INKITT x AMORELIE Schreibwettbewerb: Erotische Geschichte “The Red Door”

Entdecke die fesselnden Ergebnisse einer einzigartigen Zusammenarbeit! Im Rahmen des Schreibwettbewerbs von INKITTund AMORELIE veröffentlichen wir herausragende Geschichten exklusiv im AMOREmag.

The Red Door 

von Jum T.

INKITT x AMORELIE Schreibwettbewerb
(Bild: Rei Yamazaki/ Unsplash)

Gelesen von Carina Kaiser

Kapitel 1

Emily

Ich habe erzählt, dass ich schon unzählige Male auf Kinky-Partys war. Ich habe große Reden geschwungen und erzählt, wie heiß und erotisch die Abende sind und was für ein braves, unterwürfiges Mädchen ich doch sei.

Die Blicke der anderen waren immer auf mich gerichtet, wenn ich davon erzählte. Als wäre ich ein faszinierendes Fabelwesen, das den Mut hat, über all das zu sprechen, ohne sich dafür zu schämen.

Und genau deshalb stehe ich jetzt hier in dieser Umkleidekabine, mit Sophie, mit der ich vorher mein heutiges Outfit ausgesucht habe, das ich mir Kuzerhand Online gekauft habe, weil mir keine Ausrede eingefallen ist, warum ich heute Abend doch nicht kann.

Sophie war schon oft auf solchen Partys, aber das wusste ich nicht, als ich wieder einmal eine meiner großen Reden hielt, als ich sie auf dem Geburtstag einer Freundin traf. Inzwischen sind wir befreundet, aber ich habe mich nie getraut, ihr zu sagen, dass meine Geschichten im Gegensatz zu ihren reine Fantasie sind.

Ich erzählte ihr, dass ich noch nie in diesem Club, The Red Door, gewesen war, um zu erklären, warum wir uns noch nie hier getroffen hatten, aber sie blieb skeptisch. Vielleicht habe ich mich deshalb gezwungen, über meinen Schatten zu springen.

Jetzt zwänge ich mich in das glänzende Latexkleid und bin froh, dass ich es schon zu Hause anprobiert habe, so weiß ich wenigstens, wie ich es anziehen und wo ich schnüren muss.

Es schmiegt sich an meinen Körper, betont meine Kurven und lässt mich verführerisch aussehen. Jeder Linie, jeder Rundung des Körpers folgt das Material, formt eine konturierte Silhouette und ich spüre förmlich die Verzweiflung des Kleides, als wolle es mir Selbstvertrauen geben und ich schaffe es einfach nicht, es zu ergreifen.

Kurz und knapp fällt der Stoffrock bis knapp über meinen Po und als ich über meine Schulter schaue und meinen dazu passenden schwarzen Slip sehe, wird mir klar, warum man solche Outfits nicht schon zu Hause trägt.

Zu Hause, allein in meinem Zimmer, fühlte ich mich unbehaglich, nicht weil der Stoff spannte, sondern weil er eine Seite von mir zeigte, die es gar nicht gibt. Zumindest nicht im wirklichen Leben, sondern nur in meiner Fantasie.

An den Models sah es sündhaft gut aus. Aber so sehe ich nicht aus. Meine neuen hohen schwarzen Stiefel sind das Einzige, was mich dazu bringt, meinen Rücken gerade zu halten und nicht einzuknicken und heimlich abzuhauen.

Ich brauche es nicht zu sagen, ich zeige von selbst, dass ich immer geblufft habe. Dass all mein Gerede, all mein Geschwätz Schwachsinn war.

Dass die Emily aus dem Büro in Wirklichkeit nur die langweilige Emily aus dem Büro ist und nicht, wie in ihren Erzählungen, die sündige, verspielte, lustvolle Emily, die in ihrer Freizeit auf Kinky Partys geht und Sexclubs besucht.

„Die sind neu, oder?“ sagt Sophie und zeigt auf meine Schuhe, als sie zu mir kommt und ich ihr helfe, den Choker um ihren Hals zu schließen. Meinen habe ich selbst verschlossen, ein Hinweis darauf, welche Rolle wir an diesem Abend spielen werden.

Ich war froh, auf der Website eine Anleitung für Anfänger zu finden, kleine Hilfestellungen. Nur, dass Sophie denkt, ich sei kein Anfänger, genau wie all die anderen, denen ich immer alles vorgelogen habe.

Aber sie scheint es nicht zu merken, sie scheint aufgeregt zu sein, genau wie ich. Wenigstens etwas haben wir jetzt gemeinsam. Nur dass sie es vor Freunden macht und ich, weil es mein erster Besuch ist.

Ich bin wirklich hier.

Mein Kopf arbeitet auf Hochtouren und malt sich all die peinlichen Szenarien aus, die heute passieren könnten.

„Ich glaube nicht, dass du heute viel stehen wirst, du siehst fantastisch aus“, sagt Sophie fröhlich und zwinkert mir zu. Ich lächle zurück und versuche, nicht zu schüchtern zu wirken. Sophie nimmt meine Hand und wir gehen den Flur entlang. Ich kontrolliere meinen Atem, versuche, keine feuchten Hände zu bekommen, als die große rote Tür immer näher kommt.

Wenn es nicht echt wäre, könnte ich darüber lachen, wie klischeehaft das Ganze ist.

The Red Door.

„Wie heißt du?“, fragt sie. Kurz zögere ich. Mein Name? Sie weiß doch, wie ich heiße? Doch dann wird mir klar, sie fragt nach meinem Pseudonym. Hier auf der Party interessiert sich niemand für meinen echten Namen. Auf der Website des Clubs stand sogar so etwas wie: ‘Hinterlasse deinen Namen an der Tür’.

Cat“ ist das Einzige, was mir auf die Schnelle einfällt. Es ist ein Name, der mich beruhigt, weil er mich an meine beiden Katzen erinnert, die zu Hause auf mich warten. Dort, wo ich jetzt auch irgendwie sein möchte. Oder auch nicht. Ich weiß es nicht.

Cat strahlt vor Freude, als wir die Tür erreichen und sie öffnet. Wir treten ein und sofort hüllt uns die rhythmische, unterschwellige Musik ein. Überall drängen sich die Gäste, alle mit schwarzen Masken, genau wie wir. Irgendwie gibt mir die Maske, die nur meine Augen bedeckt, ein Gefühl der Sicherheit, als könnte ich mein wahres Ich darunter verstecken.

Die Farben Schwarz und Rot dominieren das Bild. Die meisten Frauen präsentieren sich in frechen, sündigen Outfits, die viel Haut zeigen, aber auch raffiniert die verschiedensten Stellen verstecken. Dagegen wirkt mein Kleid fast nonnenhaft, aber es ist ein schöner Anblick.

Wie die Männer sehen sie in ihren Kostümen und mit den Masken fast gefährlich aus. Allein beim Anblick des Ganzen kribbelt mein Körper vor Anspannung, aber die Atmosphäre zieht mich auch in ihren Bann.

Während ich Sophie zur Bar folge, schaue ich mich um. Da ist der Notausgang, in der Ecke neben den kleinen Sitznischen. Es gibt separate Räume, manche mit Gucklöchern, manche ohne. Die Lichter, die ich wahrnehme, sind alle gedimmt, für die passende geheimnisvolle Atmosphäre. Das macht Sinn. Damit wir uns nicht erkennen – denke ich.

Doch kurz nachdem wir Platz genommen haben, wird Sophie von einem großen, breit gebauten Mann angesprochen, so wie sie sich unterhalten, scheint er öfter hier zu sein, genau wie sie.

Sein Begleiter nicht, zumindest lässt sein Outfit darauf schließen. Er ist ebenso breit gebaut, trägt ein schwarzes, schickes, eng anliegendes Hemd, das schon erahnen lässt, dass sich darunter Muskeln verbergen. Seine dunkle Jeans und die schwarz aussehenden Haare lassen ihn trotz seiner Kleidung geheimnisvoll wirken. Seine Ausstrahlung strahlt Selbstbewusstsein und Autorität aus. Er könnte auch einer der Türsteher sein.

Ich kann nicht anders, als die Tätowierungen auf seiner Hand zu betrachten. Seine gepflegten Bartstoppeln verleihen seinem markanten Kiefer im Licht etwas Gefährliches.

„Dein Freund ist zum ersten Mal hier? Cat auch, aber sie hat schon Erfahrung“, sagt Sophie und reißt mich aus meiner Bewunderung für den Fremden gegenüber. Ich achte darauf, nicht zusammenzuzucken, als ich merke, dass mich alle drei anstarren.

Es stimmt.

Ich habe Erfahrung.

Ich bin die perfekte Sub.

In meiner Fantasie.

Ich nicke und lächle kokett, was ich sonst nie tue. Hoffentlich sehe ich nicht verrückt aus. Ich wünschte, es gäbe hier Alkohol zur Entspannung, aber es gibt keinen, nicht heute Abend.

Die Schläge einer Peitsche sind zu hören, und dieses Mal kann ich nicht anders, als zusammenzuzucken. Ich bin froh, dass es keiner zu merken scheint, aber anstatt mich zu ängstigen, bin ich neugierig. Ich will einen Blick durch die Löcher werfen und sehen, was sich hinter ihnen verbirgt.

Sophie flüstert etwas mit ihrem Bekannten, dann dreht sie sich auf dem Barhocker zu mir um. „Wir treffen uns nachher in der Umkleidekabine, okay?“

Sie will gehen. Oder sie bitten, einfach bei mir zu bleiben, wie ein Babysitter. Aber ich stimme nur zu und sehe zu, wie sie verschwinden, um Gott weiß was zu tun.

Ich bin fasziniert, wie leicht es ihnen fällt. Wie schnell das ging.

Der große Fremde mustert mich von oben bis unten. Je länger er mich ansieht, desto mehr zieht sich mein Magen zusammen. Ihm gefällt nicht, was er sieht. Sonst hätte er doch schon längst die Initiative ergriffen, oder etwa nicht? So wie es sein Freund mit Sophie gemacht hat.

Es ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

Mein Lächeln wirkt unnatürlich, während ich versuche, meine Nervosität zu verbergen, obwohl der Fremde vor mir nicht mit mir spricht und jetzt sogar den Blick abgewandt hat. Die Geräusche um mich herum, einschließlich der Peitschenhiebe, verstärken die Anspannung. Dennoch versuche ich, ruhig zu bleiben.

Aber es gelingt nicht. Ich bin raus. Zumindest habe ich es versucht.

Emily, ‘Cat’ – ist und bleibt die langweilige Frau aus dem Büro.

Ich erhebe mich von meinem Barhocker und achte darauf, dass ich den Rücken gerade mache, um wenigstens ein bisschen Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Ich sehe gut aus, und wenn es nicht einmal jemand versucht – Pech gehabt. Hätte es jemand versucht, wäre ich sowieso nicht mitgegangen.

„Es war nett, dich kennen zu lernen“, sage ich zu dem Fremden, der mir jetzt wieder einen Blick aus dem Augenwinkel zuwirft, als ich an ihm vorbeigehe.

Es war nett, dich ‘kennen zu lernen’. So eine Übertreibung, ich kenne nicht einmal sein Pseudonym.

Auf seiner Höhe greift er nach meinem Arm, zieht mich zurück und drückt mich gegen die Bar. Mein Herz rast augenblicklich, normalerweise würde ich jedem Kerl, der mich so anfasst, eine reinhauen, aber nicht jetzt – nicht hier.

Hier scheint es niemanden zu interessieren.

Seine Hand wandert zu meinem Choker, dreht den Ring in der Halterung. „Wohin willst du?“, seine Stimme ist tief, rau und scheint mir direkt unter die Haut zu gehen, direkt in meine Mitte. Es klingt fast so, als wäre ich seine Begleiterin, die sich gerade aus dem Staub machen will. Nicht die Frau, die er gerade ignoriert hat. Vielleicht ist das seine Masche? Zumindest scheint sie bei mir zu funktionieren.

Die Art, wie er mich an die Bar presst, wie er mit mir spricht, die ganze Atmosphäre im Raum macht etwas mit mir – lässt mich innerlich schmelzen.

„Komm“, sagt er, lässt mich los und tritt einen Schritt zurück, als warte er darauf, dass ich das Safeword rufe, das heute Abend für alle gleich ist, und weglaufe oder einen Schritt auf ihn zugehe und ihm meine Zustimmung gebe.

Das ist meine Chance. Ich kann das jetzt beenden oder es durchziehen.

Ich kann jetzt für immer von meinen Fantasien träumen oder sie jetzt in der Realität erleben. Mein Körper fängt Feuer und ich gehe einen Schritt darauf zu.

Das ist real, und ich will es versuchen. Raus aus meiner Fantasie, rein ins wirkliche Leben.

Jetzt oder nie.

Seine Hand legt sich auf meinen unteren Rücken, und er führt mich an den Menschen vorbei, die schon eng umschlungen sind oder gerade erst beginnen.

Jeder Schritt, den wir machen, fühlt sich an wie ein Sprung ins Ungewisse, aber ich bin bereit, diesen Moment zu erforschen und alles zu erleben, was damit einhergeht.

Dafür, dass er noch nie hier war, weiß er genau, wohin er will, und öffnet zielsicher eine der vielen Türen.

Mein Herz setzt für eine Sekunde aus, als wir den Raum betreten und die Tür zufällt.

Automatisch nehme ich vorsichtshalber jedes Detail in mich auf.

An der Wand steht ein Sideboard aus dunklem Holz, darüber Regale mit allerlei Spielzeug und Cremes. Manschetten, Nippelklemmen, Ballknebel und viele andere Utensilien. Alles, was ich schon mal gesehen habe, zuhauf im Internet, wenn ich meine Fantasien anfachte, aber noch nie in Wirklichkeit.

Ich hatte erwartet, dass es mir Angst machen würde, es in Wirklichkeit zu sehen, aber ich spüre ein Ziehen in meiner Mitte, vor freudiger Erregung.

Ich brauche nur eins der Safewords zu rufen und alles ist vorbei, aber ich will es – deshalb bin ich hier.

Ja, ich habe schon tausendmal über diesen Abend und seinen möglichen Verlauf nachgedacht.

In der Mitte steht ein großes Bett mit einem dunklen, samtigen Bezug. Keine Decke, nur ein Kissen, das zeigt, dass dieser Ort nicht zum Schlafen gedacht ist.

Auch das Fehlen von Gucklöchern erfüllt mich mit einer gewissen Erleichterung, als ich diese Details wahrnehme. Dieser Fremde und ich, wir kennen uns nicht, aber er scheint zu wissen, was richtig ist.

Aber das ist ja auch sein Job, oder? Schließlich bin ich die Sub, er der Dom.

Unbeholfen stehe ich in der Mitte des Raumes. Ich warte auf einen Befehl, auf eine Anweisung, die ich befolgen kann, damit ich hier nicht untätig herumstehe.

„Gelb, wenn du etwas nicht machen willst. Rot, wenn du ganz aufhören willst“, wiederholt er die Safewords und kommt mit einer schwarzen Augenbinde zu mir zurück.

„Aber das wusstest du doch schon, oder?“ Er steht hinter mir und flüstert mir ins Ohr, er lächelt. Es müssen die Endorphine sein, die dafür verantwortlich sind, dass mein Körper allein beim Klang seiner Stimme zu kribbeln beginnt und ich spüre, wie mein Slip schon feucht wird.

Aber das erinnert mich daran, dass ich wohl gerade etwas verwirrt geguckt habe, und ich strecke meinen Rücken noch einmal durch, um wieder etwas selbstsicherer zu wirken.

Rot, Gelb – er verlangt schon mal kein Grün, damit ich alles, was er ausprobiert, direkt bestätigen muss. Was mich wirklich erleichtert. Denn ich habe keine Ahnung, was mir davon wirklich gefallen wird.

„Damit fangen wir an“, flüstert er mir zu, und in diesem Moment spüre ich, wie sich die Dunkelheit über meine Maske legt und die anderen Sinne beginnen auf Hochtouren zu arbeiten, aber gleichzeitig bin ich erleichtert. Die Augenbinde schirmt mich ein wenig von der Situation ab, gibt mir Sicherheit.

Seine Fingerspitzen streichen über meine Arme und meinen Rücken, bis sie auf meinem unteren Rücken ruhen.

Er führt mich durch den Raum, bis ich scheinbar vor dem Bett stehe. Seine Hände entfernen sich von mir, ich höre, wie er zum Sideboard geht und wieder zurückkommt.

Wieder fahren seine Fingerspitzen meine Arme entlang, wieder durchfährt mich ein wohliger Schauer und er greift meine Handgelenke. Er zieht sie auf meinen Rücken und ich spüre, wie sich Leder um beide legt und er sie fest verschließt.

Die Berührungen sind sanft, ohne Eile, als hätten wir alle Zeit der Welt. Mehr als genug Zeit, um zu erkennen, dass es sich eindeutig um Grün handelt.

Ich kann nichts sehen, aber er manövriert mich auf das Bett, bis meine Knie über der Bettkante sind, dann drückt er mich mit einem kontrollierenden Griff an meinem oberen Rücken langsam nach unten, bis ich mit dem Oberkörper auf der Matratze liege. Grün.

„Braves Mädchen“, flüstert er, als könnte mich ein zu lauter Ton verschrecken, als wäre ich ein scheues Reh. Vielleicht bin ich das auch, denn ich konzentriere mich auf jede Berührung, jedes Geräusch, das ich wahrnehme, und es fühlt sich intensiver an, als ich erwartet habe. Gleichzeitig lösen seine Worte etwas in mir aus, lassen meine Mitte freudig pulsieren, so dass ich mich am liebsten an ihm reiben möchte. An einem Fremden.

Denn seine Worte müssen bedeuten, dass ich es gut oder zumindest richtig mache.

Diesmal spüre ich ihn direkt hinter mir. Er muss zwischen meinen Beinen stehen, denn ich spüre den Stoff seiner Hose an meinem Hintern, den ich ihm gerade entgegenstrecke.

Der Stoff meines Rockes wird hochgeschoben und seine Finger streichen über den leichten Stoff meines Slips. Er scheint die Ware, mich, zu begutachten.

Innerlich kämpfe ich damit und ertappe mich dabei, wie ich mir wünsche, dass ihm gefällt, was er sieht. Ob das für die Sache relevant ist? Doch bevor ich mich in diese Gedanken hineinsteigern kann, spüre ich, wie seine Hand auf meine linke Pobacke fällt und ich erschrecke.

Jetzt ist es raus, ich habe keine Ahnung, was ich hier mache. Meine Reaktion verrät mich.

Ein kurzer Schmerz durchfährt mich, der aber von einer wunderbaren Wärme abgelöst wird. Seine Hand ist rau und zärtlich zugleich, als er die Stelle massiert, auf die er gerade noch geschlagen hat.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich nichts sehe, oder daran, dass er mir gerade den ersten Klaps meines Lebens gegeben hat, aber seine Berührung fühlt sich unbeschreiblich gut an. Ich fühle mich sexy, begehrenswert. Ja, eindeutig, es erregt mich wahnsinnig und das Pulsieren zwischen meinen Beinen will nicht mehr aufhören, es verlangt nach mehrvon allem.

Meine Position mit dem Po in der Luft verrät ihm wahrscheinlich, dass ich unglaublich erregt bin, mein Slip ist bereits klitschnass, obwohl es gerade erst angefangen hat.

Peinlich. Oder vielleicht auch nicht? Vielleicht ist es genau das, was er wollte?

Als ob er genau wüsste, dass ich wieder abdriften und in meinen Gedanken versinken will, trifft mich ein weiterer Schlag auf beide Pobacken und hält mich davon ab. Er hat die Kontrolle, ich muss ihn gewähren lassen und mich einfach hingeben. Es klingt so leicht.

Diesmal ist der Schmerz minimal, obwohl die Schläge genauso hart sind wie zuvor, und die Hitze durchströmt meinen Körper, mein Kopf beginnt sich abzuschalten. Erleichterung breitet sich in mir aus, ich kann den Übergang vom Schock zum Genuss förmlich in mir spüren.

„Sag mir die Wahrheit, Cat“, seine Stimme ist rau und klingt fast befehlend, ich wusste gar nicht, dass mich diese Art mit mir zu reden so erregt, aber wieder kann ich nur ‘grün’ in meinem Kopf denken.

Seine Finger streichen über den Zwickel meines Slips und ich versuche mich gegen seine Berührungen zu lehnen, als wäre ich bedürftig – ja, vielleicht bin ich das auch. Wenn ich den Kerl kennen würde, wenn ich seinen Namen kennen würde, dann würde ich das nie so zeigen.

Aber jetzt ist es mir egal, oder fast. Denn ich werde ihn nicht wiedersehen, was er morgen über mich denkt, interessiert mich nicht, jedenfalls jetzt, in dieser Position, in dieser Situation.

Weitere schnelle Hiebe auf meinen Po treffen mich und ich schnappe nach Luft. Ich habe so oft davon geträumt, aber nie erwartet, dass es sich so anfühlt – befreiend. Adrenalin durchströmt mich, meine Gedanken beginnen zu schweben.

Ich bin gefesselt, blind, in einer Welt, die vorher nur in meiner Fantasie existierte, mit jemandem, der mir fremd ist, und es fühlt sich verdammt großartig an.

Als wäre ich in einem meiner Träume – nur dass jede Berührung verdammt real ist. Ich erlebe es wirklich, und meine Knie werden weich wie Butter.

Seine beiden Hände greifen nach meinem Hintern, massieren beide brennenden Pobacken gleichzeitig, und ich wackele mit den Hüften – bedürftig, eindeutig.

Halt still“, ermahnt er mich und wieder trifft mich ein Schlag auf die rechte Pobacke. „Jetzt sag mir die Wahrheit, Cat.“

Er gibt meinem Kopf die Möglichkeit zu verarbeiten, was er sagt, aber ich kann nicht entziffern, was er will. Am liebsten würde ich die Augenbinde abnehmen und die Antwort in seinen Augen suchen, aber ich glaube nicht, dass er das will – und ich will ihm gefallen.

Es klingt absurd und ist es wahrscheinlich auch, aber durch seine Aufmerksamkeit fühle ich mich lebendig und sexy wie nie zuvor.

Wieder treffen mich einige Schläge, mein Hintern fühlt sich verdammt heiß an und zieht, was dazu führt, dass seine Berührungen nur noch intensiver werden, als er den Schmerz wegreibt.

Er entfernt sich, ich spüre ihn nicht mehr hinter mir, seine Nähe fehlt mir augenblicklich. Ich versuche, ihn im Raum zu hören, aber das Rauschen in meinen Ohren macht es mir unmöglich, seine genaue Position zu bestimmen.

Aber schon bald hat er seine Hand wieder auf meinem Po, es ist kein Streicheln, nur eine körperliche Berührung, und mein Körper wird von einem Glücksgefühl durchströmt. Als ob ich belohnt werde.

„Wenn du nicht reden willst, Cat“, seine Stimme klingt verheißungsvoll und rau. Hat seine Stimme vorhin so tief geklungen?

Er zieht mein Höschen aus, über meine Beine und Schuhe, und doch fühle ich mich nicht entblößt, ob es an dem Kleid liegt, das ich noch trage, oder an meinem Hintern, der ganz heiß ist, kann ich nicht sagen.

Eine fast kalte Flüssigkeit trifft auf meinen Anus und sofort spanne ich mich an. Das Ampelsystem leuchtet in meinem Kopf auf. Grün Gelb Rot?

Noch nie habe ich jemanden irgendwie an meinen Hintern gelassen. Doch wieder, als könnte er meine innere Unruhe spüren, redet er mit mir, erschreckend und beruhigend zugleich, trotz seiner Ausdrucksweise. „Du brauchst keine Angst zu haben, heute werde ich dich dort nicht ficken.“

Mein Kopf verarbeitet das in Sekundenschnelle und ich bin erleichtert. Ich spüre, wie etwas Metallisches gegen meinen Muskelring gepresst wird. Es ist ein Plug, ich habe ihn im Internet gesehen, mich aber nie getraut, ihn zu bestellen. „Tief einatmen und ausatmen.“

Er gibt mir Anweisungen, er gibt den Ton an. Ich gehorche. Der Druck wird stärker, ich versuche mich zu öffnen. Einatmen. Ausatmen. Und plötzlich ist er in mir. Er dreht ihn leicht und eine Welle der Lust durchströmt meinen Körper. Es fühlt sich so falsch und gleichzeitig gut an.

Ich will mich krümmen, winden und es ist mir egal, dass ich wahrscheinlich gerade auslaufe und er das deutlich sehen kann. Ich fühle mich wie ein Pornostar oder ein Pin-up-Girl, und das nur wegen ihm.

Ich fange an, ihm zu vertrauen, ist das möglich? Ich weiß es nicht, aber ich tue es.

Meine Schultern beginnen zu schmerzen und ich versuche, meinen Oberkörper anders zu positionieren. „Du darfst dich bewegen, wenn du mir die Wahrheit sagst, Cat.“

Er hilft mir, als ich immer noch nicht weiß, was er will und der Schmerz langsam richtig unangenehm wird. „Du warst also schon oft auf solchen Partys?“

Ah. Das will er wissen. Er weiß es. Ich spüre, wie mir die Scham zu Kopf steigt, wahrscheinlich ist mein Kopf jetzt ganz rot. Es ist mir verdammt peinlich, aber ich weiß auch, dass ich mehrere Anzeichen dafür gegeben habe, dass ich gelogen habe.

Nein“, sage ich leise und bekomme einen Schlag auf den Hintern. Doch diesmal dreht er den Plug in meinem Anus direkt danach und eine weitere Welle der Lust überrollt mich. Lässt mich den Schmerz genießen.

Sag es“, befiehlt er mir, und wie Kanonenkugeln sprudeln die Worte aus mir heraus. „Ich war noch nie auf so einer Party.“

Ja, ich werde wieder von einer Welle der Scham überrollt und gleichzeitig dreht er den Plug in mir, zieht leicht daran und das Gefühl der Scham weicht augenblicklich wieder der Lust.

Ich könnte schwören, dass ich höre, wie er triumphierend lächelt, aber wahrscheinlich bilde ich es mir nur ein, denn ich bin viel zu sehr gefangen in dem Gefühl von Schmerz, Lust und Vergnügen.

„Bei unserem ersten Mal werden wir nicht zu weit gehen.“ Er klingt nicht wütend oder enttäuscht. Obwohl ich das irgendwie erwartet hatte, schließlich dachte er, er bekäme jemanden mit Erfahrung und keinen blutigen Anfänger.

„Wir werden noch viele Gelegenheiten haben, herauszufinden, was dir gefällt, Cat.“ Seine Worte klingen fast stolz, als würde er sich freuen, mir alles zeigen zu können, was meinen Körper wieder mit diesem Glücksgefühl erfüllt.

Mir entgeht nicht, dass er von ‘vielen Gelegenheiten’ und ‘uns’ spricht, als wäre dies nicht unsere einzige Session, doch bevor meine Gedanken mich wieder einholen können, spüre ich, wie er meine Handschellen packt, etwas löst und mir die Möglichkeit gibt, meine Arme wieder auszubreiten.

Doch schnell packt er sie wieder und schließt die Manschetten wieder über meinem Kopf. Jetzt bin ich zwar immer noch gefesselt, habe aber deutlich mehr Freiheit und weniger Schmerzen.

„Es tut mir leid“, bringe ich hervor, und in der Sekunde, in der ich das ausspreche, trifft mich ein Schlag, diesmal nicht mit seiner Hand, sondern mit einem viel dünneren Gegenstand quer über meinen Hintern, und ich schreie auf. Es tut weh – Gelb! Rot!

Seine Hand massiert den Schmerz weg und ich stöhne auf. Dieser Schmerz, diese Berührung, das ist zu viel. Mein Körper kämpft mit mir, weiß nicht, welches Gefühl stärker ist. Aber ich bewege mich nicht weiter, klammere mich nur fest an die Matratze, um Halt zu finden. Ich brauche und will Erleichterung, ich will wissen, was er als nächstes mit mir vorhat.

„Du bist perfekt. Du bist wirklich ein braves Mädchen.“ Seine Worte sind Balsam für meinen Körper, für meine Seele und allein sie reichen fast aus, dass sich mein Innerstes um nichts als um Luft zusammenzieht. Ich glaube, ich stöhne über seine Worte, ja, das tue ich wirklich.

Ich höre das Rascheln eines von Plastik. Ein Kondom. Meine Belohnung – und ich brauche sie. Ich will sie, auch wenn es mich fast traurig macht, dass es fast vorbei ist.

Er lässt seine bedeckte Eichel durch meine feuchten Falten gleiten. Ich fühle mich wie in Trance, während die Hormone durch meinen Körper zu schießen scheinen.

Serotonin. Dopamin. Adrenalin. Wolke Sieben.

Seine Hände umklammern meine Hüften, sein Schwanz dringt mit einer geschmeidigen Bewegung ganz in mich ein und ich schreie auf. Ich hatte schon Sex, aber nicht so einen, nicht in so einer Situation, nicht mit so einem Vorspiel. Mein Körper brennt förmlich.

Es hätte nicht so enden müssen, das weiß ich, aber er scheint zu wissen, dass ich genau das wollte. Ich habe es sogar gehofft. Er kann meinen Körper lesen und das, obwohl er ein Fremder ist.

Seine Stöße sind nicht zärtlich, nicht sanft, sondern wild, grob, als würde mein Körper jetzt ihm gehören. Es ist berauschend und fühlt sich verdammt gut an. Die Kontrolle liegt nicht bei mir, ich lasse mich einfach befriedigen und genieße es.

Ich fühle mich so verdammt stark, obwohl ich die Gefesselte mit der Augenbinde bin. Weil ich ihn so erregt habe, weil es ihm genauso gefallen hat wie mir.

Ein Schlag auf meinen brennenden Hintern und der erste Orgasmus überrollt mich. Mein Innerstes umklammert seinen Schwanz und er stöhnt. Wieder dieses Glücksgefühl. Ihn damit zu befriedigen ist meine größte Belohnung. Sein Rhythmus wird unkontrollierter, unbeherrschter und seine Finger krallen sich in mein Fleisch.

„Komm für mich“, befiehlt er. Bevor ich darüber nachdenken kann, ob ich das überhaupt auf Kommando kann, dreht er den Plug in mir, und sofort ziehe ich mich wieder um ihn zusammen, tief in mir, genau wie um den Plug. Ich stöhne meine Empfindungen heraus, spüre, wie meine Beine nachgeben und bilde mir sogar ein, dass er meinen Namen „Emily” stöhnt, als er ebenfalls zum Höhepunkt kommt und mir mit seinem Griff die nötige Stabilität gibt.

„Wie war’s?“ fragt Sophie, als wir wie verabredet in der Umkleidekabine stehen. Meine Beine sind immer noch butterweich und ich fühle mich völlig losgelöst, fast wie neu geboren. „Nett“, antworte ich nur. Ich weiß nicht, ob ich mehr sagen will oder kann. Ich will einfach nur auf der Welle der Hochgefühle reiten, die sich noch in meinem Körper ausbreitet, während ich mich in meine Alltagsklamotten zwänge.

Sophie lacht verschmitzt: „Das ist gut für das erste Mal, aber er wird nicht sehr erfreut sein, das zu hören.“ Meine Verwirrung spiegelt sich in meinem Blick. „Ich wusste es von Anfang an, jetzt musst du es dir nicht mehr nur vorstellen“, zwinkert mir Sophie zu.

Sophie wusste es von Anfang an, sie kannte sogar den Fremden. Natürlich kannten sie sich, also wusste er es auch. Sind sie Freunde?

Ich sollte peinlich berührt sein, bin es aber nicht. Im Gegenteil, ich freue mich auf das nächste Mal.

Jetzt, wo ich angefangen habe, weiß ich, dass ich so schnell nicht wieder aufhören werde.

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