#5: Traummann abzugeben

 

Ich muss an dieser Stelle mal etwas aussprechen. Für die Männer. Und zwar die LIEBEN Männer:

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Wir Frauen sind böse, widersprüchliche Wesen. Gelenkt und geleitet von Hormonen und unserem Eisprung. Dass diese Offenbarung ganze 30 Jahre und ein dreieinhalbstündiges Telefonat mit meiner Freundin Tina gebraucht hat, ist kein Wunder. Wir sind nämlich offensichtlich nicht nur hormongesteuerte Biester, sondern auch Meisterinnen darin, diese finstere Seite hinter unschuldigen Blümchenkleidern und romantisch-verspielten Hochsteckfrisuren zu verbergen.

 

„Biester in Blümchenkleidern“

 

Das beste Beispiel dafür ist Tina: Man kann sie scheinbar nicht mal 4 Wochen alleine lassen, ohne dass sie gleich in eine mehr oder minder schwere Katastrophe gerät. Das wurde mir schlagartig bewusst, als am Montagabend mein Telefon klingelte und ich freundlich mit den Worten „Fiona, ich bin so eine hirnlose Idiotin!!“ begrüßt wurde. Ein Anruf, den ich schon viel eher erwartet hatte. Es geht um Andi. Vor knapp sechs Monaten hatte Tina ihren heiratswürdigen Traumprinzen Mark unter vielen Tränen (seinerseits) verlassen, um mit Andi in ein neues, spannenderes Liebesabenteuer zu starten. Sie tauschte damals einen Mann, der ihr bedingungslos, geduldig und füßemassierend jeden Wunsch von den Augen ablas, gegen Sitzengelassenwerden, nicht eingehaltene Versprechungen und Machogehabe ein. „Aber er ist doch so heiß und aufregend!“ Zumindest war das bis vor einigen Stunden noch so, bevor Tina ihn mit einer 22-jährigen Blondine in IHREM Bett erwischte. Herzlich willkommen in der Arschloch-Falle!

 

„Herzlich willkommen in der Arschloch-Falle“

 

Sie sind die 300g-Sahnecreme-Schokoladentafel der Evolution – nicht gut für uns und unser Herz – aber wir können ihnen nicht widerstehen. Warum zieht es uns aber immer wieder zu solchen Männern hin? Und noch schlimmer, warum lassen wir dafür die wirklich guten ungeachtet am Wegesrand liegen oder verletzen sie gar noch? Seien wir mal ehrlich: wir haben es alle schon mal erlebt. Es fängt bereits in der Schule an: Statt die romantische Kinoeinladung des netten Sitznachbarn anzunehmen, flirten wir lieber mit den coolen Skateboardern und Graffitisprayern, die uns eine Woche später gegen eine neue Freundin (oder wahlweise einen BigMac) austauschen. Letztendlich landen wir doch wieder bei dem netten Sitznachbarn – aber nur, um uns bei dem so verständnisvollen und lieben Typen die Augen aus dem Kopf zu heulen.

Lernen wir nicht aus solchen Erlebnissen? 15 Jahre älter und wir fallen immer noch auf dieselben Kerle rein. Nur, dass sie mittlerweile Skateboard gegen Sportwagen und Sprühdose gegen Aftershave eingetauscht haben (wobei sich am Austauschverhalten der Frauen wahrscheinlich nicht viel geändert haben wird). Und wer ist angeblich Schuld an der ganzen Misere? Unsere Hormone! Der liebe Gott, oder wer auch immer, hat uns einen Eisprung geschenkt. Einmal im Monat. Passend zu diesem Eisprung schenkte er uns dann noch rote Lippenstifte, viel zu kurze Miniröcke, schwindelerregend hohe Stilettos und eine Kreditkarte (oder einen total lieben, großzügigen Mann, der im Besitz einer solchen ist).

 

„Eisprünge, Miniröcke und Kreditkarten“

 

Zu dieser Zeit ist es unsere Aufgabe, ein möglichst gesundes und potentes männliches Wesen anzulocken, das die richtigen Gene für ebenso gesunde Nachkommen im Gepäck hat. Der Typ Mann, der uns süffisant lächelnd, mit dicken Muskeln (und noch ganz anderen dicken Körperteilen) bepackt von Calvin-Klein-Unterwäscheplakaten in die Augen blickt. (Oder habt ihr schon mal einen bügelnden Hausmann Werbung für Calvin Klein machen sehen?) Geht es allerdings später um die Versorgung des Nachwuchses, wünschen wir uns jemanden mit anderen Qualitäten: Treue, Zuneigung, Fürsorglichkeit – jemand der uns morgens Kaffee ans Bett bringt weil wir 10-mal in der Nacht von einem schreienden, hungrigen Etwas geweckt wurden. Einer, der uns trotz Augenringen und Wabbelbäuchen liebt und der sich liebevoll um die Kleinen kümmert. Eigenschaften, die wir beim Calvin-Klein-Model vergeblich suchen werden, denn Calvin-Klein-Models wechseln keine Windeln.

Nun ist es aber auch nicht so, dass wir Frauen uns jeden Monat, wenn die Hormone mal wieder Purzelbäume schlagen, erneut auf die Suche nach einem potenziellen Nachwuchserzeuger machen. Das klingt mir alles zu sehr nach einer einfachen Erklärung für ein Problem, das ganz wo anders liegt: Bei unserem Ego. Wir Frauen wollen begehrt werden. Wir erwarten Aufregung, Abwechslung, Leidenschaft. Doch ist es nicht verständlich, dass der Mann an unserer Seite nicht gerade vor Begeisterung ausflippt, wenn er uns abends in unserer ausgebeulten Jogginghose auf dem Sofa rumlümmeln sieht? Bevor wir also unser Ego mit einem unüberlegten Abenteuer aufpolieren, sollten wir erstmal uns selbst auf Hochglanz bringen.

 

„Bringen wir lieber uns selbst auf Hochglanz“

 

Worauf warten wir also noch? Lasst uns in unsere Miniröcke und Stilettos schlüpfen und das tun, was wir schon vor 15 Jahren hätten tun sollen: Die Kinoeinladung von dem lieben Kerl annehmen, der uns Tag für Tag zur Seite steht.

 

Keine Lust auf Lesen? Fionas Kolumne gibt’s auch zum Zuhören:

 

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