Und, wie viele Partner hattest Du so?

“Das gehört sich nicht.” Ein Satz, mit dem ich quasi aufgewachsen bin und den ich heute nicht mehr hören kann. Ehrlich, ich bekomme regelrecht Ausschlag bei diesen Worten. Und ganz besonders, wenn ich sie von Frauen höre. Am liebsten möchte ich dann jedes Mal schreien: “WARUM??? – WER SAGT DAS??”

Ich habe türkische Wurzeln, bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Meine Eltern, selbst in der Türkei groß geworden, haben versucht, mir beide Mentalitäten, so gut es geht, zu vermitteln und miteinander in Einklang zu bringen. Ich denke, kaum einer von uns kann nachvollziehen, wie schwer es gewesen sein muss, sein Heimatland hinter sich zu lassen mit der Gewissheit, dass sie nicht wiederkommen würden, um in ein fremdes Land zu ziehen, wo Gepflogenheiten, Mentalitäten und Werte so ganz anders sind. Sex vor der Ehe war bis zu einem bestimmten Alter ein riesiges Thema für mich. Anzahl der Sexualpartner?! Vergiss es!! Ich sollte jungfräulich in die Ehe gehen..irgendwie witzig, wenn man bedenkt, dass ich jetzt das Gesicht für AMORELIE bin und Tipps für besseren Sex gebe. Also, alle können sich denken, dass das mit der Jungfräulichkeit nicht ganz so gut geklappt hat, wie damals gedacht.

Dass meine Eltern, die in der Türkei aufgewachsen sind, in einigen Bereichen klassischer bzw. konservativer denken, ist irgendwie klar, aber warum denken heutzutage junge Frauen, die teilweise jünger als ich und in Deutschland groß geworden sind, so? Wieso ziehen sich gerade Frauen freiwillig ein Korsett über, das von der männerdominierten Gesellschaft für sie gemacht worden ist?!

Worüber genau reden wir? Ich rede über Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen, Schubladendenken. Ein Bild davon, wie wir meinen, wie ein Mann oder eine Frau sich zu verhalten hat, weil es der Norm entspricht.  

Ich bringe Euch mal ein Beispiel: Wer von uns kennt diese Situation nicht?! Du lernst jemanden kennen, Ihr verabredet Euch und schwuppdiwupp seid Ihr bereits beim ersten Date im Bett gelandet. Jetzt schreien wahrscheinlich die meisten Frauen auf: „NEEEIIINNN!!! Wenn Du es ernst mit ihm meinst, dann musst Du ihn zappeln lassen! Der ist doch so schnell weg, so schnell kannst Du gar nicht gucken!“. Aber was, wenn man sich prächtig versteht, einen die Gefühle übermannen, alles so perfekt scheint und es eben doch dazu kommt? Heißt das automatisch, dass man von nun an nur noch die Rechte einer Geliebten zu erwarten hat?! Kann daraus nichts Ernsthaftes mehr entstehen?

Ich habe eine Feldanalyse, sowohl bei Frauen als auch bei Männern, in meinem Freundes – bzw. Bekanntenkreis gestartet und das Ergebnis hat mich wirklich überrascht. Meine Frage war: “Denkst Du, Du hast noch eine reale Chance auf eine ernstgemeinte Beziehung, wenn Du beim ersten Date mit ihm in die Kiste hüpfst?” Ca. 98% der Frauen waren der Meinung, dass danach der Drops gelutscht und da nichts mehr zu holen sei. Witzigerweise war die Meinung der meisten Männer das genaue Gegenteil, nämlich: “Wieso sollte sie keine ernsthafte Chance mehr haben?! Wenn es passt, ist es total egal..dann kann das schon mal vorkommen.” ……interessant, findet ihr nicht auch?! Heißt für mich übersetzt: Mädels, entspannt Euch. Die Welt geht nicht unter, wenn ihr die Beine mal nicht zusammenkneift.

Kleiner Einwurf: Bitte liebe Frauen, fangt jetzt nicht an, all Eure Prinzipien über Bord zu werfen und mit alles und jedem ins Bett zu springen. Aber ich finde ein wenig entspannter könnten wir in dieser Hinsicht schon sein. Wir sollten einfach mehr auf unser Bauchgefühl hören.

Anderes Beispiel: die Anzahl der Sexualpartner. Ein furchtbares Thema. Nirgendwo gehen die Meinungen stärker auseinander und bei keinem Thema wird mehr geschummelt – auf beiden Seiten wohlgemerkt. Wobei Männer gerne die Zahl hochschrauben und Frauen sie meist verringern. Bei gestandenen Männern in einem gewissen Alter kann die Zahl schon mal im dreistelligen Bereich liegen und niemand, wirklich niemand ist überrascht oder geschockt. Bei Frauen ist alles, was über 10 Sexualpartner hinausgeht, ein Sensationsmoment der Extraklasse. Ich könnte kotzen. Ich habe schon als kleines Mädchen nie einsehen können, warum Männer immer anders behandelt worden sind als Frauen.

Eine repräsentative Umfrage von 2013, die das Partnerportal FriendScout24 beim Marktforschungsinstitut GfK in Auftrag gegeben hat, hat gezeigt, dass die Deutschen im Schnitt 5,8 Sexpartner haben – Männer grundsätzlich mehr als Frauen. Sie haben durchschnittlich mit 7,4 Frauen ihr Bett geteilt, Frauen mit 4,3 Männern. Wobei natürlich der geografische und soziale Hintergrund, das Alter, wie auch der Bildungsgrad eine erhebliche Rolle bei der Erhebung spielten.

Puuuh! Nochmal: 5,8 Sexualpartner – das GANZE LEBEN. Ok, es geht hier um einen Durchschnittswert, d.h., dass es natürlich Menschen gibt, die mit 20 oder mehr Sexualpartnern weit über dem Durchschnitt liegen, aber mit Sicherheit auch viele, die nicht mehr als 1-3 Sexualpartner in ihrem gesamten Leben kennenlernen. Die Anzahl von 5,8 Sexualpartnern finde ich erstmal erschreckend niedrig. Nehmen wir mal an, dass ein Deutscher mit 16 Jahren sein erstes Mal erlebt und seine letzte Romanze im stolzen Alter von 75 Jahren im Altersheim stattfindet, so hat er im Schnitt etwa alle 10 Jahre mit einer neuen bzw. anderen Person Sex. Alle 10 (!!!) Jahre. Natürlich reißen hier Beziehungen den Schnitt runter und man sollte eine solche Zahl auch nicht zu ernst nehmen.

Männer zwischen 60-69 zum Beispiel sind wohl mit 10 Partnern im Durchschnitt die Spitzenreiter, während bei den Damen die Altersgruppe 30-39 die meisten Sexualpartner aufweisen – wenn man bedenkt, dass wir Frauen da unsere sexuelle Hochphase haben, nicht verwunderlich.

Was ich ebenfalls sehr interessant finde: Auch das Einkommen scheint einen Einfluss auf die Anzahl der Bettbekanntschaften zu haben. Geringverdiener bis 749 Euro monatlich haben lediglich 3,8 Partner, Mehrverdiener mit 3.500 Euro und mehr kommen auf 11,4 Partner. Gold Digger- und Trophy Wife-Alarm!!!

Quantität oder Qualität?

Sind wir glücklicher oder besser im Bett, nur weil wir mehr Erfahrungen mit verschiedenen Sexpartnern gesammelt haben? Das muss nicht unbedingt der Fall sein. Natürlich sammelt man mehr witzige Anekdoten auf dem Weg dahin und mit Sicherheit trifft man hier oder da jemanden, mit dem man das ein oder andere Liebesabenteuer ausprobieren kann, aber eine Vielzahl erotischer Erfahrungen mit unterschiedlichen Sexpartner erhöht nicht unbedingt die Qualität der sexuellen Performance.

Eigentlich hängt es immer vom gesamten Sex-Repertoire ab. Guter Sex ist nicht nur eine Frage der Übung, sondern auch der Einfühlsamkeit, der Experimentierfreude und nicht zuletzt der sexuellen Anziehungskraft. Es gibt Menschen, die im Bett besser harmonieren, da spielt es kaum eine Rolle, wie viele Sexpartner sie zuvor hatten. Denn berauschende Lust ist ein individuelles Phänomen zwischen zwei Menschen, unabhängig davon, was zuvor so abging. 

Es gibt Menschen, die hatten schon unzählige Sexpartner – aber kommen über das banale Ein­mal­eins des Sexspiels nicht hinaus.

Aber ich will auch nicht verheimlichen, dass Sexforscher eine gewisse Erfahrung für den Spaß an der Freude mitverantwortlich machen. Demzufolge braucht es für befriedigenden Sex auch etwas Übung. Schon allein wegen der Hormone. Denn: Je häufiger wir Sex haben, umso mehr Testosteron haben wir im Blut und damit auch mehr Lust auf Sex. Allerdings können wir daran auch mit ein und demselben Partner arbeiten, es kommt nicht darauf an, mit wem wir trainieren, sondern wie oft.

Darüber reden? Bloß nicht!

Davon mal abgesehen, dass ca. 72 Prozent der Befragten eh nicht darüber spricht, sondern schweigt und genießt, rate ich sowieso davon ab, darüber zu reden. Bringt doch eh nichts, außer Verunsicherung auf beiden Seiten. Ich weiß, dass man, wenn man frisch verliebt ist, alles über den Partner wissen möchte, aber so genau wollen wir es dann doch nicht wissen – Männer erst recht nicht, und besonders nicht, wenn man lange Single war und einigermaßen aktiv – da läppert sich schon mal einiges zusammen. Doch Gottseidank hat die Emanzipation doch noch gefruchtet: Mittlerweile sind 41 Prozent der Deutschen der Ansicht, die Anzahl der Sexpartner einer Frau spiele keine Rolle. Toll!

Jeder vierte Deutsche meint jedoch immer noch, dass eine Frau nicht mehr als 5 Sexpartner gehabt haben sollte. Jeder Zehnte meint sogar, dass ein einziger Partner vollkommen ausreichend sei und 7 Prozent fänden es sogar gut, wenn Sex vor der Ehe für die Frauenwelt generell tabu wäre. WTF?! Irgendwie schwierig, denn gerade diese Männer wollen eine Sexgöttin im Bett, die aber trotzdem Sittlichkeit nach außen ausstrahlt.  Die Hure im Bett, die Heilige nach außen sozusagen. Dass sexuelle Erfahrung jedoch durch Ausschweifung bedingt ist, wird gerne mal unter den Tisch gekehrt. So aufgeklärt, wie wir meistens tun, sind wir dann doch nicht.

Und wie sieht es andersherum aus? Was Männer angeht, ist scheinbar alles anders: Nur 21 Prozent sind der Meinung, fünf Sexpartner seien genug. 45 Prozent der Deutschen finden sogar, dass die Anzahl der Sexpartner bei Männern gar keine Rolle spiele. Ganz im Gegenteil sogar: 6 Prozent der Männer meinen, je mehr Sexpartner ein Mann habe, desto besser sei sein Ruf. Kleine Anmerkung: Das sehen allerdings nur 1,1 Prozent der Frauen so. Keine Überraschung. Wie oft ich schon von Freundinnen folgenden Satz gehört habe: “Lass bloß die Finger von dem. Der hat schon ganz Berlin durch.” Interessanterweise ist ein kompletter Mangel an Erfahrung auch ziemlich unsexy für die Damen, denn offenbar wird der Marktwert anhand der Sexualpartner ausgemacht. Gab es null Sexkontakte, ist man halt nicht attraktiv genug oder aber “es stimmt was nicht mit dem..”.

Ich habe tatsächlich auch mal den Fehler gemacht, ehrlich darüber zu reden – meine Zahl. Mittlerweile lasse ich es. Die Wahrheit ist ein Romantikkiller. Es ändert auch nichts daran, wer ich heute bin und wie ich zu dem geworden bin und das sollte es auch nicht. Ich finde man sollte darüber nicht reden müssen – das gehört sich nicht! 🙂

 


Tuba – unsere AMORELIE Expertin

Tuba-Profil_rundAlter: 33 Jahre
Wohnort: Berlin
Hobbys: Mode, Lesen
Beziehungsstatus: Single
Erfahrungen mit Sextoys: Was denkt Ihr?! Ich sitze schließlich an der Quelle!
Lieblingstoy: womanizer Pro!!!
positive Eigenschaften: stets positiv und gut gelaunt
negative Eigenschaften: ungeduldig, tollpatschig und ständig der „Elefant im Porzellanladen“

 Noch Fragen?

Schreib Tuba, was Du schon immer wissen wolltest! Einfach unter diesem Artikel kommentieren und vielleicht beantwortet Tuba schon in ihrer nächsten Kolumne Deine Frage.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.