter wandten sich ihnen zu. Einige sahen nur kurz hin, andere beobachteten jede ihrer Bewegungen und massierten sich dabei selbst. Der Gedanke, vor all diesen Menschen berührt zu werden, ließ die Erregung heiß durch Livs Unterleib schießen.
Sie griff in ihre Handtasche und holte den kleinen Vibrator hervor.
Die Fremde nahm ihn mit einem amüsierten Lächeln entgegen. „Ein Accessoire?“
Dann erwachte das Toy summend zum Leben.
Die Frau führte es zwischen Livs Beine. Ben hielt sie fest, eine Hand auf ihrer Hüfte, die andere um ihre Brust. Er küsste ihren Hals, während die Frau vor ihr den Vibrator an ihre Clit hielt.
Liv klammerte sich an ihre Schultern. Alles verschwamm: die Masken, die Kerzen, die fremden Körper. Es gab nur noch die Vibrationen zwischen ihren Beinen und Bens Atem an ihrer Haut.
„Nicht aufhören“, keuchte sie.
Die Fremde erhöhte den Druck. Ben biss sanft in Livs Schulter. Ihr Höhepunkt kam so plötzlich, dass ihre Knie nachgaben. Sie stöhnte laut, ohne noch daran zu denken, wer sie hören konnte. Ben hielt sie aufrecht, während die Wellen durch ihren Körper liefen – die Maskierte zog das Toy erst zurück, als Liv zitternd ihre Hand umfasste.
Für einen Moment blieben sie eng beieinander stehen. Dann hob die Fremde Livs Hand an ihre Lippen und küsste ihre Fingerspitzen. Liv lachte erlöst und küsste die Fremde. Anschließend schaute sie zu Ben, der noch immer mit harter Erektion hinter ihr stand.
„Happy Halloween.“