Haben Männer keine Eier mehr?

Haben Männer keine Eier mehr?
Eiersuche – warum Männer heutzutage ihre Eier suchen und sie bei Frauen wiederfinden

Nein, natürlich meine ich damit nicht explizit die Hoden eines Mannes oder irgendwelche körperlichen Defizite – ich rede von Mumm, Balls, Cojones…  Sie symbolisieren die Fähigkeit, für sich selbst und auch für andere einzustehen. Dazu gehört auch der Mut, Dinge einzufordern oder für sie zu werben. Oder aber auch Unsicherheiten zulassen zu können.  

Schriftstellerin Linda Rachel Sabiers hat es mal sehr treffend formuliert: “Man findet heutzutage leichter einen Mann, der einem Drogen besorgen kann, anstatt dass er ein Regal zusammenbauen könnte.”

Und tatsächlich: Ich besitze heute mehr Werkzeuge als ein Mann – inklusive Schlagbohrer. Warum? Weil mich mein Vater so großgezogen hat. Er stammt noch aus einer Generation, in der Frauen kleingehalten wurden. Da er das selbst aber nie für sein kleines Mädchen (er nennt mich tatsächlich immer noch so) wollte, waren die ersten Dinge, die ich von meinem Vater gelernt habe, Löcher in die Wand zu bohren, Kebapspieße zu belegen (das ist in der Türkei eher Männersache) und wie ein Mann Auto zu fahren – inklusive Schandmaul. Im Grunde genommen wollte er, dass ich so selbstständig wie möglich bin und nicht auf einen Mann angewiesen sein muss. Und das war auch gut so! Es gab in meiner Vergangenheit kaum einen Mann, auf den ich mich handwerkstechnisch hätte verlassen können.

Er sagt bis heute Folgendes zu mir: “Selbst wenn Du verheiratet bist und Kinder hast, wenn Dein Mann Dich schlecht behandelt, gibst Du ihm einen Arschtritt und suchst Dir einen Neuen… oder auch mehrere Neue. Hauptsache Du bist glücklich!” Er wollte unbedingt, dass mir Eier wachsen, wie einem Kerl… Wow, und das von einem türkischen Papa! Wie ich ihn für seine modernen Ansichten liebe!

Also habe ich meinen Abschluss gemacht, bin nach Berlin gezogen, hab meine Wohnung selbst eingerichtet (!), bin die Karriereleiter weiter hochgestiegen, habe nebenbei Männer zum Frühstück verspeist und so vor mich hingelebt. Das hat mir natürlich jahrelang sehr gefallen, dieses Bild von mir als starke Frau, die einen Mann nur will, nie braucht… Nach fünf Jahren Single-Dasein drängte sich mir aber dennoch die Frage auf: Bin ich vielleicht zu stark? Habe ich mehr Eier entwickelt als ein Mann?

Mein bester Freund bestätigte mir einst meine Annahme. “Tuba, Männer sehen Dich und sind eingeschüchtert. Sogar ich bin es manchmal, obwohl ich Dich kenne und weiß, wie weich Dein Kern ist. Du tust Dinge, von denen andere träumen. Du tust sie einfach. Du sagt Dinge, die ich mich nicht trauen würde und wenn ein Mann Dich nicht anspricht, dann ist der Grund eher der, dass er Angst vor einem Korb hat. Also, lassen sie es gleich sein. Von Dir einen Korb zu bekommen, wiegt schwer, glaub mir!”

Zu oft gab es Situationen, in denen ich von Männern abgeturnt war, weil ich ihr Verhalten als “unmännlich” empfunden habe. Und bis heute ist das ein großes Thema, auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Erst vor kurzem hat eine Freundin jemanden übers Netz kennengelernt. Nach zwei Wochen SMS-Kontakt und Telefonaten haben sie sich dann das erste Mal getroffen. Kurz vorher meinte sie noch zu mir, sie sei etwas verknallt – er könne es (“der Richtige”) eventuell sein. Ein Date später war die Sache dann schneller vorbei als gedacht. Zitat: ”Der ist mir zu weiblich.” Natürlich musste ich nachhaken: “Was heißt zu weiblich”? Sie: ”Na, die Art und Weise wie er redet und dabei gestikuliert. Ich schwöre Dir Tuba, wenn Du ihn siehst, ist er ein Berg von einem Mann, aber sobald er den Mund aufmacht, ist es bei mir vorbei! Da geht nichts mehr!”

Klar, verstehe ich irgendwie…Trotzdem hat mich das zum Nachdenken gebracht. Auf der einen Seite suchen wir einen Mann, an dessen Schulter wir uns anlehnen können, der uns mit einer leichten (-> Betonung auf leicht) Macho-Art zeigt, wo es langgeht, auf der anderen Seite wollen wir uns nichts von Männern vorschreiben lassen. Wir wollen jemanden, der uns stundenlang zuhört, ab und zu auf die Kinder aufpasst, damit wir mit unseren Ladies einen draufmachen können, aber auch jemanden, der manchmal auf den Tisch haut und uns in unsere Schranken weist, wenn wir selbst schon lange wissen, dass wir übers Ziel hinausgeschossen sind – Eier halt. Aber wehe, er versucht uns zu ändern!

Wir wollen einen Mann der viel Geld verdient, aber auch genügend Zeit für uns und die Familie hat. Wir wollen manchmal einfach Dinge, die sich nicht vereinbaren lassen. Wahrscheinlich ist das oft der Grund, warum wir unsere Männer verunsichern. Wir wollen so viel und so viel Gegensätzliches, dass sie nicht mehr wissen, wie sie uns glücklich stellen können, so dass Man(n) schnell mal in eine Art Ohnmacht fällt.

Ach ja, Männer mit Schneid… Ich vermisse auch die Zeiten, in denen Männer noch die Eier hatten, eine Frau im realen Leben anzusprechen. Ich bin – ganz wie es Disney gewollt hat – mit traditionellen Wertvorstellungen groß geworden und merke gerade, dass sie vielleicht nicht unbedingt falsch, aber nicht mehr aktuell sind. Und nachdem uns zweitklassige Hollywoodschnulzen und Liebesromane jahrelang suggeriert haben, wie eine perfekte Liebe auszusehen hat, werden wir in der Realität mit Tinderella konfrontiert. Na super! Statt von dem Prinzen, der auf einem weißen Ross daher eilt, wird man heutzutage – ungewollt – von Dickpics überrascht. Entweder man wird mit zu vielen “Eiern” beworfen oder man muss nach ihnen suchen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich angeflirtet worden bin und im Endeffekt nichts passiert ist, obwohl ich klar und deutlich symbolisiert habe, dass ich empfänglich war für seine Annäherungen. Ich meine, ehrlich Jungs, traut Euch doch mal was! Selbst ich als Frau habe schon mal den ersten Schritt gemacht und einen Korb kassiert. Ich habe es auch überlebt, alles halb so wild! Aufstehen, weitermachen oder besser gesagt, weiterflirten!

Tja, viele Männer heutzutage haben anscheinend auf dem Weg zur Gleichstellung ihre Eier verloren. Und das finde ich irgendwie verwunderlich, denn eigentlich dominieren Männer unsere Gesellschaft – vor allem wirtschaftlich, das muss man leider zugeben. Beispiel Karrierefreiheit: Noch immer verdienen Männer im Durchschnitt gut 20 Prozent mehr als Frauen.

Frauen haben ihr Recht auf Karriere eingefordert, aber fordern Männer auch ihr Recht auf Familie? Männer sind teilweise nur noch Schatten ihrer selbst, weil sie es uns Recht machen wollen. In gesellschaftlichen Diskussion geht es viel um die Rolle und das Bild der Frau. Aber es geht nicht um die Männer. Frauen diskutierten ausführlich darüber, wie sich Privatleben und Arbeit vereinen ließen. Von Männern hört man da kaum was – die sind seltsam still. Über die Jahrzehnte hinweg sind Frauen anscheinend Eier gewachsen. Aber was ist mit den Männern? Haben sie uns ihre Eier übergeben?

Das Problem: Der Wandel im beruflichen Leben geht viel schneller, als der im privaten. Mit  Ausnahme der oberen Führungsetagen, wo meist noch das klassische Männerregiment mit der Hausfrau zu Hause herrscht, haben Männer irgendwo darunter das Gefühl, dass sie weder im Büro noch daheim viel zu sagen hätten. Sie fühlen sich zurückgesetzt. Wenn Frau NEIN zur Motorradtour sagt, verkneifen sie es sich entgegenzusteuern, weil sie die Konfrontation scheuen. Statt selbstbewusst aufzutreten, arrangieren sich Männer mit den neuen Weiblichkeitsidealen.

Generell habe ich das Gefühl, dass heutzutage eine etwas verquere Welt herrscht. Meine letzte Beziehung ging leider nicht gut aus, weil ich mehr Appetit auf Sex hatte als er. Selbstverständlich habe ich mich zurückgewiesen gefühlt, nicht sexy. Ich dachte das Problem würde allein an mir liegen: Ich sei nicht mehr begehrenswert genug. Ich zweifelte an mir selbst und war frustriert. Was ich nicht wusste, ich war nicht allein. In Wahrheit passiert das sogar ziemlich oft in deutschen Schlafzimmern. Bei einem Drittel aller Paare wünscht sich demnach die Frau mehr Sex, bei einem Drittel der Mann (Quelle: Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben: Die populärsten Irrtümer über Beziehungen und Liebe, 2014, Christian Thiel). Meinen Frust ließ ich natürlich an ihm aus und das war noch weniger hilfreich, weil er dann gar keine Lust mehr hatte. Ich habe mich nicht getraut mit anderen über das Thema zu sprechen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass mich irgendwer verstehen würde. Ich wollte nicht, dass ein Außenstehender mich als eine Frau mit einem “anormalen Hunger” oder ihn als Mann ohne Eier sieht, denn ich habe ihn nie so gesehen. Ein- oder zweimal habe ich dann doch versucht, das Gespräch mit Freunden zu suchen. Schließlich muss auch ich mich ab- und zu mitteilen. Sofort wurde ich mit ungläubigen Zweifeln gestraft. “Was ist das denn für ein untypischer Mann? Das hab ich ja noch nie gehört!”  oder “Wie kann ein Mann bei Dir nicht an Sex denken bzw. einen hochkriegen? Ein Mann müsse doch immer Lust haben…” Tja, auch das kann mal passieren.

Warum ich davon erzähle? Die Beziehung ging zwar aus einem essentiellen Grund in die Brüche, aber dennoch hätte ich ihn nie als unmännlich bezeichnet, weil er mir so viel mehr gegeben hat, als so viele andere Männer da draußen. Er hat mir gezeigt, dass ich als starke Frau, einen genauso starken Mann brauche. Jemanden, der mich genau wegen meiner wilden, lauten und ehrlichen Art liebt. Auch wenn er manchmal selbst das Gefühl hatte, er müsse sie erst suchen, wird er für mich immer der Mann mit den größten Eiern bleiben. Eier haben oder nicht haben, ich denke das bleibt etwas sehr Subjektives.

Nach diesem sehr langen geistigen Erguss, fragen sich jetzt wahrscheinlich einige Männer: “Meint die mich?” oder “Gehöre ich auch zu jener Sorte Mann ohne Eier?!”

Über die Jahre und den gefühlt Millionen Gesprächen, die ich sowohl mit Männern als auch mit Frauen geführt habe, haben sich für mich genau drei Kategorien von Eier-Trägern herauskristallisiert. Entscheidet doch einfach selbst, zu welcher Kategorie Ihr gehört:

Typ 1

Hat-einfach-Eier: Da muss man glaube ich nicht viel zu sagen – die haben sie einfach – ein Korb? So what, dann eben zur nächsten!

Typ 2

Denk-Eier: Die überlegen erstmal eine gefühlte Ewigkeit, ob sie ihre Eier finden. Und manchmal ist es dann leider schon zu spät.

Typ 3

Sauf-Eier: Die saufen sich ihre Eier an. Selbst wenn sie einen Korb bekommen, erinnern sie sich im besten Fall nicht mehr daran.


Tuba – unsere AMORELIE Expertin

Tuba-Profil_rundAlter: 33 Jahre
Wohnort: Berlin
Hobbys: Mode, Lesen
Beziehungsstatus: Single
Erfahrungen mit Sextoys: Was denkt Ihr?! Ich sitze schließlich an der Quelle!
Lieblingstoy: womanizer Pro!!!
positive Eigenschaften: stets positiv und gut gelaunt
negative Eigenschaften: ungeduldig, tollpatschig und ständig der „Elefant im Porzellanladen“

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2 Kommentare

  • Hey Tuba,

    schöner Artikel. Du bringst das Thema ziemlich genau auf den Punkt.
    Die Männerschaft von heute ist leider zum Großteil völlig verweichlicht und fast nutzlos. Und dann wundern sie sich, dass sie Single, einsam und „unbedeutend“ sind…

    Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen, es ist heute alles andere als leicht, ein „guter“ Mann zu sein.

    Du musst gleichzeitig stark sein, aber auch verständnisvoll. Du musst das Geld nach Hause bringen, aber gleichzeitig auch die Kinder hüten. Du sollst die Rolle des starken Geschlechts übernehmen, aber auch samstags die Wohnung putzen…

    Das sind viele konträre Erwartungen, die man an den Mann von heute stellt. Meistens wird immer nur EINE Sparte abgedeckt. Entweder „Badboy“ oder „Ernährer“, aber niemals beides gleichzeitig.

    Ich sehe auch immer wieder, wie Männer versuchen, sich bei ihren Angebeteten schmackhaft zu machen, indem sie sie mit rationalen Begründungen, Angebereien und Argumenten locken möchten, was Quatsch ist. Entweder da gibts ne Anziehungskraft oder nicht…

    Dabei ist es eigtl. ganz einfach: Ich mag es sehr gerne, ein Mann zu sein. Selbst wenn Du als Mann hässlich bist, kannst Du mit einer guten Persönlichkeit, einem gepflegten Äußeren, einem Job, einem Ziel, etc. noch ordentlich was reißen.

    Wenn Du als Frau nicht hübsch bist, wird es erstmal deutlich schwieriger.

    Ich handhabe das so, dass ich einfach tue, was mir gefällt und niemals die Kontrolle abgebe. Ich fahre schon jahrelang sehr gut mit „Zuckerbrot & Peitsche“. Ich bin nur da, wenn man mich wirklich braucht… aber sonst kann man mich auch ruhig mal vermissen. Ich zieh mein eigenes Ding durch, bin durchaus egoistisch, aber trage meine Partnerin dennoch immer auf Händen. Ich versuche dabei nicht unsicher & bedürftig aufzutreten, denn das ist der Abtörner schlechthin.

    Ich könnt noch so viel mehr schreiben, aber belass es mal hierbei und bin gespannt, was es sonst noch so für Feedback gibt.. 😉

    LG
    Henning

  • Das mit den gegensetzlichen erwartungen der Frau stimmt. Was ich vermisse ist „ein Mann ein Wort“. Ding, man kann sich auf kaum jemanden verlassen, loyalität ist selten geworden. Viele haben internet- oder telefoneier. Diese verweichlichung ist aber auch gefährlich, da dinge nicht mehrboffen sodern versteckt hinterrücks geklärt werden, es gibt keine Ehre mehr. Klingt traurig ist es auch. Heutzutage muss ein mann einnkörper haben wie ein gott, soviel geld verdienen wie ein drogenboss und zeit für die Familie haben und hellsehen können, er muss wissen was die Frau will, auch wenn sie das gegenteil sagt. Ausserdem muss ein mann alles handwerkliche können. Heute hab ich einen mann gesehen der an der kasse im supermarkt von seiner frau ausgeschimpft worden ist weil er die lebensmittel falsch aufs laufband gestellt hat, er guckte nur zu boden und war still, Ich habe mir geschworen das ich niemals so enden werde. Hinter jedem Grossen Mann steht eine starke Frau, nur sollte die Frau den Mann motivieren. Wenn eine Frau viel Geld möchte darf sie nicht fragen wie es verdient wird. Ausserdem hab ich mir vorgenommen ich nehme nur noch männer ernst die zu ihrem wort stehen. Wenn nicht dann sind sie irrelevant für mich, meine Zeit nicht wert.

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